Hoffmanns Erzählungen

Illustrierte Filmbühne Nr. 1169 (E. S.) Klappern gehört seit jeher im Filmgeschäft zum Handwerk. Auch als der britische Tanz- und Opernfilm Hoffmanns Erzählungen am 31. August 1951 im Frankfurter „Metro im Schwan” an der Hauptwache seine Deutschland-Premiere feiert, geht es in dieser Hinsicht in den werbenden Zeitungsanzeigen ein wenig großspurig zu.

Hoffmann„Eine phantastische Schöpfung, wie sie noch nie auf einer Leinwand zu sehen war” heisst es da zum Beispiel oder auch: „Ein Farbfilm-Wunder, das Sie die Welt vergessen lässt.” Einige weitere Superlative lauten: „Verschwenderische Ausstattung”, „musikalische Opulenz”, „exquisite Choreografie”. Das alles mag ein wenig übertrieben erscheinen, aber tatsächlich haben die Produzenten Michael Powell und Emeric Pressburger – sie schreiben außerdem das Drehbuch und führen Regie – eine höchst beeindruckende Verfilmung der Offenbach-Oper (nach den Erzählungen von E. T. A. Hoffmann) geschaffen. Manche sprechen sogar von einem künstlerischen und gesellschaftlichen Ereignis”. Die Produzenten scheuen jedenfalls keine Mühen, um ihrem Farbfilm den nötigen Glanz zu verleihen. So hat der berühmte Dirigent Sir Thomas Beecham die musikalische Leitung übernommen, für das Bühnenbild ist Oscar-Preisträger Hein Heckroth („Die roten Schuhe”) zuständig – ein Mann, dessen künstlerisches Schaffen die Theaterbesucher in Frankfurt am Main bald noch intensiver erleben werden, denn Heckroth kommt 1956 an die Städtischen Bühnen, die vom legendären Harry Buckwitz geleitet werden.

In einer weiteren Beschreibung heisst es recht überschwämglich: „Der Film ist ein einzigartiger Rausch von wundervoller Musik, perfekt choreographiertem Tanz, opulenter Ausstattung und eindrucksvoller Kameraführung.” Der Musikkritiker der Tageszeitung Frankfurter Rundschau freilich schlägt einige kritischere Töne an:

„Wer in die Oper geht, weiß, dass in Musik gesetzte Erklärungen der Liebe, des Hasses oder einer anderen Gemütslage unverhältnismäßig viel mehr Zeit in Anspruch nehmen als im Schauspiel mit seinen wendigen Worten und im Film mit dem optisch ‚sprechenden’ Bild. Er weiß, dass Arien, Ensembles und Instrumentalstücke musikalischen Gesetzen unterworfen sind, deren Erfüllung mitentscheidend ist für den Rang des Gesamtwerkes. Und er weiß endlich, dass dass ein Opernlibretto kein Schauspieltext und kein Drehbuch ist… Das haben Michael Powell und Eric Pressburger offensichtlich nicht genügend bedacht.”

Abgesehen von diesen relativierenden Worten eines Musikkritikers
bleibt doch festzuhalten, dass das Publikum seine reine Freude an den Darbietungen hat. Zumal die Mitwirkenden ihr Bestes auf die Leinwand bringen. Moira Shearer, die schon in dem Märchen „Die roten Schuhe” die Hauptrolle inne hatte, spielt und tanzt die Olympia, Ludmilla Tscherina agiert als Giulietta und Ann Ayers gibt die Antonia. Und Leonid Massine, – er gilt als eine der Tanzlegenden des 20. Jahrhunderts –, glänzt als Spalanzani, Schlemihl und Franz.

Unter solchen Voraussetzungen ergibt die romantische und fantastische Mischung aus Kino und Oper eine Handlung voller Poesie. Dabei erzählt Hoffmann in einer Taverne in Rückblenden von den drei tragischen Lieben in seinem Leben, als da sind: Olympia, Giulietta und Antonia. Jede hat ihm sein Herz gebrochen, ihn aber auch gleichzeitig inspiriert.

Daten zum Film

Hoffmanns Erzählungen (Illustrierte Filmbühne Nr. 1169) aus dem Jahr 1951 heisst im Original The Tales of Hoffmann und ist ein Musikfilm aus Großbritannien nach der Traumoper von Jaques Offenbach, die wiederum auf E.T. A. Hoffmanns Erzählungen beruht. Hergestellt von der London-Film in einer Länge von 122 Minuten führen die beiden Produzenten und gemeinsamen Drehbuchschreiber Michael Powell und Emeric Pressburger auch die Regie. Unter ihrer Leitung spielen Moira Shearer (als Stella/Olympia), Robert Rounseville (als Hoffmann), Robert Helpmann (Lindorf/Cappelius u.a.), Pamela Brown (Nicklaus), Frederick Ashton (Kleinzack/Cochenille), Meinhart Maur (Lutter), John Ford (Nathaniel), Ludmilla Tscherina (Giulietta). An der Kamera steht Christopher Challis, die Musik ist von Jacques Offenbach.

Ausstattung von Hein Heckroth, musikalische Leitung Thomas Beecham. Ausgezeichnet mit dem Silbernen Bären der Berlinade 1951 für Musikfilme. – Weltpremiere am 4. April 1951 in New York City, deutsche Erstaufführung am 31. August 1951 im Frankfurter Metro im Schwan, im Herstellungsland Großbritannien jedoch erst am 26. November 1951 angelaufen.