Hilfe, ich bin unsichtbar

Illustrierte Filmbühne Nr. 1174 (E. S.) Ohne jede inhaltliche Bedeutung ist das Lustspiel Hilfe, ich bin unsichtbar, das am 2. September 1951 im Luxor am Hauptbahnhof seine Frankfurter Erstaufführung erlebt. Gleichwohl bleibt mir der Film in guter Erinnerung, denn just zur gleichen Zeit darf ich erste Erfahrungen in der „praktischen Filmarbeit” machen.

HilfeZunächst zum Film: Der Inkassovertreter Fritz Sperling (Theo Lingen) ist zwar ein liebender, aber auch sehr „vergnügungssüchtiger” Ehemann, der in seiner Freizeit das mühsam verdiente Geld – sehr zum Leidwesen seiner jungen Frau (Inge Landgut) – in technische Experimente steckt, um einen Apparat zu entwickeln, der die Menschen unsichtbar machen soll. Irgendwann wird er tatsächlich unsichtbar, und setzt seine Umwelt in gehörige Verwirrung, muss aber schnell erkennen, dass die Welt auch für einen Unsichtbaren nicht gerade vergnüglicher wird. Um wieder sichtbar zu werden, benötigt Sperling sogar eine gewisse Menge alkoholischer Getränke, was ihn unversehens vor die Frage stellt, entweder unsichtbar und nüchtern zu sein, oder sichtbar und betrunken. Die sich daraus ergebenden Situationen halten den Film mit zahlreichen komischen Szenen am Laufen, ohne jedoch Beifallstürme auszulösen. Es ist eben ein Lustspiel, wie sie zu dieser Zeit massenweise in die Kinos gespült werden. Immerhin aber sind Theo Lingen, Grethe Weiser, Fita Benkhoff, Hubert von Meyerinck und Joseph Offenbach zu dieser Zeit Garanten für beste Unterhaltung. Für mich persönlich aber ergibt sich nach dem Film sogar die Chance, selbst bei einem Film „mitzuarbeiten.

Denn als ich das Luxor verlasse, steht in der Nähe ein Kameramann, der den Hauptbahnhof ablichtet. Ich spreche ihn an und erfahre, dass er im Auftrag der Hamburger Schrader-Film in Frankfurt Aufnahmen für den Streifen „Frankfurt im Rhythmus der Zeit” macht. Geplant ist eine Mischung aus Dokumentar- und Werbefilm. Neben den üblichen Szenen vom Wiederaufbau der Stadt sowie Zoologischem Garten, Zeil, Römer, Hauptbahnhof und Palmengarten werden aufstrebende Frankfurter Firmen präsentiert, wofür sie natürlich zahlen müssen.

Kulissenschieber

Auf meine Bitte hin darf ich nun zwei Tage lang – selbstredend ohne Honorar – als Praktikant bei den Dreharbeiten mitarbeiten und agiere dabei als „Mädchen für alles”, „Strippenzieher” und „Kulissenschieber”. Dem Kameramann helfe ich außerdem bei seinen Aufnahmen im Zoo, wir drehen einige Szenen im Möbelhaus Helberger in der Großen Friedberger Strasse – genau gegenüber dem Filmpalast – , und noch bei der Firma Reinelt, die sich seit einiger Zeit mit einer so genannten Ölkalt-Welle bei den Frauen eingeschmeichelt hat.

Diese erste Filmarbeit ist eine interessante Erfahrung für mich, aber am tollsten finde ich, dass mir die allesamt sehr netten Filmleute nach dem Drehschluss bei Helberger einiges von ihrem eigenen kargen Honorar zustecken. Einige Woche später sehe ich den Film im Vorprogramm der Harmonie in Sachsenhausen. Die 12 Minuten gehen wie im Flug vorbei, und irgendwie bin ich ein bisschen stolz darauf, dabei gewesen zu sein – wenn auch nur als „Handlanger” bei einem kurzen Werbefilm.

Daten zum Film

Hilfe, ich bin unsichtbar (Illustrierte Filmbühne Nr. 1174) ist ein Lustspiel der Jungen Film-Union aus dem Jahr 1951 in einer Länge von 87 Minuten. Produzenten sind Rolf Meyer und Karl Junge. Unter der Regie von E. W. Emo spielen die in solche Auftritten erprobten Darsteller Theo Lingen (als Inkassovertreter Fritz Sperling), Inge Landgut (als seine Frau Ilse Sperling), Fita Benkhoff (als Yvonne), Grethe Weiser (als Frau Mahlow), Margarete Haagen (als Tante), Käte Pontow (als Dienstmädchen), Hubert von Meyerinck (als Prof. Orsini), und Joseph Offenbach (als Techniker) die wichtigsten Rollen. Das Drehbuch schreiben Herbert Tjadens, Erwin Kreker und Kurt Werner, an der Kamera steht Hans Schneeberger. Die Musik ist von Friedrich Schröder – Deutsche Erstaufführung: am 7. Juli 1951; in Frankfurt zu sehen ab 2. September im Luxor am Hauptbahnhof.