Null Uhr 15, Zimmer 9

Illustrierte Filmbühne Nr.  614  (E. S.) – Am 15. August des Jahres 1949, rund drei Monate nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland, steht eine Meldung im Bremer „Weser-Kurier”, dann folgen Berichte auch in anderen deutschen Zeitungen, darunter auch in den Frankfurter Blättern: Die Polizei sucht bundesweit einen Geldfälscher, der mit einem Komplizen 20-DM-Noten im Wert von immerhin 70 000 Mark gedruckt haben soll  und die Falsifikate nun unter die Leute zu bringen sucht. 

Null UhrDas ist freilich kein Einzelfall. Nur ein Jahr nach der Währungsreform von 1948 sind alleine nach Angaben der zuständigen Falschgeld-Dezernate in der Bundesrepublik Deutschland schon weit über 150 000 von nachgemachten Scheinen entdeckt worden. Diese Tatsache mitsamt Berichterstattung darüber, animiert auch die Filmemacher, sich dieses heißen Themas anzunehmen. So entsteht im Atelier Tempelhof bei der „Comedia-Film” in Berlin der Streifen Null Uhr 15, Zimmer 9 und es kommt ein Kriminalfilm der besseren Sorte heraus – was nicht bei allen deutschen Krimi-Filmversuchen der Nachkriegszeit der Fall ist. Die Handlung um eine weltweit operierende Dollarfälscher-Bande spielt sich im Jahr 1949 in einer deutschen Großstadt ab, Schauplatz ist das Hotel Leutner auf einem Pferderennplatz, in dem sich Betrüger und Hochstapler in der Maske von Biedermännern ein Stelldichein geben und dabei auch vor Mordplänen nicht zurückschrecken.

Das Interessante ist für mich, dass die Ereignisse deckungsgleich mit dem Zeitmuster des Filmes ablaufen. Das habe ich bis dahin noch nicht erlebt. Die Filmhandlung beginnt um 22,45 Uhr und endet um 0 Uhr 15, also nach 90 Minuten, was auch der tatsächlichen Filmlänge entspricht. Die Kino-Besucher werden durch eine eingeblendete Uhr im Film über den Stand der Dinge informiert. Das ist gute, spannende Unterhaltung.

Vor allem dank des jungen Hoteliers Raimund Leutner (Raimund Schelcher), der sich auf dem Zimmer seiner Verlobten Maria Mertens (Cornell Borchers) als Amateurfunker versucht, können die Pläne der Dollarfälscher-Bande vereitelt werden. Die Gangster haben nämlich ihre geheimen Funkmeldungen als Renntipps getarnt, die Leutner jedoch mithören und entschlüsseln kann. Der Kripo-Beamte Hans Wiegler (Peter Pasetti) in der Verkleidung eines Kellners lässt nach einigen undurchsichtigen Verwicklungen schließlich die Falle zuschnappen. Ein Film, der mir (und auch anderen) gefallen hat.

Daten zum Film

O Uhr 15, Zimmer 9 (Illustrierte Filmbühne Nr. 614) mit dem Arbeitstitel Turfhotel Leutner ist ein deutscher Kriminalfilm der Comedia-Film aus dem Jahr 1950. Unter der Regie von Arthur Maria Rabenalt spielen  Cornell Borchers (als Maria Mertens), Maria Schanda (als Bertha Leutner), Peter Pasetti (als Kellner und Kripomann Hans Wiegler), Walter Franck (als Konsul Alexander Pallant), Raimund Schelcher (als Martin Leutner). Auf der Darstellerliste stehen außerdem Roma Bahn, Ethel Reschke, Willi Rose und Ernst Waldow.

Die deutsche Erstaufführung war am 24. März 1950 im Universum in Essen, in Frankfurt startet der Film am 26. Mai im Luxor. Dort gesehen vom Autor am 27. Mai. In Österreich wird der Film erstmals am 9. Juni 1950 gezeigt.