In jenen Tagen

Illustrierte Filmbühne Nr. 24  (E. S.) – Der Film In jenen Tagen von 1947 ist von Regisseur Helmut Käutner als Geschichte konzipiert worden, die einen episodenhaften stilistischen Weg beschreitet, um am Beispiel eines schrottreifen Autos die dramatischen Erlebnisse seiner Besitzer im „Dritten Reich” darzustellen. Für viele junge Menschen ist das eine erste Gelegenheit, sich mit der Geschichte der vergangenen Jahre in Deutschland auseinanderzusetzen.

In jenen Tagen (2)Zwar gehört Helmut Käutner nicht zum Widerstand, zählt jedoch zu den stillen Opponenten gegen das Nazi-Regime und bewahrt deshalb eine gewisse Distanz zur Diktatur. Der Regisseur hat 1939 mit Kitty und die Weltkonferenz einen harmlosen Film gedreht, der auf Veranlassung von Außenminister J. von Ribbentrop als pro-britisch in Ungnade fällt; auch mit Unter den Brücken und Große Freiheit Nr. 7  (beide 1944) dreht Helmut Käutner zwei Filme, die in ihrer klaren Betonung des Individuellen dem gewünschten propagandistischen Weltbild der Nazis widersprechen. Für die erste kritische Aufarbeitung der Vergangenheit beim Film In jenen Tagen erntet Helmut Käutner von der Kritik dann viel Lob. In sieben verschiedenen Geschichten wird die Nazi-Zeit dargestellt, wobei eine längere Rahmenhandlung um ein Auto die Episoden miteinander verbindet. Als zwei Männer nach Kriegsende ein altes Auto ausschlachten, fragen sie sich, inwieweit es in diesen zwölf Jahren wohl Menschlichkeit gegeben hat. Das Autowrack mischt sich – nur für das Publikum hörbar –  in das Gespräch mit ein und berichtet aus seinem und dem Leben der Besitzer.

Die Erlebnisse sind dabei vielfältig: Hitlers Machtergreifung und folgende Emigration, die Verfolgung eines Komponisten, zwei Menschen in einer so genannten „Mischehe“, die mit Freitod endet, Widerstandskampf, bittere Kriegserlebnisse an der Ostfront, der 20. Juli 1941 und zuletzt das Drama der Flucht.

Der „Spiegel“ schreibt in seiner Kritik, es sei zwar „ein schwerer Film”, aber auch: „Käutner gibt mit ihm ein Beispiel, dass mit einem dichterisch geschriebenen Drehbuch, einem guten Ensemble mit sehr viel eigenen Ideen und viel Temperament aus dem Erlebnis der Gegenwart Filme geschaffen werden können, die alle angehen.“ Ein Jahr später urteilt die Zeitschrift „Die Gegenwart”: „Schwerlich ist in der ganzen deutschen Nachkriegsliteratur so tonlos, so im „Nebenbeigesprochenen“ und so haargenau die kennzeichnende Sprache der Tyrannei festgehalten.“

Doch es ergibt sich auch ein anderer Aspekt, der nirgendwo angesprochen wird, der aber doch nachdenklich macht bei meiner ganz und gar subjektiven Beurteilung. Viele dieser gut gemeinten „Trümmerfilme” aus der Nachkriegszeit – dazu zählt gewiss auch Zwischen Gestern und Morgen – tun so, als sei das Dritte Reich überwiegend von honorigen Menschen bevölkert gewesen, die Gutes bewirkt oder zumindest versucht hätten. Doch das ist nicht unbedingt einleuchtend, haben doch gerade viele Jugendliche ganz gegenteiligen Typen kennengelernt – genau passend in das System und menschlich wenig überzeugend.

Daten zum Film

In jenen Tagen (Illustrierte Filmbühne Nr. 24) ist ein deutscher SW-Spielfilm der Camera-Film Hamburg von 1947. –  Regie: Helmut Käutner. – Darsteller: Erich Schellow, Gert Schaefer (Rahmenhandlung), Winnie Markus, Werner Hinz, Karl John (1. Geschichte), Franz Schafheitlin, Alice Treff, Hans Nielsen (2. Geschichte), Willy Maertens, Ida Ehre (3. Geschichte), Erica Balque, Hermann Schomberg, Eva Gotthardt (4. Geschichte), Hermann Speelmanns, Fritz Wagner (5. Geschichte), Isa Vermehren, Margarete Haagen, Erwin Geschonnek (6. Geschichte), Carl Raddatz, Bettina Moissi (7. Geschichte).  – Deutsche Erstaufführung am 12. Juni 1947 in Hamburg (Waterloo-Theater), Frankfurter Premiere Mitte Oktober 1948 im Bieberbau.