Die Frau mit den zwei Gesichtern

Illustrierte Filmbühne Nr. 236 (E. S.) – Der belanglose, aber auch hübsche Film Die Frau mit den zwei Gesichtern hat etwas ganz Besonderes, weil er ganz allgemein mit einem totalen Misserfolg des Weltstars Greta Garbo und ihrem Rückzug aus dem Filmgeschäft verbunden wird. Dabei sind vielleicht einfach nur die Erwartungen der Produzenten und Kritiker zu hoch.

Die Frau mit 2 GesichternDer Weltstar aus Schweden gefällt in der leichten Komödie durchaus, auch die Handlung flimmert – zumindest für uns Jugendliche – locker-flockig und auch sehenswert über Leinwände. Nur wer von der Garbo das Übermenschliche und gleichsam Tragische erwartet (und stets verlangt) kann enttäuscht sein. Natürlich ist der Streifen von 1941 kein Höhepunkt filmischen Schaffens, doch eine Komödie wie diese passt durchaus in die Zeit von 1948/49 Denn auch die politischen Nachrichten haben zur Jahreswende oft genug aufmunternden Charakter. Die westlichen Alliierten melden, dass bis zum Jahresende alleKriegsgefangenen aus ihrem Gewahrsam entlassen worden sind oder werden, und auf dem Berliner Flughafen Tempelhof landet das 100 000. Flugzeug mit Versorgungsgütern für die von der Sowjetunion blockierten Westsektoren der Stadt. Unter solchen Umständen ist auch das leichte Thema für die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr recht angenehm.

Die Handlung des Films ist den Screwball-Comedys jener Jahre nachempfunden. Dafür spricht auch, dass Melvyn Douglas – ein populärer Vertreter dieser Filmgattung – den männlichen Part gibt. Die spröde und naturverbundene Skilehrerin Karin Borg (Greta Garbo) hat sich jedenfalls in den mondänen Verleger und Herausgeber Larry Blake (Melvyn Douglas) verliebt, er erwidert ihre Gefühle und beide heiraten Hals über Kopf, ohne sich näher zu kennen. Das bringt Missverständnisse und jede Menge anderer Probleme mit sich, so dass der Stadtmensch entnervt nach New York „flüchtet”. Doch Karin Borg gibt nicht auf, folgt dem Ehemann in die Stadt und erobert ihn dort in der Rolle einer Zwillingsschwester“ namens Kathrin auf’s Neue.

Nach vielen Verwicklungen und der Rückkehr ins Skiparadies beichtet Karin ihrem Mann den Schwindel mit der lasterhaften „Zwillingsschwester” und gelobt, mit ihm nach New York zurückzukehren. Die „Illustrierte Filmbühne” schildert das Finale so: „Als (Larry Blake) vorgibt, ihr kein Wort zu glauben, packt Karin die Wut der Verzweiflung. Sie schnallt ihre Ski an und fährt davon. Larry folgt ihr und landet nach einer halsbrecherischen Abfahrt über Wächten und Steilhänge in einem Teich – und schließlich pudelnass, aber versöhnt in den Armen der geliebten Frau, die nun Karin und Katrin für ihn sein wird.” Ende gut, alles gut!

Daten zum Film 

Die Frau mit den zwei Gesichtern (Illustrierte Filmbühne Nr. 236) mit dem Originaltitel Two-Faced Women ist eine leichte Komödie mit Screwball-Charakter aus den USA (1941) und Greta Garbos letzter Film, produziert und verliehen von Metro-Goldwyn-Mayer (MGM). Die 90 Minuten sind von George Cukor in Szene gesetzt, es spielen Greta Garbo (als Karin und Kathrin Borg), Melvyn Douglas (als Verleger Larry Blake). Ebenfalls im Einsatz sind Roland Young, Constance Bennett, und Robert Sterling. Die deutsche Stimme von Greta Garbo kommt von Eva Vaitl, Melvyn Douglas wird von E. F. Fürbringer gesprochen. – Uraufführung in den USA am 30. November 1941, in der amerikanischen Besatzungszone am 17. September 1948, in Frankfurt erstmals am 19. November 1948 (Bieberbau); im Mai 1962 in der DDR.