Miranda

Illustrierte Filmbühne Nr. 271  (E. S.)  – Ein Kinobesuch in Sachsenhausen im Frühsommer 1949 beschert mir mit Miranda einen britischen Film, der sich nicht an den harten Realitäten des Lebens orientiert, sondern sehr phantasievoll zur Unterhaltung des Publikums beiträgt: – in einem Jahr, das nebenbei bemerkt recht wichtige politische Vorgänge bereit hält.

MirandaDie attraktive und charmante Miranda sorgt in London für einiges Aufsehen, sowohl in dem Hotel, in dem sie logiert, als auch bei einem Besuch in der Oper. Kein Wunder also, dass mehrere männliche Bewerber intensiv um die Gunst der jungen Frau buhlen. Doch die Schöne ist in Wirklichkeit eine Meerjungfrau. Nur der Arzt Paul Marten, der sie zur Beobachtung aus dem Meer bei Cornwall nach London gebracht hat, weiß um dieses Geheimnis. Doch Clare Marten, die eifersüchtige Frau des Arztes, enthüllt nach dem Studium eines Lexikons auf eher uncharmante Art die Wahrheit über Miranda, indem sie ihr knallhart die Bezeichnung „Seekuh” verpasst. Das aber bringt die Meerjungfrau auf schnellstem Weg zurück in den Atlantik. Das ist mehr als schade –  wie ich und einige andre Zuschauer nach dem Kinobesuch finden, denn jetzt muss man sich täglich auf’s Neue mit alltäglichen Vorgängen im wirklichen Leben befassen. Und der Zauber ist auch schnell verflogen…

Die Schlagzeilen werden von anderen Dingen als von solch phantastischen, schönen Film-Illusionen bestimmt. Am 12. Mai 1949 ist die Berlin-Blockade zu Ende gegangen. Sie war ein Jahr zuvor unter anderem wegen der in der „Trizone” (französische, britische und amerikanische Besatzungsbereiche) durchgeführten Währungsreform als Antwort von der Sowjetunion ausgelöst worden. Die Lebensqualität der Westberliner war dabei entscheidend eingeschränkt worden, doch die amerikanischen und britischen „Rosinenbomber” sorgen für die Versorgung West-Berlins. Politisch wesentlich bedeutsamer noch sind die am 23. Mai und 9. Oktober 1949 erfolgten Staatsgründungen der Bundesrepublik und der DDR.

Daten zum Film

Miranda (Illustrierte Filmbühne Nr. 271) heisst auch im Original Miranda. Es ist ein englischer Fantasy-Film aus dem Jahr 1948. – Produktion: Betty E. Box für Gainsborough Pictures. – Für die Regie ist Ken Annakin verantwortlich. Als Darsteller sind Glynis Johns (als Miranda Trewella), Googie Withers (als Clare Marten), Griffith Jones (als Paul Marten) zu sehen. Außerdem wirken mit: John McCallum, Margaret Rutherford, David Tomlinson. – Erstaufführungen: 6. April 1948 in London, ab März 1949 in den westlichen Besatzungszonen in den Kinos.