California

Illustrierte Filmbühne Nr. 783 (E. S.) _ Im Luxor-Filmtheater am Hauptbahnhof in Frankfurt ist Ende Oktober 1950 ein Wildwest-Film zu sehen, der die Grenzen des Genres in manchen Bereichen überschreitet und neben dem Goldgräber-Wahn auch noch  hintergründige, politische Ränkespiele aufzeigt und außerdem in mancher Beziehung wie ein Abziehbild deutscher Nachkriegsgeschichte wirkt.

CaliforniaAuch das ferne Kalifornien ist im Jahr 1848 ein prächtiges Dorado für Glücksritter jeder Art: viele korrupte und karrieresüchtige Politiker sind ebenso darunter wie arbeitsame Goldgräber. Und alles, was der Kinobesucher in California vorfindet, gehört zwar zur klassischen Ausstattung von Wildwest-Filmen jedweder Art: diverse Tanzbars und Spielhöllen, Saloons, leichte Mädchen, Trecks, Cowboys, Soldaten, Rinderbarone, Gold-Claims, Geldgier. Das alles ist dem Publikum hinlänglich bekannt. Doch der Film geht über die üblichen Klischees weit hinaus und thematisiert die vorhandene  gesellschaftliche Strukturen des Landes an der Westküste. In der Zeit kurz nach dem Krieg gegen Mexiko will fast jeder sein Schäfchen in’s Trockene bringen – ob es nun um die winzigen Nuggets geht oder um politische Macht, die Motive ähneln sich. Das wird auch im Film sichtbar.

Die meisten Menschen, die diesen zusammen gewürfelten Haufen bilden, plädieren für einen Anschluss des Landes an die Vereinigten Staaten, weil sie sich davon einen persönlichen Vorteil erhoffen. Die korrupte Oberschicht will Kalifornien jedoch selbst beherrschen und ihre Macht absichern. Das Sein bestimmt das Bewusstsein.

Der Goldrausch macht die Lage nicht einfacher. Auch der frühere Soldat John Trumbo (Ray Milland), der in das kleine Städtchen Pharao City verschlagen worden ist, wird bald in die  Auseinandersetzungen hineingezogen. Er lässt sich außerdem in einen Streit mit dem früheren Sklavenhändler Coffin (George Coulouris) ein. Beide sind verwickelt im Wahlkampf und verstrickt im Politpoker, beide buhlen inmitten der herrlichen kalifornischen Landschaft aber auch um die Gunst der Spielerin Lily Bishop (Barbara Stanwyck). Viele dieser Szenarien sind nicht neu, begegnen uns vielmehr tagtäglich auch hierzulande im beginnenden „Wirtschaftswunder.”  Der Titel könnte auch schlicht „Bonn” lauten.

Daten zum Film

California (Illustrierte Filmbühne Nr. 783) mit dem gleichnamigen Originaltitel ist ein Western der Paramount aus dem Jahr 1946 nach einer Erzählung von Boris Ingster. Unter der Regie von John Farrow – Vater der Schauspielerin Mia Farrow – spielen Ray Milland (als Ex-Soldat und Treckführer Jonathan Trumbo), Barbara Stanwyck (als exzentrische Spielerin Lily Bishop), George Coulouris (als früherer Sklavenhändler und korrupter Capt. Coffin), Barry Fitzgerald (als Weinhändler Fabian). Weitere Mitwirkende sind Albert Dekker, Anthony Quinn, Frank Faylen und Gavin Muir. Die deutschen Stimmen der Hauptdarsteller kommen von Peter Pasetti (Ray Milland) und Till Klockow (Barbara Stanwyck).

Weltpremiere am 14. Januar 1947 in New York City, kalifornische Uraufführung am 27. Januar 1947 in Monterey, am 21. Februar 1947 USA-weit angelaufen, deutsche Erstaufführung am 24. Oktober 1950, im Frankfurter Luxor ab 27. Oktober zu sehen.