Louis Pasteur

Illustrierte Filmbühne Nr. 6  (E. S./M. F.) – Als in den Jahren zwischen 1945 und 1947 von den zuständigen US-Militärbehörden erste US-Filme in die aufgebauten oder neu eröffneten deutschen Kinos gebracht werden, sind viele Biographien weltberühmter Persönlichkeiten darunter, so zum Beispiel über die Radiologin und Nobelpreisträgerin Marie Curie, den Erfinder und Unternehmer Thomas Alva Edison, den US-Präsidenten Abraham Lincoln, den Mediziner und Entdecker Dr. Paul Ehrlich und nicht zuletzt auch über den französischen Chemiker Louis Pasteur, von dem hier die Rede sein wird.

PasteurVielleicht waren ja solche Filme über Forscher und Mediziner in dieser Zeit deshalb so beliebt, weil sie zahlreichen Menschen Hoffnung gaben in einer Zeit, in der einerseits nicht nur die wichtigen Dinge des täglichen Lebens an allen Ecken und Enden fehlten, sondern andrerseits auch die medizinische Versorgung zu wünschen übrig ließ. Und auf dem überaus „rührigen“ Frankfurter Schwarzmarkt gab es natürlich das eine oder andere zu kaufen, zum Beispiel war Insulin eine überaus gefragte Ware, aber viele Diabetiker konnten es sich einfach nicht leisten, die exorbitant hohen illegalen Preise zu zahlen. Auch zahlreiche andere Medikamente wurden verscherbelt. Weil die US-Militärbehörden Penicillin zwar gegen Geschlechtskrankheiten, nicht aber für andere Behandlungen zur Verfügung stellten, wurden auf den Straßen rund um das Bahnhofsviertel – wie die Journalisten Richard Kirn und Madlen Lorei in ihrem Buch „Frankfurt und die drei wilden Jahre“ berichten – satte 1000 Mark für drei Ampullen verlangt; ob es sich dabei um reines oder gepantschtes Penicillin handelte – wie später im berühmten Film Der dritte Mann – konnte kaum jemand nachprüfen.

Unter solchen Umständen ist ein Film über den Lebensweg des  französischen Chemikers Louis Pasteur (1822-1895), der 1947 in Frankfurter Kinos zu sehen ist, durchaus von großem Interesse für die Bevölkerung. Louis Pasteur hat mehrere Impfstoffe entwickelt, die bedeutendsten sind die gegen Milzbrand und die Tollwut. Auf ihn geht auch das bis auf den heutigen Tag praktizierte Verfahren zurück, Milch durch kurzes Erhitzen auf etwa 60 °C haltbar zu machen („Pasteurisieren“). Pasteur ist auch maßgeblich an der Entwicklung der Sterilisation medizinischer Instrumente beteiligt.

Schon im Jahr 1860 hat Pasteur die Vermutung geäussert, dass Bakterien tödliche Krankheiten auslösen können, doch kann sich zunächst nicht gegen die so genannte Schulmedizin durchsetzen. Erst viel später werden seine Forschungen für die Medizin akzeptiert. Eine solche Geschichte fesselt die Menschen, sind sie doch durch die mangelnde Hygiene und die allgemeine körperliche Schwäche aufgrund des Krieges selbst ständig immer in Gefahr, sich irgendwo Krankheitserreger einzufangen.

Daten zum Film 

Louis Pasteur (Illustrierte Filmbühne Nr. 6 – zuvor auch Nr. 6 des dritten Jahrgangs) ist ein US-Film der First National von Produzent Hal B. Wallis für Warner Bros. von 1935. Paul Muni ist in der Rolle des Louis Pasteur zu sehen, Anita Louise spielt die Annette Pasteur, weitere Mitwirkende sind Donald Woods (als Jean Martel), Josephine Hutchinson (als Madame Pasteur), Fritz Leiber sr. (Dr. Charbonnet). Regisseur ist William Dieterle, der Film wird 1937 mit drei Oscar ausgezeichnet (Paul Muni als bester Hauptdarsteller), Pierre Collings und Sheridan Gibney sowohl für die beste Original-Story als auch für das beste Drehbuch nach einer literarischen Vorlage. Der Film ist auch in der Kategorie „Bester Film” nominiert, unterliegt allerdings gegen Der große Ziegfeld.

Erstaufführung am 22. Februar 1936 in New York City, ab 26. Juni 1947 in der amerikanischen Zone im Einsatz, darunter in Frankfurt im Hansa und der Harmonie.