Hallo, Fräulein!

Illustrierte Filmbühne Nr. 350  (E. S.) – Auf den Tag genau eine Woche bevor die Bundesrepublik Deutschland konstituiert wird, ist in München die Erstaufführung eines Filmes, zu dem die Hauptdarstellerin Margot Hielscher die  Vorlage geliefert hat. Das Hauptanliegen des Filmes ist die Jazzmusik, aber auch das in den Nachkriegsjahren permanent vorhandene Thema des „Fraternisierens“ zwischen den alliierten Siegern und den deutschen Besiegten. Der Film Hallo, Fräulein! reisst das Thema freilich nur locker an.

Hallo, FräuleinMargot Hielscher verarbeitet der Legende nach einige eigene Lebenserfahrungen. Die Schauspielerin und Sängerin hat nach dem Ende des Krieges 1945 in amerikanischen Soldatenclubs gesungen, aber auch vor deutschen Publikum; schließlich geht sie mit einer US-Band auf Tournee; alles das findet sich im Film wider, der vorgibt, die Situation in den ersten Jahren nach dem Ende des Krieges zu beschreiben. Doch in Wahrheit  ist davon nur am Rande die Rede. Die Hamburger Zeitschrift „Der Spiegel” schreibt ziemlich irritiert, der Film verwandele „den (…) Nachkriegssommer in eine heitere Auferstehungsstunde des Jazz.” Die Postille ist zudem ein wenig verblüfft, weil das Kino-Publikum „allem Anschein nach diese sweet-romantische Gegenwartsdeutung als wohltuend empfindet.”

Doch es ist der Geist dieser Zeit. Weil die so genannten „Trümmerfilme” den Verleihern und Kinobesitzern (und dem Publikum?) längst ein Dorn im Auge sind, wird die wenig erfreuliche Gegenwart der Monate nach dem Mai 1945 als unbeschwertes, musikalisches Lustspiel abgebildet. Die Handlung ist durchdrungen von Swing des Radio-Tanzorchester des Nordwestdeutschen Rundfunks, wobei auch die Geige von Helmut Zacharias zu hören ist, ansonsten geht der Blick in eine deutsche Kleinstadt.

Dort ist nach den Wirren des Krieges die junge Maria Neuhaus (Margot Hielscher) gestrandet, die als Chefin und Sängerin einer Jazzkapelle nach neuer Arbeit sucht. Dort unterstützen sie sowohl der US-Stadtkommandant Tom Keller (Peter van Eyck) als auch der von Keller provisorisch eingesetzte Bürgermeister und Ingenieur Walter Reinhardt (Hans Söhnker).

Der  US-Major interessiert sich freilich – wer hätte das (nicht) gedacht? – in erster Linie für die junge Maria Neuhaus; aus diesem Grund tingelt er sogar in seinem Urlaub  mit der Kapelle über’s Land. Weil aber der provisorische Bürgermeister eine wichtige Rolle im Leben der Musikerin zu spielen beginnt, kommt es zu einigen Komplikationen zwischen ihr und den beiden Männern. Schließlich aber entscheidet sich die swingende Bandchefin gegen den jazzbegeisterten Offizier und für den grundsoliden deutschen Ingenieur. Klappe zu!

Daten zum Film 

Hallo, Fräulein-! (Illustrierte Filmbühne Nr. 350)ist eine musikalische Komödie der Camera-Filmproduktion aus dem Jahr 1949 nach einer Idee der Hauptdarstellerin Margot Hielscher. Unter der Leitung von Regisseur Rudolf Jugert spielen Margot Hielscher (als Jazzsängerin Maria Neuhaus), Hans Söhnker (als Ingenieur und Bürgermeister Walter Reinhardt), Peter van Eyck (als amerikanischer Captain Tom Keller). Weiter dabei: Bobby Todd, Iska Geri, Hannelore Bollmann. Die Musik schreibt Friedrich Meyer, die Texte stammen von Hans Fritz Beckmann. Wichtigste Lieder im Film „Swing, swing, swing!” und „Einer unter Millionen”.

Die deutsche Uraufführung ist am 13. Mai 1949 in München, wenig später läuft der Film in vielen deutschen Großstädten (ab 20. Mai im Bieberbau in Frankfurt). Vom Autor gesehen 1949 in den Harmonie-Lichtspielen in Sachsenhausen.