Arlberg-Express

Illustrierte Filmbühne Nr. 325  (E. S.) – Dieser Film gilt vielen Filmfreunden gewissermaßen als Ausrutscher in der Alpenrepublik. Entgegen aller Wiener Operetten- und Walzerseligkeit, des üblichen wohlgefälligen Monarchen-Rummels und diverser Heimatschnulzen flimmert mit Arlberg-Express ein an vielen angelsächsischen Vorbildern orientierter Thriller über die Leinwand. Gewiss nicht so perfekt und gekonnt wie die Vorbilder, aber immerhin…

Arlberg-ExpressDer ungewöhnliche Film handelt von dem Musiker Hans Leitner (Paul Hubschmid), der nach seiner Soldatenzeit und der daraus resultierenden Gefangenschaft in die Hauptstadt zurückgekehrt ist, dort aber in seinem Beruf keine Arbeit findet, zumal er in dieser schwierigen Zeit in Wien weder ein Musikinstrument noch die zwingend notwendige Kleidung auftreiben kann. Es ist die Situation, die fast alle Menschen nach dem Ende des Krieges betrifft und die auch die Kinobesucher zur Genüge kennen. Und daraus rühren auch viele Verlockungen, um an vermeintlich leichtes Geld zu kommen. Auch Leitner ist davor nicht gefeit.

Als ihm ein aus dem Zugfenster geworfener Koffer voller Juwelen vor die Füße fällt, erliegt er der Versuchung, sich an der Fundsache zu bereichern, ohne dabei freilich zu ahnen, dass er damit in den Dunstkreis einer international operierenden Schmugglerbande gerät. Die Situation wird ziemlich haarig für ihn, doch mit Hilfe einer jungen Frau (Elfi Gerhart) – er ist selbstverständlich verliebt in sie – versucht er mit dem Arlberg-Express ins Ausland zu entkommen…

Die Hauptrolle in diesem kriminalistisch angelegten Abenteuerfilm spielt der 40jährige Schweizer Paul Hubschmid, der schon in Nazi-Deutschland einige Filme drehte (was er später öffentlich bedauert), und nach Fertigstellung von Arlberg-Express in Hollywood einen der  berühmt-berüchtigten Sieben-Jahresverträge unterschreibt – wegen der besseren Vermarktungsmöglichkeiten nimmt er den Künstlernamen „Paul Christian“ an. Doch die amerikanische Filmmetropole ist nicht sein Revier, das Rollenangebot bleibt dürftig und entspricht nicht seinen Erwartungen. So kehrt Hubschmid enttäuscht nach Europa zurück, wo er wieder interessante, wenn auch eher durchschnittlich-belanglose Aufgaben findet.

Daten zum Film

Arlberg-Express (Illustrierte Filmbühne Nr. 325) ist ein österreichischer Spielfilm aus dem Jahr 1948. Unter der Regie von Eduard von Borsody spielen in dieser Produktion der Donau-Film GmbH Elfe Gerhart (als Christel Andermann) und Paul Hubschmid (als arbeitsloser Musiker Hans Leitner) die Hauptrollen. Uraufführung in Österreich ist am 8. Juni 1948, in der Bundesrepublik startet der Film  am 1. Mai 1950, in der DDR am 28. September 1951.