Frankfurter Kinos

Von Erich Stör (Frankfurt am Main)

Schauburg NeuAls erstes Kino nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges beginnt die Lichtburg in der Kaiserstraße 74 am Frankfurter Hauptbahnhof wieder mit Filmvorführungen. Schon Ende Juli 1945 wird das traditionsreiche Haus wieder eröffnet und gezeigt werden zunächst so genannte „Kulturfilme“ aus den USA (zum Beispiel „Das Tennessee Tal“ oder „Der Jeep“). Diese Eröffnung ist für die Stadt so wichtig, dass sogar Oberbürgermeister Dr. Kurt Blaum anwesend ist und eine Rede auf die kulturelle Zukunft der Stadt hält. Außerdem wird die Wochenschau „Welt im Film“ gezeigt, die von Amerikanern und Briten bereits am 18. Mai, also zehn Tage nach Kriegsende, zum ersten Mal produziert worden ist.

Ab 15. August 1945 nimmt dann die Schauburg in der Bornheimer Bergerstraße den Betrieb wieder auf und zeigt den amerikanischen Streifen Die ewige Eva – zwar noch in Originalfassung, aber doch schon mit den einkopierten deutschen Untertiteln. Dieser Film  wird noch von den US-Behörden über den eigens für diese Zwecke gegründeten „Amerikanischen (Militär-) Filmverleih (AFI)“ in die  deutschen Lichtspielhäuser gebracht. Anfang März 1947 spielen in der Frankfurter Innenstadt und in den etwas weiter außerhalb liegenden Stadtteilen bereits wieder 14 Kinos. Es sind die Schauburg und das Apollo in Bornheim, die Harmonie in Sachsenhausen, das Titania in Bockenheim sowie in der Bahnhofsgegend die Lichtburg und das Hansa. Dazu kommt das Provisorium Zoo-Lichtspiele im Ostend. In den Vororten haben die Ton-Lichtspiele (Rödelheim), das Union (Sindlingen), die Anker-Lichtspiele (Fechenheim), das Regina (Eckenheim), die Lichtspiele (Bonames) sowie Römer und Casino (Höchst) die Vorführmaschinen wieder in Betrieb genommen.

Im Laufe der nächsten Wochen und Monate bereichern in der Innenstadt von Frankfurt weitere Theater die Kinowelt. Die Scala in der Schäfergasse startet im September 1947 mit dem Film In Ketten um Kap Horn, das Bieberbau an der Hauptwache eröffnet am 20. Dezember 1947 mit dem Nachkriegsfilm … und über uns der Himmel, das Luxor am Hauptbahnhof beginnt seine Vorführungen am 27. März 1948. Am 16. November 1948 flimmern die ersten Bilder über die Leinwand des Roxy in der Vilbeler Straße (Reise ohne Hoffnung), das Eden in der Lange Straße im Ostend folgt wenige Tage später mit dem französischen Streifen Und es ward Licht

Zu Weihnachten 1948 ist die Anzahl der Kinos auf 29 angestiegen. Neben Scala, Eden, Roxy, Luxor und Bieberbau im Stadtkern haben in den Stadtteilen und Vororten das Wall-Kino (Sachsenhausen), das Schwanen (Bockenheim) sowie Delphi und UT (beide Preungesheim), das Atrium (Heddernheim), die Römer-Lichtspiele (Praunheim), das Central-Theater (Griesheim), die Nidda-Lichtspiele (Nied), das Luna (Höchst) und das Riederwald-Kino wieder ihre Pforten geöffnet.  Und das ist erst der Anfang… (E.S.)

Einige Erstaufführungskinos in Frankfurt nach 1945 

Scala-Lichtspiele, Schäfergasse 29 (500 Plätze). Eröffnet am 21. September 1947 mit dem Abenteuerfilm In Ketten um Kap Horn (mit Alan Ladd). – Zusatzinformation. Das Kino existiert als „Eldorado” auch heute noch und ist auf die Präsentation von so genannten Arthouse-Filmen spezialisiert.

Bieberbau-Lichtspiele, Biebergasse 8 (630 Plätze). Eröffnet am 19. Dezember 1947 mit dem „Trümmerfilm” … und über uns der  Himmel. (mit Hans Albers). – Zusatzinformation: Weil die bestellte Bestuhlung nicht rechtzeitig geliefert wird, müssen zur Eröffnung eiligst herbeigeschaffte Küchenstühle aufgestellt werden. Das Kino wird im Jahr 1965 geschlossen, an gleicher Stelle entsteht bald danach ein großes Geschäftshaus.

Luxor-Filmtheater, Am Hauptbahnhof 10, knapp 450 Plätze. Eröffnet am 27. März 1948 mit dem britischen Monumental-Spielfilm Caesar und Cleopatra (mit Vivien Leigh, Claude Rains und Stewart Granger). Nach zahlreichen Erstaufführungen in „Studio Luxor” umbenannt und spezialisiert auf die Vorführung künstlerisch anspruchsvoller Filme, doch bereits im Jahr 1959 mangels Interesse und entsprechender Einnahmen geschlossen.

Roxy-Lichtspiele, Vilbeler Straße 29, 420 Plätze. Eröffnet am 16. November 1948 mit dem französischen Kriminalfilm Reise ohne Hoffnung (mit Jean Marais). – Zusatzinformation. Das Kino schliesst im März 1969 seine Pforten und macht vorübergehend einem Möbelgeschäft Platz.

Eden-Lichtspiele, Lange Strasse 22, 700 Plätze. Eröffnet am 18. November 1948 mit dem französischen Melodram Und es ward Licht (mit Michéle Morgan). – Zusatzinformation: Das Kino, da an der Grenze zwischen Innenstadt und Ostend steht, wird 1958 an diesem Standort geschlossen, existiert aber unter seinem alten Namen in den E-Kinos an der Hauptwache weiter.

Filmpalast-Theater, Große Friedberger Strasse 26-28, 1500 Plätze. Eröffnet am 26. September 1949 mit dem französischen Spielfilm Von Mensch zu Mensch, einer Biografie über den Rot-Kreuz-Gründer Henri Dunant (Jean-Louis Barrault). – Zusatzinformation: Die Einnahmen der Eröffnungsvorstellung werden dem Roten Kreuz gespendet. Der Filmpalast erhält mit dem City-Filmpalast 1960 eine zweite Spielstätte. Beide Theater stellen jedoch Ende März 1965 ihren Betrieb ein.

Metro im Schwan, Steinweg 12 (nahe Hauptwache) im Gebäude des früheren „Ufa im Schwan”, 1200 Plätze. Eröffnet am 21. Dezember 1949 mit dem Unterhaltungsfilm Die Reise nach Marrakesch (mit Luise Ullrich und Maria Holst). – Zusatzinformation: Das Theater, zu dem später noch das Bambi und die Palette gehören, wird Ende 1989 geschlossen. Heute befindet sich darin das Bücher-Kaufhaus Hugendubel.

Turmpalast am Eschenheimer Turm zwischen Stift- und Bleichstraße (Hausnummer 55) gelegen, 1200 Plätze. Eröffnet am  30. März 1950 mit dem österreichischen Film Vagabunden der Liebe (mit Pauly Wessely und Attila Hörbiger). – Zusatzinformation: Die Hauptdarsteller sind bei der Premiere anwesend. Das Kino, das im Laufe der Zeit in viele Schachtelkinos (Turm 1 bis Turm 6) aufgeteilt wird, schließt 2010.

Rex-Lichtspiele, Kaiserstraße 64, 538 Plätze. Eröffnet Ende Januar 1952 mit dem österreichischen Film Hallo, Dienstmann mit Hans Moser, Paul Hörbiger und Maria Andergast. – Zusatzinformation:  An gleicher Stelle befanden sich von 1912 bis 1942 mit wechselnden Besitzern die Luitpold-Lichtspiele. Letzte Vorstellungen im Rex im Jahr 1977.

Zeil-Filmtheater, Zeil 85-93, 800 Plätze. Eröffnet Anfang April 1952 mit dem Operetten-Film Die Diebin von Bagdad (mit Sonja Ziemann und Rudolf Prack). – Zusatzinformation. Das Kino ist aufgrund baulicher Gegebenheiten unter der Einkaufsstraße Zeil im Gegensatz zu anderen Häusern asymetrisch angelegt. Geschlossen im September 2004.

Europapalast, Holzgraben/Zeil 125 an der Hauptwache, 1150 Plätze. Eröffnet am 29. August 1952 mit dem Operettenfilm Der Fürst von Pappenheim (mit Victor de Kowa). – Zusatzinformation: Im gleichen Haus befinden sich abgetrennt vom Ur-Europaplast die Kinos Eden, Esplanade 1 und 2, Elysee 1 und 2, Esprit und Elite. Wegen des Anfangsbuchstabens E wird auch die Bezeichnung „E-Kinos” benutzt. Zu diesen E-Kinos gehört auch das außerhalb des Komplexes gelegene Eldorado (früher Scala).

Alemannia-Lichtspiele, An der Hauptwache 5, 720 Plätze. Mit dem Film Die heilige Lüge am 9. April (Karfreitag) 1955. In den Hauptrollen Ulla Jacobsson und Karl-Heinz Böhm. – Zusatzinformation: Das Kino hielt bis 1990 durch, ehe es seine Pforten für immer schloss und einem Sportartikel-Fachgeschäft Platz machte..

Grand-Palast, Reineckstraße 7-11 hinter dem Bienenstock-Haus an der Konstabler Wache, 900  Plätze. Eröffnet am 5. August 1955 mit der Komödie Drei Männer im Schnee (mit Claus Biederstaedt, Paul Dahlke und Nicole Heesters). – Zusatzinformation: Das Kino, zu dem auch ein Hotel gleichen Namens gehört, erhält im Jahr 1958 als erstes Theater in Frankfurt eine Wasserorgel. Nach nur zehn Jahren Bestand 1965 geschlossen.

Gloria-Palast, Kaiserstraße 28, Ecke Neue Mainzer Straße, 610 Plätze. Eröffnung am Karfreitag, 30. März 1956, mit dem Film …denn sie wissen nicht, was sie tun (mit James Dean).– Zusatzinformation: Das Kino war von 1945 bis 1956 elf Jahre lang von den US-Streitkräften beschlagnahmt. Endgültig geschlossen am 21. Juni 1981.

Cinema-Lichtspiele, 400 Plätze. Am Roßmarkt 5, nahe der Hauptwache. Mit dem MGM-Film Einladung zum Tanz  (mit Gene Kelly) am 10. April 1956 eröffnet. – Zusatzinformation: Nach vorübergehender Schließung spielt das Kino heute noch (Stand: Oktober 2012).

MGM-Theater, Schäfergasse 10, 880 Plätze. Eröffnet am 16. April 1957 mit der Musical-Komödie Die oberen Zehntausend (mit Grace Kelly, Bing Crosby, Frank Sinatra). – Zusatzinformation: Das Theater wird von Metro-Goldwyn-Mayer 1976 an die Riech-Gruppe (später Ufa) verkauft und firmiert als Royal-Theater. Die Frankfurter Filmtheaterbetriebe Liselotte Jaeger (E-Kinos) war ein Jahr lang im Besitz des Kinos, ehe es  2003 endgültig geschlossen wurde.

(Quellen: Archiv Frankfurter Rundschau)