Meuterei auf der Bounty

Illustrierte Filmbühne Nr. 1112 und Berliner Filmkurier 2520 (E. S.) – Die „Meuterei auf der Bounty“ ist ein amerikanischer Filme, der bereits 1936 in Deutschland gezeigt worden ist, zu einer Zeit, als die Nazis den Vertrieb unliebsamer ausländischer Filme noch nicht unterbunden haben. Im Jahr 1951 wird der Streifen von Metro-Goldwyn-Mayer in einer  nagelneuen, synchronisierten Fassung wieder die deutschen Kinos geschickt.

Bounty

Der Film beruht auf dem Roman „Schiff ohne Hafen” von Charles Nordhoff und James Norman Hall und beschäftigt sich mit einem historisch verbürgten Ereignis aus dem Jahr 1789, wobei allerdings die Buch- und Filmdarstellungen nichts mit der Realität zu tun haben. Es wäre an dieser Stelle übertrieben, die wirklichen Geschehnisse im Detail zu beschreiben, denn inzwischen ist alles Wesentliche rund um die Meuterei von Historikern erforscht und niedergeschrieben worden. Doch als ich den Streifen Mitte Juni 1951 im Frankfurter Turmplast sehe, ist mir das alles noch unbekannt. So sehe ich einen spannenden und aufwühlenden Film, wenngleich die Brutalität und unmenschliche Härte von Kapitän William Bligh (Charles Laughton) erschreckend ist.

Gleichermaßen imponiert das Auftreten der Meuterer unter Führung des 1. Offiziers Flechter Christian (Clark Gable) gegen die Härte und Grausamkeit des Kapitäns. Die herausragenden Darsteller und die solide Leistung von Regisseur Frank Lloyd machen den Film jedenfalls zu einem Erlebnis. Und es wird schnell klar, warum das Nazi-Regime Filme, in denen auf diese Weise gegen die Alleinherrschaft Widerstand geleistet wird, nicht gebrauchen kann.

Die Geschichte berichtet vom britischen Segelschiff Bounty, das 1787 von Portsmouth in Richtung Südsee aufbricht, um Brotbäume zu holen. Doch was anfangs wie eine lockere Reise aussieht, wird zu einem Höllentrip. Der sadistische und grausame Kapitän Bligh tyrannisiert die Besatzung in brutaler Weise, darunter auch den jungen Kadetten Roger Byam (Franchot Tone). Demütigungen jeder Art, Peitschenhiebe und Todesurteile sind an der Tagesordnung. Unter Führung von Fletcher Christian kommt es fast zwangsläufig zur Meuterei, an der sich Roger Byam freilich – in seiner Kajüte schlafend – nicht beteiligt.

Kapitän Bligh und dessen verbliebenen Getreuen werden von den Meuterern in einem Beiboot auf hoher See ausgesetzt, können sich aber nach 40 Tagen auf die Insel Timor retten. Als sie von einem englischen Schiff aufgenommen werden, machen sie nun gnadenlose Jagd auf die Meuterer. Die Aufrührer flüchten deshalb mit der Bounty von Tahiti auf die winzige Insel Pitcarin, setzten selbst die Bounty in Brand, um nicht entdeckt zu werden. Christian Flechter aber kommt nach heftigen Auseinandersetzungen unter den Männern in den Flammen um, andere überleben auf dem Eiland.

In England kommt es nach der Rückkehr von Blyth und einigen der Meuterern zum Prozess, in dem Kadett Roger Byam zunächst zum Tode verurteilt wird. Erst jetzt gibt er seine Loyalität gegenüber dem Kapitän auf, berichtet dem Gericht von dessen Grausamkeiten und wird freigesprochen…

Daten zum Film

Meuterei auf der Bounty (Illustrierte Filmbühne Nr. 1112 und Filmkurier 1320) trägt den Originaltitel Mutiny on the Bounty und ist eine Abenteuerfilm der Metro-Goldwyn-Mayer aus dem Jahr 1935. Der Film hat im Original eine Länge von 135 Minuten. Produzent ist Irving Thalberg, die Regie führt Frank Lloyd. Unter seiner Leitung spielen Clark Gable (als Meuterer Fletcher Christian), Charles Laughton (als Kapitän William Bligh), Franchot Tone (als Roger Byam), Herbert Mundin (als Smith), Eddie Quillan (als Ellison), Ian Wolfe (als Maggs), Donald Crisp (als Burkitt). Das Drehbuch schreiben Talbot Jennings, Jules Furthman und Carey Wilson nach dem Roman „Schiff ohne Hafen” von Charles Nordhoff und James Norman Hall. An der Kamera arbeitet Arthur Edeson. Die Musik komponiert Herbert Stothart. Deutsche Synchronstimmen der Kopie von 1951 kommen von Siegfried Schürenberg (Clark Gable), O. E. Hasse (Charles Laughton), Carl Raddatz (Donald Crisp), Axel Monje (Franchot Tone), Georg Thomalla (Ian Wolfe). 1936 mit dem Oscar als bester Film des Jahres ausgezeichnet. – Premiere am 8. November 1935 in New York City, USA-landesweit ab 22. November 1935 in den Kinos. Deutsche Erstaufführung am 12. August 1936, Wiederaufführung am 5. März 1951, in Frankfurt angelaufen Mitte Juni im Turmpalast.