Liebesrausch auf Capri

Illustrierte Filmühne Nr. 1087 & DNF (E. S.) – Ohne nähere Einzelheiten über den Film „Liebesrausch auf Capri“ zu wissen, lockt doch der Titel in den Frankfurter Filmpalast. Denn Ende der Vierziger, auch noch Anfang der Fünfziger Jahre, ist in der Bundesrepublik ein Schlager in aller Ohren: „Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt…”

Liebesrausch auf Capri

Viele Interpreten haben das Lied von Gerhard Winkler (Text: Ralph Maria Siegel) schon gesungen, am bekanntesten ist in dieser Zeit die einschmeichelnde Version mit Rudi Schuricke. Doch das Paramount-Melodram Liebesrausch auf Capri hat nun rein gar nichts zu tun, mit dem schnulzigen Ohrwurm, obwohl es sich im Film durchaus um eine Romanze der außergewöhnlichen Art handelt – wenn auch mit ernsterem Hintergrund. Ein Flugzeugunglück ist der Auslöser: Eine Frau und einem Mann sitzen in einem Passagierflugzeug zufällig nebeneinander, verstehen sich prächtig und empfinden wachsende Zuneigung. Als die Maschine in Neapel eine Zwischenlandung einlegen muss, machen die beiden frisch Verliebten einen schnellen Stadtbummel, amüsieren sich köstlich und verpassen den Neustart. Die Maschine stürzt ab und die beiden werden zunächst auch für tot gehalten…

Sie glauben nun, ein neues Leben beginnen zu können, doch die bestehenden alten Verbindungen ihres realen Lebens lassen sich nicht so ohne weiteres kappen. Schließlich ist der Mann verheiratet, Vater eines Kindes und zudem Besitzer einer Fabrik in Amerika; sie wiederum hat zahlreiche Konzertverpflichtungen zu erfüllen.

Hin- und her gerissen zwischen der entflammten Liebe und den Verpflichtungen des Alltags, rückt die Stunde der Trennung immer näher heran, tränenreich, aber doch nicht unbedingt verlogen. Musik von Rachmaninoff untermalt das Auseinandergehen der leidenschaftlich Verliebten, gespielt von Joan Fontaine (als Manina Stuart), die hier eine eindrucksvolle Darstellung abliefert: Joseph Cotten (als David Lawrence) ist zurückhaltend, trocken und doch voller Männlichkeit.

Einige Szenen, wie etwas die Wiederbegegnung des Heimgekehrten mit seiner Frau, zählen zu den eindrucksvollsten Momenten des Films. Gleichwohl kommt dieses stimmungsstarke Liebesdrama ohne Rührseligkeiten aus, ist rundum gut besetzt und in der formalen Gestaltung wie in der psychologischen Motivation außerordentlich interessant. Es hat also rein gar nichts mit dem oben beschriebenen Schlager zu tun. Einzig, dass ein Flugzeugabsturz den Anlass für die Liebesromanze bildet, ist ein wenig irritierend. Denn neben gewaltigen Naturkatastrophen gehören Flugzeugabstürze zu den schlimmsten Unglücksfällen.

Auch in den Jahren 1950 und 1951 – aus dieser Zeit stammt der Film – kommt es zu derartigen Katastrophen. In New Jersey stürzt ein Flugzeug in den Elizabeth River, wobei alle 56 Insassen um’s Leben kommen. Zwei andere Maschinen prallen in Kalifornien und Denver gegen Berge, die Zahl der Opfer beläuft sich auf 100 Personen. Beim Unfall einer kleinen Passagiermaschine beim Flug von Spokane nach Wenatchee werden alle 10 Menschen an Bord getötet. Bei solchen schlimmen Szenarien fällt es schwer, gedanklich eine Verbindung zu einer Liebesromanze herzustellen…

Daten zum Film

Liebesrausch auf Capri (Illustrierte Filmbühne Nr. 1087 und Das Neue Filmprogramm) mit dem Originaltitel September Affair ist eine dramatische Literaturverfilmung aus dem Jahr 1950 (USA/Paramount) nach einer Vorlage von Fritz Rotter. In dem 105 Minuten langen Film spielen unter der Regie von William Dieterle die Darsteller Joan Fontaine (als Manina Stuart), Joseph Cotten (als David Lawrence), Françoise Rosay (als Maria Salvatini), Jessica Tandy (als Catherine Lawrence) die Hauptrollen. Als Produzent fungiert Hal B. Wallis, das Drehbuch schreiben Robert Thoeren, Andrew Solt und Ben Hecht. An der Kamera steht Charles Lang jr., die Musik komponiert Victor Young.

Welturaufführung bei den Filmfestpielen in Venedig am 25. August 1950, Erstaufführung am 14. September 1950 in Rom, Premiere in den USA am 18. Oktober 1950, deutsche Erstaufführung am 26. April 1951, in Frankfurt erstmals zu sehen ab 4. Mai 1951 im Filmpalast.