Wilderernacht

Illustrierte Filmbühne Nr. 785 (E. S. ) – Es ist höchst seltsam, aber doch auch Realität: Neben spannenden Abenteuer- und Kriminalfilmen, garniert noch mit Komödien oder Gesellschaftsdramen, kommt im mächtigen Filmpalast in der Großen Friedberger Straße in Frankfurt – mit immerhin 1500 Plätzen das größte Kino der Stadt – gelegentlich auch weniger Erbauliches auf die Leinwand. Einer dieser belanglosen Streifen ist die Wilderernacht aus Österreich und dort unter dem Titel Liebesprobe in die Kinos gekommen.

WilderernachtAußer dem Schlitzohr Oskar Sima und dem noch blutjungen Erich Auer ist mir die weitere Schar der Darsteller in diesem kleinen Schwank mit dem Charakter eines „Heimatfilms“ weitgehend unbekannt. Die Produktion stammt von der Ring-Film aus Wien. Diese Firma zählt nicht gerade zu den erfolgreichsten in der Branche und kann auch als Verleih mit gleichem Namen wenig reüssieren. Gleichwohl aber hat es mich in diesen Film verschlagen. Ein Gutsbesitzer, ein zahlungskräftiger Bankmensch, ein kapitaler Hirsch, Streit um die „Abschussrechte” für dieses Prachtgeweih sowie ein kratzbürstiges Liebespaar sind Zutaten dieser mehr oder weniger simpeln Handlung, in der sich über die ganze Filmzeit hinweg alle Beteiligten gegenseitig Knüppel zwischen die Beine zu werfen suchen. Wie in solchen Streifen halt üblich.

Der Film hinterlässt freilich keine bleibenden Eindrücke, erst eine alte Notiz sowie die „Illustrierte Filmbühne” und eine kleine Zeitungskritik in der Zeitung „Frankfurter Rundschau” wecken nach vielen Jahren die Erinnerung an diesen bedeutungslosen Streifen. Aber auch solche Produktionen gehören zum Alltag in deutschen Kinos zu Beginn der Fünfziger Jahre, als die meisten Menschen sich schon längst eingerichtet haben auf bessere Zeiten als in den Jahren zuvor.

Daten zum Film

Wilderernacht (Illustrierte Filmbühne Nr. 785) heisst im Original Liebesprobe und ist ein Schwank und Heimatfilm aus Österreich (1949). Hergestellt von der Ring-Film und produziert von K. F. Sommer sind unter der Regie von Karl Hans Leiter die Darsteller Oskar Sima (als Xander, Bürgermeister von Borkendorf), Hely Lichten (als seine Frau), Martha Wallner (als beider Tochter Gretl), Karl Skraup (als Graf Ferdinand zu Bork) und Erich Auer (als Hans Lechner vom Sonnlechnerhof) zu sehen.

Erstaufführung in Österreich am 3. November 1949, deutsche Premiere am 1. September 1950. Vom Autor gesehen im Filmpalast in Frankfurt am 17. Dezember 1951.