Die roten Schuhe

Illustrierte Filmbühne Nr. 565 (E. S.) – Der britische Film Die roten Schuhe, der zu Weihnachten 1949 im Frankfurter Lichtspieltheater Bieberbau an der Hauptwache gezeigt wird, ist ein britischer Tanzfilm nach Motiven des Märchens von Hans Christian Andersen, in dem die erst 22-jährige Tänzerin und Schauspielerin Moira Shearer ihre Karriere beginnt. 

RoteSchuheDie Zuschauer verlassen das Kino, das eigentlich für solch einen phantastischen Film gar nicht geschaffen ist, beeindruckt. Es ist ein wenig schade, dass der Film nicht im nahe gelegenen und pompöseren Metro im Schwan läuft, das zur Weihnachtszeit eröffnet hat. Den Turm-Palast und Europapalast gibt es zu dieser Zeit auch noch nicht, der Filmpalast an der Konstablerwache schätzt andere Themen. Das Andersen-Märchen von den roten Schuhen, die denjenigen, der sie an seinen  Füßen trägt, auf immer und ewig und bis zum Tod tanzen lässt, bietet genug Stoff für tragische Momente. Eric Pressburger und Michael Powell, die wieder als Produzenten, Regisseure und Autoren auftreten, haben damit jedenfalls ein Meisterwerk des Ballettfilms geschaffen, wobei auch die Kamera, die Montage und die Technicolor-Farben auf’s Trefflichste harmonieren. Doch nebenbei bemerkt hat der Film nicht nur einen künstlerischen, sondern auch einen politischen Hintergrund, bei dem einige der männlichen Film-Protagonisten im Blickpunkt stehen.

Der in Berlin tätige ungarische Regisseur und Produzent Pressburger, der österreichische Halbjude Adolf Wohlbrück, der große deutsche Theaterschauspieler Albert Bassermann wie auch der Bühnenbildner Hein Heckroth haben nach der Machtergreifung durch die Nazis allesamt Deutschland verlassen müssen und leben in der Emigration. Wohlbrück hat in den USA den Namen Anton Walbrook angenommen, weil sein ursprünglicher kaum auszusprechen ist.

Unter diesem Alias wird er auch noch 1948 in der Besetzungsliste der „Roten Schuhe” aufgeführt. Heckroth erhält für die Ausstattung einen Oscar und wird später neben vielen weiteren Filmarbeiten an den Städtischen Bühnen in Frankfurt unter Leitung von Harry Buckwitz weitere Lorbeeren ernten.

Nur der Brite Marius Goring hat einen anderen Lebensweg genommen, ist aber gleichwohl wie die anderen ein Nazi-Gegner. Goring hat beim Sender BBC unter dem Pseudonym Charles Richardson während des Krieges Nachrichten gesprochen, die von vielen in Deutschland trotz drakonischer Strafen heimlich abgehört werden. So vereint also einige an der Produktion beteiligte Männer ein gemeinsames Schicksal, was natürlich im Film keine Rolle spielen kann (und darf).

Daten zum Film 

Die roten Schuhe (Illustrierte Filmbühne Nr. 565) mit dem Originaltitel The red Shoes ist ein Tanzfilm (1948) aus Großbritannien, beruhend auf Hans Christian Andersens Märchen. Unter der Regie von Michael Powell und Emeric (Eric) Pressburger – sie schreiben auch gemeinsam das Drehbuch und treten als Produzenten auf – spielen Moira Shearer (als Victoria Page), Adolf Wohlbrück alias Anton Walbrook (als Boris Lermontow), Marius Goring (als Julian Craster). Weiter wirken mit: Leonide Massine und Robert Helpmann. Der Film wird 1949 mit dem Oscar für die beste Musik in der Kategorie Drama)und für die beste Ausstattung in der Kategorie Farbe) ausgezeichnet.

Welturaufführung am 6. September 1948 in London, deutsche Erstaufführung 7. Dezember 1948 in Hamburg, gelaufen in Frankfurt zu Weihnachten 1949 im Bieberbau.