Die gute Erde

Illustrierte Filmbühne Nr. 532 (E. S.) – Was ist zu tun, wenn ein nur auf Gewinn ausgerichteter Filmverleiher einen kleinen Kinobetreiber mit „sanftem Druck“ dazu „überredet”, einen Film in sein Programm aufzunehmen, der am Interesse des Publikums in dieser Gegend so völlig vorbeigeht? Nun, wenigstens so zu tun, als ob ein wichtiger kultureller Anlass die Vorführung geradezu zwingend notwendig macht. So handelt jedenfalls der Besitzer der Wall-Lichtspiele in Frankfurt-Sachsenhausen.

Die gute ErdeHerr K. steckt zweifellos in der Klemme, als er  Die gute Erde weniger aus  Überzeugung, sondern aufgrund seiner Verpflichtungen mit dem amerikanischen Filmverleih MGM vorführen muss. Das  ergibt– so weiß Herr K. aus seiner langjährigen Erfahrung – wenig Sinn und wird mit Sicherheit kein einträgliches Geschäft. Herr K. kennt schließlich seine Pappenheimer ganz genau, begrüsst viele Besucher persönlich mit Handschlag, wenn er in seinem mehr als winzigen Kassenhäuschen sitzt und ihnen die Eintrittskarten verkauft. Und außerdem weiß er, dass die Besucher vor allem in sein kleines Lichtspielhaus kommen, um Abenteuerfilme oder auch leichte Unterhaltung genießen zu können. Schließlich wollen sich die Leute nach der schweren Arbeit einfach nur entspannen.

Die gute Erde nach dem gleichnamigen Roman von Pearl S. Buck gehört jedoch zur schwereren Kost. Herr K. macht also aus seiner Not eine Tugend und weist in der Werbung darauf hin, dass er den Film vom Freitag (22. September) bis zum Montag (25. September 1950) aus Anlass der zweiten Frankfurter Buchmesse in der Paulskirche als kombinierte „Film-und Buchwoche” zeigen werde. Mit diesem Hinweis auf das kulturelles Anliegens hofft der Mann, die Situation zu retten.

Immerhin gehört der Stoff zur Weltliteratur und beschreibt das Schicksal eines chinesischen Bauernfamilie, die in mühsamer Arbeit dem kargen Land einen gewissen Besitz abgerungen hat, sich dabei allerdings voneinander abgewandt hat. Erst nach vielen dramatischen Auseinandersetzungen finden die Eheleute wieder einen Weg der Gemeinsamkeit.

Eine Naturkatastrophe und der Tod der Frau machen Buch und Film durchaus lesens- und sehenswert, doch das im fernen China angesiedelte Thema ist für die wenigen Besucher des kleinen Stadtteil-Kinos dann doch eher ein zweifelhaftes Vergnügen.

Daten zum Film 

Die gute Erde (Illustrierte Filmbühne Nr. 532) mit dem Originaltitel The good Earth ist ein Drama nach dem gleichnamigen Roman von Pearl S. Buck und im Jahr 1937 von Metro-Goldwyn-Mayer hergestellt. Unter der Leitung von Regisseur Sidney Franklin spielen Luise Rainer (als O-Lan), Paul Muni (als Wang Lung). Weitere Mitwirkende sind Tilly Losch, Walter Connolly und Jessie Ralph. Die deutsche Schauspielerin Luise Rainer erhält 1938 den Oscar als beste Hauptdarstellerin, die Trophäe geht auch an Kameramann Karl Freund.

US-Premieren sind am 29. Januar 1937 in Los Angeles und am 2. Februar 1937 in New York City. In der Bundesrepublik im Dezember 1949 in den Kinos; gesehen in den Wall-Lichtspielen im September 1950.