Kleine Melodie aus Wien

Illustrierte Filmbühne Nr. 332 ( E. S.) Im August 1949 wird wieder ein Kino in Frankfurt eröffnet. Diesmal sind es die Schützenhof-Lichtspiele in der Bergerstraße 173. Die Besitzer namens Herold haben zur Premiere in das knapp 500 Besucher fassende Kino nach Bornheim eingeladen. Gezeigt wird der österreichische Unterhaltungsfilm Kleine Melodie aus Wien. Als Hauptdarsteller treten Paul Hörbiger und Maria Andergast in Erscheinung.

Kleine Melodie aus WienWie üblich haben die Kino-Besitzer die nahe und fernere Konkurrenz zur feierlichen Eröffnung ihres neuen Theaters eingeladen. Vom Geschäftsführer des Harmonie-Kinos habe ich eine Eintrittskarte erhalten. Das kleine, musikalische Lustspiel hinterlässt freilich keine bleibenden Spuren. Erstaunlich aber ist, dass noch vor den Dreharbeiten zum legendären Carol Reed-Film „Der dritte Mann” – er wird erst ein Jahr später das Nachkriegswien in seiner wirklich tristen Vielfalt dokumentieren –, schon ziemlich viel Zelluloid mit sehr banalem und sentimentalen Inhalten belichtet wird. Immerhin aber gibt die überall herrschende Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg dem Streifen wenigstens die Aktualität und den sozialen Hintergrund, der die Story des Films erst ermöglicht. Ansonsten ist es eher belangloses Zeug.

Musiklehrer Griebichler tut sich jedenfalls erst einmal ziemlich schwer damit, dass das Wohnungsamt eine junge Witwe namens Weber samt ihrer drei Kinder in sein Haus einquartiert, doch wird der Herr Professor unter dem Einfluss der charmanten Frau und Mutter immer zugänglicher und weicher.

Geradezu selbstverständlich entwickelt sich aus dem griesgrämigen Mann erst ein glühender Verehrer der Dame und gegen Ende des Films wird er sogar ihr Ehemann. Und somit wird auch das Wohnungsproblem gelöst, irgendwie.

Daten zum Film 

Kleine Melodie aus Wien (Illustrierte Filmbühne Nr. 332)ist ein Lustspiel aus Österreich nach einer literarischen Vorlage von Fritz Koselka und Lilian Belmont, gedreht im Jahr 1948. Unter der Regie von E. W. Emo spielen Paul Hörbiger (als Professor Griebichler), Maria Andergast (als die junge Witwe namens Weber), weitere Mitwirkende sind Theodor Danegger, Herta Dolezal und Annie Rosar.

Die Uraufführung des Films war am 29. Oktober 1948 in Wien, in den westlichen Besatzungszonen erstmals gezeigt am 29. März 1949. Im Luxor am 17. Juni 1949 in Frankfurter Erstaufführung. Vom Autor gesehen im August 1949 bei der Eröffnung der Schützenhof-Lichtspiele.