Die „Illustrierte Filmbühne“

Von Erich Stör (Frankfurt am Main)

Die „Illustrierte Filmbühne” wird auf der Webseite von „DamalsKino“ fast in jedem Beitrag  zur Illustration der  Texte verwendet. Dies hat durchaus einen plausiblen Grund. Einerseits wirken die vergilben, verblassten, abgegriffenen und gelegentlich auch schon unscharfen Titelblätter sehr authentisch und passen damit sehr gut zu den Berichten über die Filme in der Nachkriegszeit, andrerseits waren diese kleinen Heftchen aber auch die ständigen Begleiter meiner Kinoleidenschaft, die mich schon als Heranwachsender gepackt hatte.

Frau gehört mir, DieZu  kaum noch zählbaren Filmen kaufte ich in den ersten Jahren nach dem 2. Weltkrieg dieses Filmprogramme, um dort nachzulesen, was mich nun erwarten würde. Dass dann freilich das dort Gelesene oft nicht mit dem Gesehenen im Kino korrespondierte, ließ viele Interpretationen zu. Nachdem ich aber einige Zeit in den zentralen Werbeabteilungen von Warner Bros. und Metro-Goldwyn-Mayer in Frankfurt gearbeitet hatte, wusste ich bald , woran das lag. Die Inhaltsangaben kamen bei den ausländischen Filmen natürlich aus den Herstellungsländern, waren dann oft genug mangelhaft übersetzt, und führten deshalb zu manchem Missverständnis, wobei ich dabei noch nicht einmal von so berühmten Filmen wie etwas Casablanca (mit Humphrey Bogart und Ingrid Bergman) oder Weisses Gift (eigentlich „Berüchtigt“ und ebenfalls mit Bergman und Cary Grant) rede, denn das ist eine gänzlich andere Geschichte. Gleichwohl boten diese vier-, sechs- oder manchmal achtseitigen Heftchen viele Informationen, vor allem die Fotos gaben einen recht guten visuellen Einblick in den Film.

Denn die Grafiker des Verlages in München, wo der Verleger Paul Franke als Nachfolger des Filmbühne-Verlages von Charly Barbarino und Hans Moser die Tradition des alten Berliner „Illustrierten Filmkuriers” fortsetzte – verwendeten bei Gestaltung und Herstellung der Filmbühne die von den Filmverleihern zur Verfügung gestellten Fotos, Inhaltsangaben und diverse Besetzungslisten; gedruckt wurde überwiegend in Braun, aber auch Blau, Grün und Rot kamen zum Zug. Direkt nach dem Krieg hing das auch manchmal einfach damit zusammen, welche Farbe in den Tiefdruckereien gerade vorrätig war. Manchmal gestattete sich der Verlag aber durchaus auch den Luxus einer vierfarbigen Ausgabe.

Meine erste „Filmbühne” kaufte ich im Jahr 1947 vor dem Besuch des Films Die Frau gehört mir in der Schauburg im Frankfurter Stadtteil Bornheim. Der Preis betrug damals 10 Pfennige. Doch mit dem Fernsehen gerieten nicht nur Filmproduzenten und natürlich auch die Kinobesitzer in die Krise, auch die „Filmbühne” hatte um’s Überleben zu kämpfen, und ab Mitte der 50er Jahre begann der Absatz, der bei Spitzenfilme in die Hunderttausende gegangen war, kontinuierlich zu sinken. Schon bald wurden nur noch Programmhefte produziert, wenn klar war, dass wenigstens 5000 Exemplaren zu verkaufen waren. Als auch dieses Ziel nicht mehr zu erreichen war, wurde die Serie im Jahr 1969 mit der Ausgabe Nummer 8069 (Die Nichten der Frau Oberst, Teil 2) eingestellt.

Gelegentlich werden hier zusätzlich auch Ausgaben der Reihe „Das neue Filmprogramm“, „Illustrierter Filmkurier“ (Berlin und München), „Filmpost“ (Büdingen) und „Film im Bild“ verwendet. Die Rechte dafür liegen beim Filmverlag Unucka in Hebertshausen. Für einige österreichische Ausgaben von Filmprogrammen gab uns der Film- und Kunstverlag Susanne Odlas die Einwilligung zur Veröffentlichung. Wegen der Lizenzrechte darf entsprechendes Material von dieser Webseite nicht übernommen werden.

(© Foto: Filmverlag Unucka)