Paganini

Illustrierte Filmbühne Nr. 52  (E. S.) – Ehrlich gesagt, habe ich noch nichts von Nicolo Paganini gehört, als ich im Sommer 1948 vor den Wall-Lichtspielen ein Plakat zu diesem Film betrachte. Gleichwohl interessiere ich mich für das Programm, aber nicht wegen des Geigers, sondern wegen der Hauptdarsteller Stewart Granger und Phyllis Calvert. Die beiden englischen Stars sind nach einigen anderen Filmen Idole an unserer Schule.

PaganiniDoch beim Betrachten der Schaukästen klingelt es bei mir. Habe ich nicht erst vor einigen Wochen in der Zeitung von einem mordenden Geigenspieler gelesen? Die Erinnerung an den Raub ist freilich nur dunkel im Gedächtnis geblieben, kein Wunder, denn zuviel Kriminelles ist in diesen höchst unsicheren Zeiten an der Tagesordnung; aber doch: ein Kellner ist es gewesen, der in der Frankfurter Innenstadt wegen einer kleinen Handvoll Schmuck seine alte Vermieterin erschlagen hat, womit er ohne Zweifel das Sprichwort: „Wo man singt, dort lass’ Dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder”, dann doch ein klein wenig ad absurdum geführt hat. Mit Paganini hat das freilich alles nichts zu tun. Erst der Film gibt mir Auskunft über den italienischen Teufelsgeiger. Jetzt weiß ich, dass  Paganini – ist nicht schon der Namen Musik in unser aller Ohren? – ein begnadeter italienischer Geigenvirtuose und Gitarrenspieler ist. Trotz seines unattraktiven Erscheinungsbildes – aufgrund von verschiedenen Krankheiten wirkt er eher leicht verwachsen und unansehnlich – wird er durch seine außergewöhnliche musikalische Begabung und seiner faszinieren Technik bereits früh zu einer Legende.

Die Feinheiten der Handlung bleiben mir im Kino allerdings eher verborgen. Dunkel erinnere ich an den Gewinn einer der berühmten Stradivari-Geigen, doch Paganini (Stewart Granger) verzockt nicht nur seine heiß geliebte Violine, sondern auch noch einen Haufen Geld. Doch der Violinspieler hat Glück im Unglück. Die ihm offensichtlich sehr zugetane junge (und dazu reiche) Jeanne de Vermond (Phyllis Calvert) löst mit ihrem Geld die Geige wieder aus und Paganini triumphiert weiter.

Das Schicksal Paganinis bleibt nun eng mit der Französin verwoben, es gibt sogar ein Duell mit ihren zukünftigen Ehemann, wobei Paganini verwundet wird, weshalb mit der Musik erst mal Pause machen muss. Am Ende aber sind Jeanne und Nicolo dann doch für immer vereint.  Der Vorgang fällt, das Licht geht an, und draussen scheint die Sonne…

Daten zum Film 

Paganini (Illustrierte Filmbühne Nr. 52) mit dem Originaltitel The magic Bow (Der magische Bogen) ist ein britischer Film der Gainsborough Pictures (Vertrieb: J. Arthur Rank) aus dem Jahr 1946 nach einem Roman von Manuel Komroff. – Drehbuch: Norman Ginsbury. – Unter der Spielleitung von Bernhard Knowles agieren Stewart Granger (als Nicolo Papagini), Phyllis Calvert (als Jeanne de Vermont), ferner mit dabei sind Jean Kent, Dennis Price und Cecil Parker. – Die musikalischen Einlagen werden von Yehudie Menuhin gespielt. – Erstaufführungen: Im September 1946 bei den Filmfestspielen in Cannes, am 25. November 1946 in London, ab 1947 in Hamburg und Berlin. Vom Autor gesehen 1949 in den Wall-Lichtspielen.