Manege frei

Illustrierte Filmbühne Nr. 604 (E. S.) – Der Mann in der Arena trägt eine viel zu weite Hose, bevorzugt außerdem Riesenschlappen an den Füßen und spricht neben seiner Muttersprache Französisch auch noch Spanisch, Italienisch, Deutsch und Englisch. Es handelt sich um einen gewissen Adrian Wettach, der unter seinem Künstlernamen Grock als Musicalclown weltberühmt geworden ist.

Manege freiDas besondere Markenzeichen des 1880 geborenen Schweizers ist die immer wieder langgezogene Frage „Waruuuuuum?” sowie die Antwort „Nit möööööglich!”. Bei seinen Auftritten in  Zirkusmanegen, Varietés, oder auf großen Bühnen bevorzugt der Clown als Requisiten gerne winzige Instrumente in viel zu großen Behältnissen. Zum Beispiel verpackt er eine Miniatur-Geige in einem riesigen Bass-Koffer, um dann sein Erstaunen über dieses Missverhältnis mit dem lang gedehnten üblichen „Nit möööööglich!” und einem ungläubigen Kopfschütteln begleiten zu können. Grock beherrscht die meisten Instrumente sehr gut, spielt meisterhaft auf dem Klavier und auf der Violine und komponiert außerdem viele Akkordeon-Stücke. Wie mir meine Eltern  erzählen, haben sie den Clown in den Dreissiger Jahren bei einer Vorstellung im alten Schumann-Theater in Frankfurt gesehen. Weil ich Grock – er hat sich als 70jähriger praktisch aus dem „Berufsleben” verabschiedet – wohl nicht mehr selbst live sehen kann, will ich mir wenigstens den Film Manege frei ansehen, der 1950 in die Kinos kommt und über sein Leben berichtet.

Die Biografie trägt den Untertitel Der Mann, der die Welt zum Lachen brachte. In Frankfurt habe ich im Sommer die ersten Aufführungen in den Innenstadt-Kinos verpasst, doch an Weihnachten des Jahres ergibt sich die Gelegenheit, den Film in den Adler-Lichtspielen im Stadtteil Ginnheim zu sehen. Die Gemeinschaftsproduktion aus Frankreich und Deutschland dokumentiert mit vielen Rückblenden die Lebensgeschichte von Grock.

Doch so richtig überzeugen kann mich der Film nicht. Die Mischung zwischen vielen nachgestellt-spielfilmartigen Szenen und den eingeschnittenen Szenen von Originalauftritten des Clowns passen irgendwie nicht so recht zusammen und bleiben unbefriedigend. So bleibt die Erkenntnis, dass sich der geniale Künstler Grock offensichtlich nur in seinen Live-Auftritten wirklich wohl gefühlt hat.

Daten zum Film

Manege frei mit den Untertitel Der Mann, der die Welt zum Lachen brachte (Illustrierte Filmbühne Nr. 604) sowie dem französischen Originaltitel Au Revoir Monsieur Grock ist eine Biografie über den berühmten Schweizer Clown aus dem Jahr 1950 und zugleich die erste Gemeinschaftsproduktion von Frankreich und der Bundesrepublik Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Unter der Regie von Pierre Billion spielen Grock, Suzy Prim, Henry Cassidy und Nadine Rousseau.

Erstaufführungen sind am 19. Januar 1950 in Frankreich, am 6. April 1950 in West-Berlin, danach in der Bundesrepublik; vom Autor gesehen Ende. April 1950 im Bieberbau.