Herzkönig

Illustrierte Filmbühne Nr. 230  (E. S.) – Mit der Praxis des Filmverleihens ist es in den ersten Nachkriegsjahren eine besondere Sache und auch undurchsichtig. Als 1947 Herzkönig – es ist der erste Film von Artur Brauners Central Cinema Company (CCC) – in Berlin-Tempelhof fertiggestellt ist, wird er zunächst in der französischen Zone von der Internationalen Filmallianz in die Kinos gebracht, im sowjetischen kontrollierten Bereich kommt die DEFA zum Zug, im britisch und amerikanisch besetzten Teil ist dafür der Lloyd-Verleih zuständig. Noch haben die Militärbehörden das Sagen.

HerzkönigDas alles spielt freilich keine Rolle mehr, als der unverbindliche Film in einer Zweitaufführung in Frankfurt am Main im Harmonie-Kino (in Frankfurt-Sachsenhausen), im Schwanen (Bockenheim) und im Casino (Höchst) vom 10. bis 16. Dezember 1949 zu sehen ist. Denn zu diesem Zeitpunkt existiert schon seit nunmehr sieben Monaten die Bundesrepublik, die am 24. Mai ausgerufen worden ist; die alten Strukturen des Verleihs sind also überholt. Erstaunlich ist jedoch, dass die Zeit der so genannten „Trümmerfilme” schon längst vorbei ist und die Bewältigung der Vergangenheit inzwischen ziemlich klein geschrieben wird. Dafür feiern Operettenfilme und Lustspiele in Ufa-Manier sowie Adelsromanzen schon wieder fröhliche Auferstehung. Immerhin hebt der Oberste Gerichtshof für die britische Zone am 12. Dezember den Freispruch im Prozess gegen den Filmregisseur Veit Harlan auf, weil es der Gerichtshof als nahezu erwiesen ansieht, dass Harlan – immerhin Regisseur des antisemitischen Films Jud Süss – sich eines „Verbrechens gegen die Menschlichkeit” schuldig gemacht hat.

Abgesehen von den politischen Entwicklungen leidet der Film Herzkönig darunter, dass es zu dieser Zeit in Deutschland beim Filme machen (noch) nicht möglich ist, mit jener Ausstattung und den finanziellen Mitteln aufzutrumpfen, die wirklich gute Unterhaltung garantiert. Der halbherzige Versuch, an die deutsche Traumfabrik von einst anzuknüpfen, bleibt in dem Lustspiel deshalb ziemlich auf der Strecke, auch wenn Hans Nielsen in einer Doppelrolle als Landesvater und als Schriftsteller durchaus gefällt. Immerhin wird der Film auch durch die zahlreichen Verwechslungen aufgebessert, ehe sich alles im üblichen Film-Wohlgefallen auflöst.

Daten zum Film

Herzkönig (Illustrierte Filmbühne Nr. 230) ist eine musikalische Operette der Central Cinema Company (CCC) von Artur Brauner aus dem Jahr 1947 (Erster Film der CCC). Unter der Leitung von Regisseur Helmut Weiss, der das Drehbuch nach einem eigenen Stück geschrieben hat, spielen Hans Nielsen (als König Petroni und als Schriftsteller), Lisa Lesco (als Königin), Sonja Ziemann (Bianca), Aribert Wäscher (als Papupowitsch), Wilhelm Bendow (als Pupopawitsch), außerdem sind dabei: Georg Thomalla, Hannelore Bollmann, Undine von Medvey, Walter Bechmann, Curth Flatow, in einer winzigen Nebenrolle: Adrian Hoven. – Erstaufführung am 25. August 1947, in Frankfurt kommt den Film erstmals am 26. November 1948 in der Scala auf die Leinwand, gesehen vom Autor allerdings erst Mitte Dezember 1949 in der Harmonie in Frankfurt-Sachsenhausen.