Im Schatten des Berges

Illustrierte Filmbühne Nr. 753  (E. S.)  – Im Schatten des Berges ist zwar ein Heimatfilm wie viele andere, er unterscheidet sich aber gleichwohl von jenen sentimentalen und schnulzigen Streifen, die Ende der Vierziger, Anfang der Fünfziger Jahre die deutschen Kinos überschwemmen. Gewiss fehlt dem Streifen die gewiefte Routine vieler beflissener Zelluloid-Schuster der Nachkriegszeit, doch gerade das gefällt mir als jungem Film-Enthusiasten. 

Im Schatten des BergesDer Umgang mit den alltäglichen Problemen der Menschen und ihrer Stärken und Schwächen erscheint im Film selbst als nachvollziehbar und durchaus beachtenswert. Als ich den schon zehn Jahre alten Film 1950 in Frankfurt am Main sehe, wo er als so genannte „Reprise” läuft – das Kino ist mir nicht in Erinnerung geblieben–, bin ich vom Gezeigten durchaus angetan. Denn der Lehrer und Bergwacht-Chef Andreas Aichbichler (Attila Hörbiger) lässt sich aus falsch verstandener Liebe von seiner jungen Frau Margret (Hansi Knoteck) – zuvor ist ihr Schwager in den Bergen um’s Leben gekommen – zum Verzicht auf den ehrenamtlich ausgeübten  Nebenberuf überreden, was ihm die Verachtung und den Spott der anderen Bergretter einträgt.

Feigheit! ist das Schlüsselwort und der ehemals hoch angesehene Aichbichler wird von allen gemieden. Erst als er völlig allein durch eine tückische Gipfelbesteigung an der „Teufelswand” beweist, was tatsächlich an Mut und Verwegenheit in ihm steckt, gewinnt er die Anerkennung seiner Freunde zurück. Seine Frau Margret hat indessen längst ihre egoistische Haltung bereut und erkannt, wie wichtig und notwendig die gefährliche Arbeit der Bergretter für in Not geratene Menschen ist. So finden sie doch einen gemeinsamen Weg für die Zukunft.

Das Melodram aus den Bergen ist auch deshalb von Interesse, weil gerade ein erster kleiner „Reiseboom” der Deutschen angebrochen ist. Meist zwar noch mit der Eisenbahn oder dem gerade erworbenen Kleinwagen, aber das lockende Ziel sind dabei vor allem die deutschen und österreichischen Alpen. Und ein Einblick in die Mentalität der „Bergfexe” kann da wohl kaum schaden.

Daten zum Film

Im Schatten des Berges (Illustrierte Filmbühne Nr. 753) ist ein deutscher, melodramatischer Heimatfilm der Bavaria aus dem Jahr 1940. Unter der Regie von Alois Johannes Lippl agieren Attila Hörbiger (als Lehrer und Bergwacht-Führer Andreas Aichbichler), Hansi Knoteck (als seine Frau Margret Aichbichler), Richard Häussler (als Bildschnitzer Aloys Zumtobel), Viktoria von Ballasko (als seine Frau Veronika), Winnie Markus (als Hedwig Brüggler), Elise Aulinger (als Gemischtwarenhändlerin Johanna Schloißnigg). Das Drehbuch stammt von Rudo Ritter, Josef Friedrich Perkonig und Alois Johannes Lippl, an der Kamera betätigen sich Oskar Schnirch und Klaus von Rautenfeld.

Deutsche Erstaufführung am 18. Dezember 1940. In Frankfurt und anderswo nach dem Krieg wieder 1950 in Wiederaufführung zu sehen.