Rendezvous nach Ladenschluss

Illustrierte Filmbühne Nr. 12  (E. S.) – Das Jahr 1947 ist auch in Frankfurt am Main geprägt von enormen Temperaturunterschieden. Im Januar und Februar hat eisige Kälte die ausgemergelten Menschen drangsaliert, im Sommer dagegen herrscht eine unbarmherzige Hitze, die Hundstage lassen Thermometer bis auf 38 Grad Celsius steigen. Die Straßen und Wege flirren im Sonnenlicht und die Kinder, die meist kein Schuhwerk haben, können barfuß kaum noch ihre Füße aufsetzen. Das Wetter der Nachkriegsjahre, in denen es ohnehin an allem fehlt, beutelt zusätzlich zu den Alltagsproblemen.

Rendezvous nach LadenschlussDie Schaufenster der Geschäfte in Deutschland sind immer noch leer, einiges wird weiter nur unter dem Ladentisch gehandelt, denn die Währungsreform kommt erst ein Jahr später. Ganz anders dagegen in einem Budapester Laden, in dem der tüchtige Alfred Kralik (James Stewart) und die junge Klara Novak (Margaret Sullavan) als Verkäufer arbeiten. Denn dort gibt es viele wohlfeile Leder-Geschenke und andere Accessoires im Überfluss – an diesen schönen Dingen erfreut sich wohl jeder, der sich im heißen Sommer in den Harmonie-Lichtspielen in stickig-warmer Luft den Film Rendezvous nach Ladenschluss ansieht.

Nach einem hintergründigen und auch turbulenten Versteckspiel mündet die Geschichte der so genannten „kleinen Leute” in einen romantischen Schluss. Kein wirklich großes Wunder, schließlich ist es ein Hollywood-Film, schließlich ist es Kino…

Alfred und Klara sind in der Geschichte aber zunächst nicht gerade die allerbesten Kollegen, der Gedanke, sie könnten vielleicht verliebt ineinander sein, erscheint dem Betrachter abwegig. Die beiden Streithähne konzentrieren sich eher darauf, ihre Brieffreundschaften mit Unbekannten zu pflegen.

In diesen Botschaften herrscht ein anderer, freundlicherer Ton als im Laden, und natürlich – der Kinobesucher ahnt es gleich –  wissen weder  Alfred noch Klara, dass sie selbst diese „lieben Freunde“ sind. Wie das Ganze ausgeht, muss hier nicht näher erklärt werden. Immerhin aber ist es ein Film, der den Zuschauern vor der Leinwand wieder ein Schuss Hoffnung für die nächsten Tage und Wochen mit auf den Weg gibt.

Daten zum Film

Rendezvous nach Ladenschluss (Illustrierte Filmbühne Nr. 12 – zuvor auch Nr. 12 des dritten Jahrgangs) ist ein Schwarz-Weiß-Film der Metro-Goldwyn-Mayer aus dem Jahr 1940 und wird in Deutschland erstmals im Frühsommer 1947 gezeigt; die Regie führt der souveräne Komödien-Altmeister Ernst Lubitsch, die Hauptdarsteller sind James Stewart (als Verkäufer Alfred Kralik) und Margaret Sullavan (als Verkäuferin Klara Novak), weitere Mitwirkende sind Frank Morgan und Felix Bressart. Die deutschen Stimmen gehören zu Eva Vaitl (Sullavan) und Ernst F. Fürbringer (Stewart). -Erstaufführungen am 12. Januar 1940 USA-weit, am 25. Januar 1940 Festpremiere in New York City, ab 29. April 1947 in der amerikanischen Besatzungszone zu sehen, darunter in Frankfurt.