Liebe an Bord

Illustrierte Filmbühne Nr. 1062 (E. S.) – Die Jugend in der Bundesrepublik Deutschland scheint Anfang der 50er Jahre mit ganz unterschiedlichen Interessen unterwegs zu sein. Ein Teil geniesst nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges die zunehmenden Annehmlichkeiten des Lebens, vergnügt sich bei Tanzveranstaltungen und Kinobesuchen, andere hingegen engagieren sich verstärkt im politischen Leben und treten gegen die geplante Wiederbewaffnung der Bundesrepublik auf.

Liebe an BordDoch diese Verhaltensweisen sind in Wirklichkeit durchaus kein Widerspruch, denn viele Menschen tun sowohl das eine wie auch das andere. Auch die rund 200 Teilnehmer ein Anti-Kriegs-Kongresses, der im März 1951 in Frankfurt am Main über die Bühne geht, sind durchaus keine verbiesterten „Jung-Funktionäre”, sondern sehr engagierte Vertreter  von Jugendorganisationen, die ”für aktive Neutralität und gegen die Wiederbewaffnung Deutschlands” eintreten. Gleichwohl goutieren manche von ihnen natürlich auch ganz unbeschwert leichte Unterhaltungskost aus Hollywood. Der führende Filmkonzern Metro-Goldwyn-Mayer (Motto: „Mehr Stars als Sterne am Himmel stehen!”), ist in den Vierziger und Fünfziger Jahren berühmt für seine musikalischen Unterhaltungsfilme. Auch in Deutschland werden die Streifen – meist mit Esther Williams in den Hauptrollen –, gerne goutiert. Einer dieser Filme heisst Liebe an Bord, und obwohl das im Mittelpunkt stehende Schiff auf dem Meer herumschippert, ist der beliebte Schwimmstar diesmal nicht dabei.

Es sind andere, die diesmal im Mittelpunkt stehen. George Brent zum Beispiel, der als Captain Jeremy Bradford den Luxusliner befehligt, der von New York nach Bremerhaven unterwegs ist, die bezaubernde Jane Powell als graziöse Kapitänstochter und blinder Passagier Polly, dazu der großartige Wagner-Tenor Lauritz Melchior (als Olaf Eriksen), Frances Gifford (als Laura Dene) und nicht zu vergessen der Bandleader Xavier Cugat, der sich wie in einigen anderen Streifen dieser Machart wieder einmal selbst spielt.

Der Inhalt des Films ist eher  zu vernachlässigen, geht es doch nur darum, Musik und Farben ins recht Licht zu rücken – untermalt natürlich mit einer Liebesromanze, ohne die natürlich alles nur halb so schön wäre. Viele Szenen sind optisch und musikalisch ansprechend aufbereitet, das Publikum jedenfalls verlässt nach knapp zwei Stunden zufrieden und beschwingt den Turmpalast, wo der Streifen am 10. März 1951 seine Frankfurter Erstaufführung erlebt. Darunter auch der Autor –  Filmliebhaber einerseits, aber bald darauf auch Teilnehmer des oben beschriebenen Kongresses.

Daten zum Film

Liebe an Bord (Illustrierte Filmbühne Nr. 1062) heisst im amerikanischen Original Luxury Liner und ist ein komödiantischer Musikfilm der Metro-Goldwyn-Mayer (MGM)aus dem Jahr 1948. In dem 97 Minuten langen Film spielen unter der Regie von Richard Whorf (Produzent ist Joe Pasternak) die Darsteller George Brent (als Captain Jeremy Bradford), Jane Powell (als seine Tochter Polly Bradford), der berühmte Wagner-Interpret der New Yorker „Metropolitan Opera” Lauritz Melchior (als Sänger Olaf Eriksen), Frances Gifford (als Laura Dene), Xavier Cugat (als Bandleader), Thomas Breen (als Denis Mulry), Richard Derr (als Charles G. K. Worton) und John Rigely (als Schiffsoffizier Carver) die wichtigsten Rollen. Das Drehbuch stammt von Gladys Lehman und N. Colman, an der Kamera arbeitet Robert Planck, die Musik ist komponiert von George Stoll.

Uraufführung am 9. September 1948 in New York City für die USA, am 20. Februar 1951 in der Bundesrepublik Deutschland, ab 9. März 1951 im Frankfurter Turmpalast zu sehen.