Hochzeit im Heu

Illustrierte Filmbühne Nr. 1036 (E. S.) – Als eine vergnüglich-harmlose Sache stellt sich der Film Hochzeit im Heu nur auf den ersten Blick dar. Der Film erlebt Anfang Juni 1951 im Bieberbau seine Frankfurter Premiere und es flimmert eineinhalb Stunden hübsche Unterhaltung über die Leinwand – nicht krachledern, sondern mit besinnlichen Untertönen, wenn gelegentlich auch durchaus derb – doch immerhin ist es eher eine Tragikomödie denn derber Bauernschwank, und durchaus verbunden mit kritischen Untertönen.

Der Wiener Schriftsteller, Journalist und  Autor Ludwig Anzengruber (1839-1889) gilt vielen als kritischer Zeitgenosse mit einem Hang zur sozialen Gerechtigkeit. Gewiss kein Sozialist im herkömmlichen Sinne, aber doch ein Mann, der sich nicht dem Bild von einer heilen Welt  verschrieben hat. Auch „Der Meineidbauer”, „Der Kreuzlschreiber” oder „Der Pfarrer von Kirchfeld”, um nur einige Beispiele zu nennen, legen Zeugnis davon ab. In seinem  Theaterstück „Doppelselbstmord”, auf dem der Film beruht,  greift Anzengruber das uralte Drama von „Romeo und Julia” auf, verbindet die ländliche Liebesromanze aber mit sozialen Aspekten einer bäuerlichen Dorfgemeinschaft. Dabei ist das Thema wahrhaftig nicht neu. Im Film hat Regisseur Arthur Maria Rabenalt indessen schmunzelnd und detailgetreu ein hübsches Bild vom dörflichen Leben in den Bergen gezeichnet, von Liebe, Hass und häuslicher Tyrannei natürlich, von Menschen eben und von Käuzen. So ist daraus ein Heimatfilm geworden, der sich mit Blick auf den Ursprungsautor Anzengruber und dessen Bodenhaftung deutlich von anderer Massenware dieser Zeit abhebt.

Die Geschichte ist dabei eher schlicht gehalten. Die Agerl Hauderer (Inge Egger) und der Poldi Sentner (Fritz Lehmann) können nicht zusammenkommen, weil zwischen den beiden Familien eine schon über 20 Jahre lang andauernde „Erbfeindschaft” besteht. Erschwerend kommt natürlich hinzu, dass die zwei Bauern in finanzieller Hinsicht unterschiedlicher kaum sein können. Der eine geriert sich als reicher und (selbstverständlich) protziger Großbauer, der andere ist dagegen mit Grund und Boden nicht gerade gesegnet: also ein armer Schlucker, ein Kleinbauer, gleichwohl aber ein Sturkopf wie auch sein Gegenspieler. Nach vielen und vorhersehbaren Verwicklungen und ohne Aussicht auf Zustimmung seitens der Familien verkünden Agerl und Poldi in einem Brief, dass sie keinen anderen Ausweg mehr sehen, als sich auf „ewig zu vereinen”.

Diese alarmierende Nachricht – alle glauben sofort an einen Doppelselbstmord – bricht endlich das Eis zwischen den verfeindeten Eltern und gemeinsam suchen sie nach den Kindern. Dass die verfängliche Ankündigung ganz anders gemeint ist, als es die Väter und Mütter glauben, weiß der gewiefte Zuschauer natürlich viel früher als die Beteiligten…Im Heuschober haben sich die beiden Liebenden derweil versteckt und freuen sich diebisch, wie sie es den sturen Eltern „gegeben” haben…

Daten zum Film

Hochzeit im Heu (Illustrierte Filmbühne Nr. 1036) ist ein deutsch-österreichischer Schwank nach Motiven des Romans von Ludwig Anzengruber. Hergestellt von den Produktionsfirmen Cordial (Deutschland) und Schönbrunn (Österreich) in einer Länge von 89 Minuten im Jahr 1950, Produzent ist Frank Clifford. Unter der Regie von Arthur Maria Rabenalt spielen Oskar Sima (als Großbauer Vitus Sentner), Dagny Servaes (als Theres Sentner), Fritz Lehmann (als deren Sohn Poldi), Josef Egger (als Landwirt Ferdinand Hauderer), Inge Egger (als seine Tochter Agerl), Kurt Seifert (als Fotograf Egon Hasse), Lotte Lang (als Krämerfrau Liesl Furchtsam), Helli Servi (als Genoveva), Josef Zecheli (als Bader und Heiratsvermittler Weckerl), Hugo Lindinger (als Hölzlbauer). Das Drehbuch stammt von Hans Gustl Kernmayr und Alexander Lix, an der Kamera steht Hans H. Theyer, Musik von Albert Fischer. – Erstaufführung am 11. Januar 1951, in Frankfurt gestartet im Bieberbau am 8. Juni 1951.