Martin Roumagnac

Illustrierte Filmbühne Nr. 263  (E. S.) – Die Hansa-Lichtspiele in der Friedrich Ebert-Straße, wie die alte Kaiserstraße nach dem Krieg von 1947 bis zum 12. Mai 1955 in Frankfurt am Main offiziell bezeichnet wird  – eine Umbenennung, die der Neuordnung nach dem Krieg geschuldet ist, in der Bevölkerung aber wenig beliebt ist –, machen 1948 in einer Werbeanzeige darauf aufmerksam, dass „das Theater gut geheizt” ist, eine keineswegs absurde Einlassung der Kinobesitzer.

Martin RoumanacDer wertvolle Hinweis auf ein warmes Plätzchen ist der Tatsache geschuldet, dass die Winter in den Nachkriegsjahren bitterkalt sind in Frankfurt am Main und auch Heizmaterial trotz der bereits durchgeführten Währungsreform noch immer Mangelware ist. Außerdem steht Weihnachten vor der Tür. Gezeigt wird an den Feiertagen der französische Film Martin Roumagnac. Die Hauptdarsteller in dem Melodram sind Marlene Dietrich und Jean Gabin. In Tageszeitungen wird berichtet, Jean Gabin habe nach sieben Jahren Abwesenheit  aus Frankreich – er war vorübergehend (relativ erfolglos) in Hollywood und danach in der französischen Armee tätig – erstmals wieder einen Film in seinem Heimatland Frankreich gedreht, Marlene Dietrich dagegen steht nach dem Kriegsende erstmals wieder in Europa vor der Kamera. Es ist also durchaus eine filmische Attraktion. Über die Handlung des Films ist allerdings doch nicht so arg viel übrig geblieben.

Nur soviel: Der aus kleinen Verhältnissen” hoch gekommene Bauunternehmer Martin Roumagnac (Jean Gabin) und die zwischen ihm und einem Konsul namens De Laubry (Marcel Herrand) schwankende Blanche Ferrand (Dietrich) vernichten sich sich gegenseitig. Im Mittelpunkt stehen (natürlich) Liebe, Leidenschaft und Mord. Roumagnac erwürgt seine Geliebte in einem Anfall grenzenloser, aber unbegründeter Eifersucht. Nachdem er vom Gericht mangels Beweises freigesprochen worden ist, erkennt er (zu spät), dass seine Eifersucht völlig unbegründet war und er Blanche Unrecht getan hat. Von Reue und Verzweiflung geplagt, präsentiert sich Roumagnac einem rachsüchtigem Verehrer von Blanche als Zielscheibe für einen selbstmörderischen Todesschuss.

Daten zum Film

Martin Roumagnac (Illustrierte Filmbühne Nr. 263, Filmpost Büdingen Nr. 229) heisst im Original ebenfalls Martin Roumagnac und wird sowohl als Liebesfilm wie auch als Melodram klassifiziert. Bei dem nach einer literarischen Vorlage von Pierre-René Wolf 1946 gedrehten Film führt Georges Lacombe, der auch am Drehbuch mitschreibt, die Regie. In den wichtigsten Rollen sind Jean Gabin (als Bauunternehmer Martin Roumagnac), Marlene Dietrich (als Blanche Ferrand), Marcel Herrand (als Konsul M. de Laubry) und Daniel Gélin (als Blanches Verehrer) zu sehen. Die deutsche Stimme von Marlene Dietrich gehört Kirsten Heiberg, die Rolle von Jean Gabin spricht Wolfgang Engels.

Uraufführung in Paris am 18. Dezember 1946, deutsche Erstaufführung im Januar 1947, Frankfurter Erstaufführung am 19. November 1948 (Eden und Schwanen), danach gespielt an Weihnachten 1948 in den Hansa-Lichtspielen in Frankfurt am Main