Kronjuwelen

Illustrierte Filmbühne Nr. 947 (E. S.) – Der deutsche Nachkriegsfilm spült neben einigen Qualitätsfilmen auch viele Produktionen in die Kinos, die völlig zu Recht schnell der Vergessenheit anheimfallen. Einer dieser Streifen heisst Kronjuwelen und ist eine recht krude Mischung aus Polit-, Unterhaltungs- und Kriminalfilm. Mit einer Freikarte gerate ich in das Luxor am Frankfurter Hauptbahnhof und in diesem verwirrenden Streifen.

KronjuwelenDie wenig originelle Geschichte spielt in einem Phantasiestaat, der von fremden Truppen besetzt wird, wobei die Besatzer in SS-ähnlichen Uniformen agieren. Ob das eine Anspielung auf die jüngste deutsche Vergangenheit sein soll, bleibt im DunkelnDie Story selbst ähnelt zwar vielen anderen, sie ist aber so wenig überzeugend auf Zelluloid kopiert worden, dass es selbst dem wenig anspruchsvollem Publikum schwer fällt, der Handlung zu folgen. Manche Besucher verlassen sogar das Kino. Sie erleben das tragische Ende nicht mehr, das seine Ursprung in einem Krieg hat: Fremde Truppen haben das Land besetzt, die Regierung beauftragt danach den Juwelier Willroy (Hans Nielsen), die Kronjuwelen in Sicherheit zu bringen. Willroy versteckt die wertvollen Kluncker im Atelier eines befreundeten Bildhauers in einer Frauenbüste. Die schöne Baronin Eva Skeravenen (Sybille Schmitz) – sie hat für die Büste Modell gestanden – gerät so unversehens in den Besitz des wertvollen Schmucks. Der Juwelier hat sich selbstredend längst in die schöne Baronin verliebt – und macht deshalb gemeinsame Sache mit ihr und einer Bande von kriminellen Diamantenschmugglern: gegen die Interessen seines Landes und entgegen den Wünschen seiner Regierung.

Als der Krieg vorbei ist, muss der Juwelier jedoch erkennen, dass die Baronin seine Liebe keineswegs erwidert, sondern sie ihm diese nur vorgegaukelt hat – und im übrigen ihre eigenen Pläne verfolgt. Aus Enttäuschung darüber gibt er erst die Kronjuwelen an die Regierung zurück, liefert danach die bösen Buben der Polizei aus und begeht dann Selbstmord.

Kaum nachvollziehbar

Der Suizid ist kaum nachvollziehbar – genau so wenig wie die sonstige „heile Welt“, die dem Publikum vorgegaukelt wird. Krieg sieht, wie wir alle erlebt haben, anders aus. Doch in diesem Streifen spielt die Oberschicht des fiktiven Staates im dicksten Kriegsgetümmel Tennis und Golf als wäre nichts geschehen, es gibt höchst  idyllische Picknicks und es wird lässig auf luxuriösen Jachten herum gesegelt; es wird hoch zu Ross durch die Landschaft geritten und Luxus-Limousinen befördern die Reichen zu ihren Belustigungen.

Keine Granate trifft den herrlichen Ziergarten und „weder an den Villen noch den Ministerien findet sich der geringste Splitterkratzer“, wie ein Frankfurter Kritiker am nächsten Tag irritiert schreibt, und dann noch anfügt: „Die für den Film Verantwortlichen haben im letzten Krieg vermutlich auf dem Mond gelebt, denn selbst im neutralsten Ausland boten sich damals andere Bilder. Alles, alles vergessen…“

Daten zum Film

Kronjuwelen ist ein Film aus der Bundesrepublik Deutschland aus dem Jahr 1950 (Merkur-Filmproduktion). Der Streifen hat eine Länge von 90 Minuten. Unter der Regie von Franz Cap (eigentlich Frantisek Cáp) spielen Hans Nielsen (als Juwelier Willroy), Sybille Schmitz (als Baronin Eva Skeravenen), Kurt Kreuger (als Paul Regner), Herta Worell (als Mimi), Rolf von Nauckhoff (als Minister), Wolfgang Büttner (als Scaliger), John Pauls-Harding (als Charly), Marina von Ditmer (als Helen Fabricius). Produzent ist Ludwig Spitaler, am Drehbuch werkeln Johannes Kai und Franz Cap, Kamera Georg Krause, Musik: Bert Grund. Erstaufführung am 8. Dezember 1950, Frankfurter Premiere am 1. Juni 1951 im Luxor.