Die Königin vom Broadway

Illustrierte Filmbühne Nr. 742  (E. S.) – Im Frühjahr 1950 ist die Tänzerin und Filmschauspielerin Rita Hayworth Dauergast in allen einschlägigen Filmpostillen und Illustrierten. Denn das „Pin-up-Girl” hat am 27. Juni des Vorjahres in Vallauris bei Cannes in ihrer bereits dritter Ehe den pakistanisch-indischen Prinzen Ali Khan geheiratet. Rita Hayworth, die eigentlich Margarita Carmen Cansino heisst, wird im Dezember Mutter ihrer Tochter Yasmin, während sich Prinz Ali weiter in seiner Rolle als internationaler Playboy gefällt. Schon 1951 trennt sich das Paar. Offiziell wird die Ehe 1953 geschieden. 

Königin vom BroaswayAls Die Königin vom Broadway am 6. April 1950 im Frankfurter Luxor-Kino anläuft, ist die Hayworth wegen dieser privaten Ereignisse natürlich täglich und überall in den Schlagzeilen, selbst in seriösen Tageszeitungen sind darüber Berichte zu finden, auch die Wochenschauen haben sich des Themas angenommen. Weil der Hollywood-Star sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere befindet, ist das auch Grund genug, nun zur Frankfurter Premiere in das Luxor zu gehen. Und es ist auch klar, dass die Firmen, bei denen sie gedreht hat, tunlichst darum bemüht sind, kräftig Kapital aus dem  Interesse zu schlagen: Immerhin ist das ganze Drumherum ja auch ein bisschen verrucht für die 50er Jahre. Wohl auch aus diesem Grund kommt der schon 1942 gedrehte Streifen jetzt in die deutschen Kinos.

Erzählt wird darin die Geschichte des amerikanischen Komponisten Paul Dresser (Victor Mature), der vom Broadway-Star Sally Elliott (Rita Hayworth) erst geliebt, dann verstossen und am Ende doch von ihr geheiratet wird. Wie fast immer in solchen biografischen Filmen stimmt vieles mit der Realität nicht überein, obwohl die Geschichte auf einen Roman von Theodor Dreiser („Mein Bruder Paul”) basiert: – und dieser ist immerhin der Bruder des Liederschreibers. Gleichwohl kapriziert sich die Film-Story auf eine fiktive Liebesgeschichte und stellt vor allem die Musik Dressers, der 1906  im Alter von nur 49 Jahren gestorben ist, in den Vordergrund.

Paul Dresser, so vermittelt der Film, hat frühzeitig sein Elternhaus verlassen, um über die Lande zu tingeln und seine Musik zu spielen. Mit seinen Melodien möchte er am Broadway Erfolge feiern, aber es ist ein steiniger und langer Weg. Mit der jungen Mae Collins (Carole Landis) zieht er über Dörfer und Städte, spielt seine selbst geschriebenen Stücke mehr oder weniger beklatscht, doch erst als ihn eines Abend der Broadway-Star Sally Elliott hört, wird sein Traum von Ruhm und Geld Wirklichkeit – mit aller Dramatik, die sich in einem bunten Film mit einschmeichelnder Musik eben gerade noch unterbringen lässt.

Und die Wahrheit ist natürlich auch, dass der junge Victor Mature – es ist seine vierte Rolle und er spielt eigentlich die Hauptfigur – sich ständig im Schatten von Rita Hayworth befindet. Sie, die im wirklichen Leben (viel schöner eigentlich) Margarita Carmen Cansino heisst, wird also tatsächlich dem deutschen Filmtitel gerecht, ganz unabhängig von all dem anderen Geschehnissen im Leben der Diva.

Daten zum Film

Die Königin vom Broadway (Illustrierte Filmbühne Nr. 742) trägt den Originaltitel My Gal Sal und ist ein biografisch-musikalischer Liebesfilm der 20th Century Fox aus dem Jahr 1942 nach der Vorlage des Schriftstellers Theodor Dreiser „Mein Bruder Paul”. (Theodor Dreiser ist der Bruder von Paul Dresser). Die Spielleitung liegt in den Händen von Irvin Cummings, als wichtigste Darsteller fungieren Rita Hayworth (als Broadway-Star Sally Elliott), Victor Mature (als Komponist Paul Dresser), John Sutton (als Fred Haviland), Carole Landis (als Mae Collins). Die deutschen Stimmen stammen von Ilse Werner (Rita Hayworth) und Curt Ackermann (Victor Mature). Der Film erhielt den Oscars für die beste Farbausstattung.

Erstaufführungen am 30. April 1942 in New York (Roxy-Theater), danach landesweit in den Vereinigten Staaten, ab Oktober 1949 läuft der Film in den deutschen Kinos. Ab 7. April 1950 im Frankfurter Luxor zu sehen.