Kind der Donau

Illustrierte Filmbühne Nr.  1113 (E. S.) – Zu den Osterfeiertagen 1951 läuft im Turmpalast die Frankfurter Erstaufführung des österreichischen Musikfilms „Kind der Donau“ mit Marika Rökk an. Es ist ein ganz und gar auf den den Charme und die ungarisch-wienerische Herzlichkeit der Hauptdarstellerin ausgerichteter Unterhaltungsfilm.

Kind der Donau-neuDer eher dürftige Streifen mit dünnem Handlungsfaden fällt freilich durch einige Besonderheiten auf: Es ist Österreichs erster Farbfilm überhaupt, einige Szenen des Films stammen zudem aus Material, das bereits 1944 aufgenommen worden ist. Die Uraufführung findet überraschend zuallererst in der DDR statt (4. August 1950 in Berlin), noch zwei Wochen vor der Premiere in Österreich (Wien). Letzteres ist wohl der Tatsache geschuldet, dass die Finanzierung des Films – wie auch die einiger anderer – erst durch großzügige Kredite der unter sowjetischer Kontrolle arbeitenden Rosenhügel-Ateliergesellschaft ermöglicht wird. Ein Umstand, der dann auch dazu führt, dass der Streifen in der Bundesrepublik trotz seiner Harmlosigkeit nicht gerade wohlwollend aufgenommen wird.

Sogar die Hamburger Zeitschrift „Der Spiegel” widmet den diversen Produktionen der Rosenhügel-Gesellschaft einige Zeit später einen kritischen Bericht. Das scheint allerdings eher der antikommunistischen Stimmung im Lande geschuldet zu sein als realer „Bedrohung” hierzulande. Die Streifen aus Wien dienen nämlich ganz offensichtlich weniger der „Unterwanderung” des westlichen Publikums als vielmehr der Ablenkung der Zuschauer im Osten.

Freude an Tanz- und Revueszenen

Den Besuchern im Turmpalast ist das alles ohnehin egal – sie erfreuen sich an den zahlreichen Tanz- und Revue-Einlagen der Rökk. Was den Film selbst anbelangt, so will Marika (Rökk), die Tochter eines ehemaligen Donaukapitäns, den inzwischen sehr betagten Kahn ihres Vaters wieder flottmachen, damit der Schriftsteller Georg (Fred Liewehr), mit dem sie ein Techtelmechtel angefangen hat, die Donauländer bereisen kann. Mehr ist eigentlich nicht zu sagen. Im übrigen viel Flussromantik, Revuezauber ohnehin, wenn auch nicht gerade sehr einfallsreich dargeboten. Trotz der bunten Bilder ist der Film in vielerlei Hinsicht oberflächlich.

Versäumt worden ist zudem, der Rökk einen adäquaten männlichen Mitspieler an die Seite zu stellen. Fred Liewehr kann die Rolle als Schriftsteller jedenfalls nicht recht ausfüllen, aber was macht das schon? Das Kino ist dennoch gut gefüllt. Der Name Rökk zieht die Menschen immer noch an. Die Musik von Nico Dostal tut ein übriges dazu, um auch die folkloristischen Revueszenen zu geniessen.

Daten zum Film

Kind der Donau (Illustrierte Filmbühne Nr. 1113) ist ein österreichischer Film aus dem Jahr 1950 und wurde sowohl in seinem Herstellungsland als auch in der Bundesrepublik und der DDR teilweise als Das Kind der Donau vorgeführt. Der musikalische Unterhaltungsfilm ist von der Nova/Wien-Film in den Ateliers Rosenhügel unter sowjetischer Lizenz und Generaldirektion hergestellt und mitfinanziert worden. Der Film hat eine Länge von 95 Minuten, die Regie führt Georg Jakoby, als Darsteller treten auf: Marika Rökk (als Marika), Fred Liewehr (als Georg), Fritz Muliar (als Oskar), Josef Egger (als Christoph), Annie Rosar (als Frau Kovacs). Außerdem sind Nadja Tiller, Erich Auer, Karl Skraup, Rudolf Carl und Ernst Waldbrunn mit von der Partie. Das Drehbuch schreiben Friedrich Schreyvogel und Georg Jacoby, an der Kamera arbeiten Walter Riml und Hanns König, die Musik komponiert Nico Dostal. – Erstaufführung am 4. August 1950 in der DDR, am 18. August 1950 in Wien, am 24. Februar 1951 in der Bundesrepublik. In Frankfurt gestartet am 24. März 1951 im Turmpalast.