Wenn Männer schwindeln

Illustrierte Filmbühne Nr. 863 (E. S.) – Es ist ein insgesamt doch belangloses Lustspiel, das Anfang März 1951 im „Metro im Schwan“ seine Frankfurter Premiere erlebt. Viel Durchschnittliches, gleichwohl aber einige pfiffige Dialoge und im Blickpunkt ein attraktives „Taxi-Girl“. Welche Rolle solche „Taxi-Girls“ im wirklichen Leben spielen, wird in Mitteilungen deutlich, die den männlichen Gästen oft in Bars und Unterhaltungscafés diskret präsentiert werden. 

Wenn Männer schwindeln„In unserm Hause arbeiten Taxi-Girls“, so heisst es da erläuternd und den Besuchern wird lang und breit erklärt: „Taxi-Girls sind junge Damen und in Not gekommene Künstlerinnen und Studentinnen, die sich Ihre dezente Unterhaltung angelegen sein lassen. Sie sind dazu da, mit Ihnen zu tanzen und ein paar unbeschwerte Stunden zu teilen. Darüber hinaus erwarten Sie bitte nichts, was sich mit der Würde einer Frau nicht verträgt.“  Solche bewichtigendenWorte sind vor allem an die Geschäftsleute gerichtet, die viel Zeit in Hotels und Bars verbringen, um sich nach erfolgreichen Verhandlungen zu entspannen. Es herrscht eine gewisse „Goldgräber-Stimmung“, denn das „Wirtschaftswunder“ wirft – trotz immer noch drängender sozialer Probleme im Land  – seine Schatten voraus. Und die Betreiber solcher Begleitservices fragen aber auch: „Warum dies alles?“ und geben die Antwort: „Um Ihnen die Möglichkeit zu geben, gelegentlich nachts auszugehen, ohne mit zweifelhaften Vergnügungen in Berührung zu kommen und sich in gediegener Gesellschaft wirklich wohl zu fühlen.“

Wohl fühlen will sich also auch der erfolgreiche Fabrikbesitzer Bamberg (Kurt Seifert), der seinem Freund Paul ein so genanntes „Taxi-Girl“ (Jeanette Schultze) unterschiebt, um seine eigene Abwege vor der Ehefrau (Grethe Weiser) zu verschleiern. Dieser Freund schlittert dabei natürlich unversehens und nichtsahnend in eine hübsche Liebesgeschichte hinein, was allerdings leicht vorhersehbar ist.

Luxus und Prüderie

Davon abgesehen gibt der Film einen Blick frei auf die Nachkriegsepoche, in der sich die gut Verdienenden und wirtschaftlich Dominierenden mit neuem Luxus präsentieren, wenn auch die herrschende Prüderie – im Film wie im wirklichen Leben – einigermaßen sonderbar wirkt. Weil dem Ganzen der letzte Pep fehlt, muss es wie so oft im deutschen Lustspielfilmen wieder einmal in bewährter Manier Grethe Weiser mit ihrer „Schnodder-Schnauze“ richten. Zusammen mit ihren Partnern darf sie dabei einige durchaus gelungene Dialoge abliefern, was vor allem dem Co-Autor Curth Flatow zu verdanken sein dürfte.

Daten zum Film

Wenn Männer schwindeln (Illustrierte Filmbühne Nr. 863) ist ein deutsches Filmlustspiel aus dem Jahr 1950 nach einer literarischen Vorlage von Karl Noti und Kurt Schwabach; im Drehbuch verfeinert von Carl Boese und Curth Flatow. Gedreht von der Cordialfilm, verliehen von Ring-Film. Die Regie in dem 85 Minuten langen Film führt Carl Boese; unter seiner Leitung spielen Kurt Seifert (als Seidenfabrikant Arthur Bamberg), Grethe Weiser (als seine Frau), Jeanette Schultze (als Studentin und „Taxi-Girl“ Angelika), Emil Surmann (als Bambergs Freund Paul), Rudolf Platte I (als Diener von Paul), Ida Wüst (als Zimmervermieterin Frau Schröder). – Deutsche Erstaufführung am 28. August 1950, Frankfurter Premiere am 1. März 1951 im Metro im Schwan.