Johannes und die 13 Schönheitsköniginnen

Illustrierte Filmbühne Nr 1215 (E. S.) – Mit großem Rummel erlebt der Film Johannes und die 13 Schönheitsköniginnen Ende September 1951 im Frankfurter Turmpalast seine Uraufführung. Der Herzog-Filmverleih scheut in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundesbahn weder Kosten und Mühen, um dem Publikum die Hauptdarsteller (und unter anderen auch Miss Germany, Miss Baden und Miss Westberlin) zu präsentieren.

JohannesbraunHöhepunkt ist die Ankunft eines Sonderzuges am Hauptbahnhof, und die Zahl 13 aus dem Filmtitel wird genutzt, um die Sache noch werbewirksamer zu machen. Denn der Zug läuft genau um 13.13 Uhr auf Gleis 13 ein, später steht der Zug noch einmal auf Gleis 1 des Frankfurter Südbahnhofs. Von 17.23 bis 18.13 Uhr werden hier nochmals Autogramme verteilt. Mit von der Partie sind der überaus gestresst wirkende Rudolf Prack, eine Grethe Weiser in bester Laune – sie reitet sogar auf einem Esel durch die Sperre an Gleis 13 –, Hans Richter und Kurt Pratsch-Kaufmann. Der Bahnhof ist überfüllt mit Autogrammjägern und „Seh-Leuten”, die einen Blick auf ihre Leinwand-Lieblinge erhaschen wollen. Am Bahnsteig herrscht dichtes, fast gefährliches Getümmel, halb Frankfurt scheint an diesem sonnigen Donnerstagnachmittag auf den Beinen zu sein. Am nächsten Tag berichtet die „Frankfurter Rundschau”:

„Der Bahnhofsvorplatz glich einem Hexenkessel. Eine halbe Stunde lang verhinderte das begeisterte Publikum die Abfahrt des Omnibusses. Es war ein (…) turbulentes Volksfest.”

Am Ende sind die Schauspieler restlos erledigt, denn zwischen all dem Trubel und den Autogrammstunden präsentieren sich auch noch bei mehreren Vorstellungen dem Publikum im Turmpalast.

Anfang der Fünfziger Jahre sind Schönheitswettbewerbe der große Hit in der Bundesrepublik Deutschland. Zwar hat es solche Wettbewerbe schon in den 30er Jahren gegeben, aber die Nachkriegszeit – verbunden mit beginnendem wirtschaftlichem Aufschwung –, bringt die Lawine der Miss-Wahlen erst so richtig in’s Rollen. Erster Veranstalter ist eine Modezeitschrift, später tritt „Opal” als Geldgeber auf, sind doch die gleichnamigen „Feinstrumpfwerke” aus Schleswig-Holstein daran interessiert, ihre Beinkleider mittels werbewirksamer Miss-Wahlen an die Frau zu bringen. Jedenfalls solange bis die Firma 1962 Konkurs anmelden muss…

Unter diesen Umständen ist es kaum verwunderlich, dass sich auch der deutsche Nachkriegsfilm dieses Themas annimmt. Nachdem die Berlinerin Susanne Erichsen 1950 zur Miss Germany gekürt worden ist – sie wird bald danach eine Weltkarriere als Mannequin und Fotomodell machen –, sieht die Berliner Berolina-Film von Kurt Ulrich, die gerade mit dem Heimatfilm „Schwarzwaldmädel” einen Kassenschlager erstens Ranges gelandet hat, ihren Weizen blühen. Der erste deutsche Nachkriegsfarbfilm hat den herrschenden Zeitgeist in der Bundesrepublik getroffen wie kaum ein anderer Film zuvor. Also vermutet Ulrich nicht zu Unrecht, dass auch mit dem Thema Schönheitsköniginnen ein gutes Geschäft zu machen ist. Um den Erfolg zu wiederholen, wird auch sogleich das Erfolgsduo Prack-Ziemann verpflichtet, auch Hans Richter, Walter Müller und Kurt Partsch-Kaufmann, die zum Schwarzwaldmädel-Erfolg beigetragen haben, werden in’s Boot geholt.

Johannes und die 13 Schönheitsköniginnen kann jedoch die Erwartungen nicht ganz erfüllen, auch wenn die Kinos gut besucht werden. Denn es ist nur ein durchschnittlicher Revue- und Lustspielfilm geworden. Der Film zeigt zwar viele turbulente Szenen, hat auch einige komische Momente, aber insgesamt wirkt alles doch sehr krampfhaft und bemüht. Leichtigkeit und Inspiration fehlen…

Johannes Burghoff (Rudolf Prack) und sein Freund Jonny Klettke (Hans Richter) haben jedenfalls alle Hände voll zu tun, um die 13 jungen Frauen zur Wahl der Miss Europa sicher an die Riviera zu bekommen. Denn wegen der exzentrischen Dolmetscherin Grete Patschke (Grethe Weiser) und der Zigarettenverkäuferin Wally (Sonja Ziemann) wird aus der Reise eine schwierige Expedition. Dass die letzte Spritzigkeit fehlt könnte – wie ein Kritiker vermutet – daran liegen, dass Drehbuchautor Bobby E. Lüthge sich partout in den Kopf gesetzt hat, eine „Possenschwankburleske” in die Welt zu setzen. Weniger wäre wahrscheinlich mehr gewesen…

Daten zum Film

Johannes und die 13 Schönheitsköniginnen (Illustrierte Filmbühne Nr. 1215) ist ein Revue- und Lustspielfilm der Berolina (Produzent: Kurt Ulrich) aus dem Jahr 1951 (im Verleih der Herzog-Film). Die Regie in dem 95 Minuten langen Film führt Alfred Stöger. Unter seiner Leitung spielen Rudolf Prack (als Johannes Burghoff/Jean), Sonja Ziemann (als Wally), Hans Richter (als Johannes Klettke/Jonny), Walter Müller (Johannes Waller/Hans), Grethe Weiser (Grete Paschke), Kurt Pratsch-Kaufmann (Paul Paschke), Beppo Brem (Stabstrompeter). Das Drehbuch wird von Bobby E. Lüthge geschrieben, die Kamera führt Kurt Schulz, Musik komponiert von Frank Fox. Deutsche Erstaufführung am 26. September 1951 im Turmpalast in Frankfurt am Main.