Korvette K-225

Illustrierte Filmbühne Nr. 93  (E. S.) –Es ist ziemlich irritierend: Gerade erst sind die Schrecken des Krieges und der Bombardements vorbei, da schicken die Amerikaner bereits im August 1945 einen Kriegsfilm in die wenigen Kinos, die in der US-Zone bereits wieder ihre Pforten geöffnet haben. Korvette K-225 erzählt von den Auseinandersetzungen eines US-Kriegsschiffes mit deutschen U-Booten. Ein Jahr später läuft der Film unter anderem auch in der Harmonie in Sachsenhausen.

KorvetteDas Irritierende dabei ist ja, dass ganz Frankfurt noch in Trümmern liegt und das Leben nur langsam wieder in Gang kommt. Nicht jedermann darf zu dieser Zeit von außerhalb in die Stadt ziehen. In einer schriftlichen Verordnung vom 23. August 1945 teilt der von der amerikanischen Militärregierung eingesetzte Oberbürgermeister Dr. Kurt Blaum allen mit, dass „wegen der Wohnungsnot die Rückkehr von Familien und Einzelpersonen, die früher in Frankfurt gewohnt haben, sowie der Zuzug nach Frankfurt bis auf weiteres verboten (ist).” Natürlich gibt es auch einige Ausnahmen. Wer z.B. im Versorgungssektor tätig ist (ärztliche Versorgung, Ernährung, Bekleidung) darf auf schnellere Genehmigung hoffen; auch Baufachkräfte aller Art sind vom Zuzugsverbot nicht unbedingt betroffen.

Gleichwohl geht alles nur schleppend voran. Zeitzeuge Walter H. berichtet: „Obwohl mein Vater – damals Mitte fünfzig – Handwerksmeister ist, dauert es ein knappes Jahr, ehe unsere Familie als Ausgebombte die Genehmigung erhält, aus dem Westerwald nach Frankfurt zurück zu kehren.” Seltsam ist es also schon, dass die Amerikaner in diesem Chaos so schnell nach der Kapitulation wieder einen Kriegsfilm über die Leinwände flimmern lassen.

Doch das ist gewiss kein Zufall. Es ist durchaus beabsichtigt, den Deutschen die Kriegsereignisse aus Sicht der USA darzustellen. Denn dabei wird ja auch das Hohelied vom braven amerikanischen Soldaten gesungen, der gerade als Sieger in die deutschen Städte eingezogen ist. Obwohl der Film realistisch und nüchtern daherkommt und auch dokumentarisches Filmmaterial einbezogen wird, gibt es auch Szenen mit recht viel Pathos.

Im  unerbittlichen Seekrieg des Zweiten Weltkrieges jedenfalls erweist sich der kanadische Kommandant (Randolph Scott) der eingesetzten Korvette K-225 als harter Hund, der freilich bei seinen Entscheidungen versucht, allen Beteiligten gerecht zu werden. Damit vermeidet er nicht nur viele Opfer, sondern erreicht als verwundeter Mann mit seiner beschädigten Korvette den rettenden englischen Hafen.

Daten zum Film

Korvette K-225 (Illustrierte Filmbühne Nr. 93 – zuvor erschienen als Nr. 4 des zweiten Jahrgangs) ist ein von Howard Hawks produzierter Kriegsfilm der Universal Pictures aus dem Jahr 1943 in Schwarz-Weiß. Regisseur ist Richard Rosson, als Darsteller treten auf: Randolph Scott (als Commander McClain) James Brown (als Lt. Paul Cartwright), Ella Raines (als Joyce Cartwright), Barry Fitzgerald (als Stooky), weitere Mitwirkende sind: Andy Devine, Noah Beery jr., Thomas Gomez. In nicht einmal im Vorspann erwähnten Rollen sind die später berühmten Peter Lawford, Robert Mitchum und Cliff Robertson zu sehen. Erstaufführung in den USA am 29. September 1943, in der amerikanischen Besatzungszone im August 1945 (mit deutschen Untertiteln), darunter auch in Frankfurter Kinos.