Die besten Jahre unseres Lebens

Illustrierte Filmbühne Nr. 193  (© E. S.) Die Wege zum Ruhm sind nicht nur mit Rosen bestreut. Das müssen auch drei US-Soldaten erfahren, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zwar als „große Sieger“ in den amerikanischen Mittelwesten zurückkehren, sich gleichwohl aber auch als Verlierer fühlen und sich erst mit den neuen Gegebenheiten in der Heimat arrangieren müssen.

Die besten JahreAls der Film Die besten Jahre unseres Lebens am 1. Juni 1948 in deutsche Kinos kommt, zeigt er den Deutschen in nachdrücklicher Form, dass auch die Gewinner eines Krieges nicht nur die strahlenden Helden sind, sondern auch sie sich in vielen ungewohnten und auch alltäglichen Situationen bewähren müssen. Immerhin sind durch ihre langjährige Abwesenheit viele ihrer eigenen Werte in Frage gestellt worden – und sie selbst haben sich durch die Kriegsereignisse ebenfalls verändert. Das macht die Rückkehr der drei in ein normales Leben umso schwieriger. Al Stephenson (Frederic March) hat es als ehemaliger Bankmensch, der in seinen Beruf zurückkehren kann, zwar am einfachsten aus dem Trio, muss allerdings erkennen, dass ihn seine Kinder als Fremden betrachten, der mehrfach ausgezeichnete Flieger Fred Derry (Dana Andrews) – von Berufs wegen nur ein Limonadenverkäufer – sieht sich mit einer zerrütteten Ehe konfrontiert und der Seemann Homer Parrish (Harold Russell) ist nach dem Verlust seiner beiden Hände gezwungen, sich in ein völlig anders Leben als vor dem Krieg einzuordnen.

Die Hamburger „Zeit” ist jedenfalls durchaus angetan von dem Werk und schreibt nach der Premiere des 172 Minuten langen Films im Hamburger Capitol, dieser amerikanische Heimkehrerfilm zeige Mut, Sachlichkeit, Taktgefühl und eine menschliche Haltung, wie man sie nach dem Kriege im Film kaum gesehen habe. Zitat: „Mit unmissverständlicher Offenheit verkündet er das Ende des Krieges und der Größe seiner Helden.” Gleichwohl beklagt die Wochenzeitung in manchen Szenen den etwas übertriebenen US-Hurra-Patriotismus.

Gleichwohl: weil der Film (Originaltitel: The best Years of our Lives), der dann bald auch in Frankfurt läuft, eher behutsam und subtil mit dem Thema umgeht, wird er aufgrund seiner zwar kritischen, aber letztlich doch positiven Grundstimmung auch von der Kritik gut aufgenommen (weitgehend auch in Deutschland) und 1947 mit sieben Oscars ausgezeichnet. Bester Film (Samuel Goldwyn), Regie (William Wyler), Hauptdarsteller (Frederic March), Nebendarsteller (Harold Russell), Filmmusik (Hugo Friedhofer), Drehbuch (Robert E. Sherwood), Schnitt (Daniel Mandell). Weil Harold Russell Laienschauspieler ist und im Krieg tatsächlich beide Hände verloren hat, erhält er zusätzlich noch einen Ehrenoscar und spielt später auch noch in anderen Filmen mit.

Daten zum Film

Die besten Jahre unseres Lebens (Illustrierte Filmbühne Nr. 193 in zwei Versionen) ist ein 1946 unter der Regie von William Wyler nach dem Roman „Glory for Me” von MacKinlay Kantor gedrehter Spielfilm der Samuel Goldwyn Produktion. Es spielen Frederic March (als Al Stephenson), Dana Andrews (als Fred Derry) und Harold Russell (als Homer Parish). Die weiblichen Hauptrollen sind mit Myrna Loy, Teresa Wright und Virginia Mayo besetzt. Die deutschen Stimmen sind Curt Ackermann (Dana Andrews), O. E. Hasse (Frederic March), Franz Nicklisch (Harold Russell). Die deutsche Erstaufführung erfolgt am 1. Juni 1948 im Hamburger Capitol,  im Frankfurter Bieberbau Mitte Juni 1948 zu sehen.