Laura

Illustrierte Filmbühne Nr. 3 ( E. S.) – Über eine Frage streiten sich Kritiker und Cineasten schon beim Erscheinen von Laura in den USA 1944 und auch Jahre später noch in Deutschland. In welches Genre gehört der Streifen? Ist es „nur” ein Krimi oder ein „Film noir” der schwarzen Serie, ist es ein Mystery-Film oder ein Thriller, vielleicht aber auch nur eine Romanze? Die Antwort ist schwierig, vereinigt der Film in sich doch Elemente all dieser Gattungen.

LauraDer 9. Mai 1947 ist ein Freitag und fast genau auf den Tag genau zwei Jahre nach der bedingungslosen Kapitulation ist die Lage der Menschen immer noch von alltäglichen Sorgen geprägt. In mehreren westdeutschen Städten treten sogar Tausende Arbeiter wegen der Versorgungslage und der mangelhaften Ernährung in einen Streik, sogar die Stadtverordneten von Braunschweig sind daran beteiligt. An diesem Nachmittag aber startet auch der amerikanische Film Laura, ein Reißer, der es in diesem Frühsommer in sich hat. So als ob der Wettergott sich dafür entschuldigen möchte, dass er mit der bitteren Kälte des Winters die Menschen drangsaliert hat, lässt er die Temperaturen nach oben klettern. In Hamburg zeigen die Thermometer an diesem Tag schon über 25 Grad Celsius, in Frankfurt werden sogar 30 Grad gemessen.

An diesem herrlichen Tag also startet der vielschichtige Film Laura, ein so genannter Streifen der „Schwarzen Serie”, die in den Vierziger Jahren in den USA Hochkonjunktur hat.Laura ist jenseits aller Genre-Diskussionen im besten Sinne ein herausragender Film, wobei Detektiv Marc McPherson im Mordfall der Werbemanagerin Laura Hunt ermittelt (Krimi). Verdächtigt werden sowohl ihre Tante als auch ihr Geliebter sowie ein Zeitungskommentator.

Alle beteiligten Personen verwickeln sich in einem Gespinst von Lügen (Mysterie) und als die längst totgeglaubte Laura wieder auftaucht (Thriller), kommt auch noch die Liebe ins Spiel (Romanze). Ein neuer Mord wird vorbereitet, aber doch im letzten Moment verhindert… Alles in allem also: ein Film noir!

Daten zum Film

Laura (Illustrierte Filmbühne Nr. 3 – zuvor auch Nr. 3 des dritten Jahrgangs) ist ein 93 Minuten langer Film der 20th Century Fox aus dem Jahr 1944, die Regie führt Produzent Otto Preminger, nachdem Roben Mamoulian von Fox-Chef Darryl F. Zanuck ersetzt worden ist. Die Hauptrollen spielen Gene Tierney (als Laura Hunt), Dana Andrews (als Polizeidetektiv Marc McPershon), Clifton Webb (als Journalist Waldo Lydecker). In weiteren Rollen sind Vincent Price und Judith Anderson zu sehen. Das Drehbuch verfassen Samuel Hoffenstein, Jay Dratler und Betty Reinhardt, an der Kamera arbeitet Joseph LaShelle (Oscar 1945 !), die Musik komponiert Davis Raksin.

Die deutschen Stimmen kommen  von Hans-Christian Blech (Dana Andrews), Ilse Werner (Gene Tierney) und Rudolf Vogel ( Clifton Webb). Die deutsche Erstaufführung ist am 9. Mai 1947; ab 23. Mai in Frankfurter Kinos, darunter in der Harmonie.