Buffalo Bill – der weiße Indianer

Illustrierte Filmbühne 892 (E. S.) – Klappern gehört bekanntlich zum Handwerk. Als am 29. Dezember des Jahres 1950 die deutsche Uraufführung des Farbfilms Buffalo Bill, der weiße Indianer im Frankfurter Kino Luxor ansteht, haben sich Theaterbesitzer Wollenberg und die Verleihfirma 20th Century Fox wieder einmal etwas Besonderes einfallen lassen. Sie präsentieren Saorevo, den angeblich einzigen noch lebenden indianischen Gefährten des legendären weißen Büffeljägers.

Buffalo BillDer 70-Jährige lebt im Westerwald, sein Vater soll Häuptling gewesen sein, sein Großvater sogar „Medizinmann“. Ob das alles stimmt, sei dahingestellt, jedenfalls tritt der Mann in farbenfrohem Federschmuck in mehreren Vorstellungen vor das Publikum und erzählt abenteuerliche Geschichten nicht nur über Buffalo Bill selbst, sondern auch über die vielen Kriege des Weißen Mannes gegen die Indianer bei der Erschließung des Wilden Westens. Er macht das gekonnt und die Auftritte  sind so erfolgreich, dass sich die nahe gelegenen Bars Tabu und Royal sogleich veranlasst sehen, sich der weiteren Dienste des alten Mannes zu versichern. Wollenberg – in Frankfurt für spektakuläre Werbeaktionen bekannt und fast berühmt – geizt in den Zeitungsinseraten außerdem nicht mit zugkräftigen Schlagwörtern.

Als der Film am 5. Januar dann im Luxor am Hauptbahnhof in die zweite Woche geht, ist von „atemberaubender Spannung“ die Rede und von einer „grandiosen Inszenierung, die „alles andere weit in den Schatten“ stellt. Doch es braucht eigentlich solcher Übertreibungen nicht. Denn tatsächlich ist die zwiespältige Lebensgeschichte des Trappers, Postreiters, Kutschenfahrers, Kundschafters, Siedlers und späteren Show-Unternehmers William F. Cody (1846-1917) in dem Technicolor-Film höchst beeindruckend erzählt.

Selbst unter Berücksichtigung der Tatsache,  dass bei der historischen Beurteilung von „Buffalo Bill“ Cody durchaus Vorsicht angebracht ist. Denn der legendäre Mann des Wilden Westens  hat sich nicht nur als „Freund der Indianer“ einen Namen gemacht, er hat auch gegen sie gekämpft, wenn er dafür bezahlt wurde.

Schillernde Figur

Andererseits hat sich Cody für eine friedliche Lösung der Rassenkonflikte in Amerika eingesetzt. Schon sein Vater war wegen seines Engagements gegen die Sklaverei verfolgt worden. Und Buffalo Bill hat sich – obwohl er lange auch von der Politik als Feigenblatt benutzt wurde – auch gegen politische Ränkespiele zur Wehr gesetzt. So bleibt der Blick auf eine rundum schillernde Figur des Wilden Westens, wenngleich seine Rolle offensichtlich maßlos überhöht worden ist – auch, weil sein eigenes Leben mit seiner Hilfe, teilweise aber auch ohne ihn, gnadenlos vermarktet worden ist.

Daten zum Film

Buffalo Bill, der weiße Indianer (Illustrierte Filmbühne Nr. 892) mit dem Originaltitel Buffalo Bill, ist eine Biografie des Büffeljägers, Postreiters und Unternehmers William F. Cody. Der US-Film stammt von der 20th Century Fox (Produzent Harry Sherman) und ist aus dem Jahr 1944. Unter der Regie von William A. Wellman spielen in dem 89 Minute langen Film Joel McCrea (als Buffalo Bill Cody), Maureen O’Hara (als seine Ehefrau Louisa Cody), Anthony Quinn (als junger Indianerhäuptling Gelbe Hand) und Linda Darnell (als Indianerin Schimmerndes Sternenlicht) die Hauptrollen. Weitere Mitwirkende sind u. a. Thomas Mitchell und Edgar Buchanan. Kameramann ist Leon Shamroy. Die deutschen Stimmen gehören zu Curt Ackermann (Joel McCrea), Ilse Werner (Maureen O’Hara), Wolfgang Preiss (Anthony Quinn) und Erika Georgi (Linda Darnell). – US-Premieren am 13. April 1944 (Los Angeles) und 19. April 1944 (New York City), deutsche Erstaufführung am 29. Dezember 1950 im Luxor in Frankfurt.