Kein Engel ist so rein

Illustrierte Filmbühne Nr. 658 (E. S.) – Eine leichte Irritation herrscht im D-Zug von München nach Frankfurt: Ende März 1950 sitzen in einem Erster-Klasse-Abteil die Schauspielerin Fita Benkhoff und der Regisseur Helmut Weiss sowie eine Ente namens Isolde, alle drei Mitwirkende des Lustspiels Kein Engel ist so rein. Sie sind unterwegs zur Uraufführung im „Metro im Schwan”, als ein dienstbeflissener Schaffner die „illegal” im Abteil mitreisende Ente in den Packwagen verweist, was sich am nächsten Tag in vielen Zeitungsberichten niederschlägt.

Kein-Engel-ist-so-reinDass die freche Ente Isolde vor ihrem ungewollten Platztausch noch eine unangenehme „Erinnerung” im gepflegten Polster hinterlassen hat, reizt die Leser ganz gewiss zum Schmunzeln, ist es aber auch eine wahre Geschichte? Oder vielleicht doch nur eine Zeitungsente, ein gelungener Werbegag des Pressechefs also, um die Filmpremiere in Frankfurt noch interessanter zu machen? Er hätte guten Grund dazu, denn die Handlung dieses neuen, deutschen Filmchens ist – wie so oft in diesen Monaten – eher bescheiden. Doch immerhin reizen die Berichte über diese Ente auch den Autor zu einem Besuch im Kino „Metro im Schwan“ an der Hauptwache , in dem sich Fita Benkhoff und Gardy Granass zusammen mit Regisseur Helmut Weiss einem durchaus erwartungsvollen Publikum vorstellen. Der Beifall ist – so vermerkt jedenfalls die Tageszeitung „Frankfurter Rundschau” am nächsten Tag fast ein wenig nebenbei  – „sehr herzlich!”  Denn schließlich ist das in diesen immer so, wenn bekannte Filmstars aufkreuzen.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Eine Ehe gerät in die Krise, weil die leicht überkandidelte Philine (Fita Benkhoff) immer öfter die Stimme ihres seligen ersten Mannes Leo zu hören glaubt, was natürlich ihren zweiten Gatten, den Schnapsfabrikanten Fritz (Paul Dahlke) ziemlich heftig auf die Palme bringt. Weil das alles ein wenig dürftig ist, müssen die fröhliche Susanne (Gardy Granass), das etwas herunter gekommene Musikgenie Paul Theodor (Paul Kemp) sowie die charmante Margot (Olga Tschechowa) mit ihren Auftritten den verworrenen Ulk mit oftmals übertriebener Situationskomik retten. Eine entsprechende Rolle spielt dabei auch die Ente Isolde, die immer wieder eingesetzt wird, um die Lachmuskeln irgendwie  zu reizen…

Daten zum Film

Kein Engel ist so rein ist ein deutsches Lustspiel der Interlux-Film aus dem Jahr 1950 nach einer Vorlage von Maria von der Osten-Sacken und Walter Forster im NF-Verleih. Unter der Leitung von Regisseur Helmut Weiss, der auch das Drehbuch geschrieben hat, spielen Fita Benkhoff (als Philine) und Paul Dahlke (als Fritz) die Hauptrollen. Als Nebendarsteller sind Olga Tschechowa (als Margot), Gardy Granass (als Susanne) und  Paul Kemp (als Paul-Theodor) zu sehen. Kleinere Rollen spielen Walter Giller (zweiter Film), Carl Schell und Hubert von Meyerinck – Deutsche Uraufführung am 24. März 1950 im Metro im Schwan in Frankfurt, Deutschland-Start am 31. März.

Zusatzinfo: Die 1959 gedrehte Gaunerkomödie gleichen Titels mit Sabine Sinjen, Hans Albers, Peter Kraus, Walter Giller, Horst Frank und  Gustav Knuth hat ein anderes Thema zum Inhalt.