Mister Deeds geht in die Stadt

Illustrierte Filmbühne Nummer 9 (E. S.) – In der Komödie Mister Deeds geht in die Stadt verteilt der Erbe eines Millionenvermögens kleine und auch größere Almosen und unterstützt Not leidende Farmer. So jemanden hätte man sich auch in den ersten Jahren nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in in den verschiedenen Besatzungszonen in Deutschland gewünscht. Die Not ist groß, es herrscht im Winter bittere Kälte, und überhaupt…: Auf den Lebensmittelkarten werden 1946 nur 100 Gramm Margarine, 600 Gramm Nährmittel, 125 Gramm Käse und Butter, 200 Gramm Fleisch und 1,6 Kilo Brot ausgewiesen.

Mr. DeedsWie kann Mr. Deeds so großzügig sein? Das fragen sich die Leute im Kino, die den vom Amerikanischen Militär-Filmverleih auf die Leinwände gebrachten Streifen in dieser schwierigen Zeit voller Hoffnung auf das Gute im Menschen sehen. Die Antwort ist einfach. Longfellow Deeds hat satte 20 Millionen Dollar geerbt und kann deshalb aus dem Vollen schöpfen. Das tut er auch, denn Mr. Deeds ist nicht nur ein etwas verschrobener Musikus und überdies ein wenig seltsam-kauzig –  nein, er ist in der profitgierigen Welt ringsumher auch ein reiner Tor. Also verteilt der im Brotberuf als Verseschmied für Postkarten tätige Mann sein unverhofft erlangtes Vermögen unter den nicht gerade gut Betuchten in der Stadt. Das freilich macht ihn höchst verdächtig, verstösst sein Verhalten doch gegen die „Regeln“ einer Gesellschaft, die stets und egoistisch das eigene „Wohlergehen” im Auge hat. So verwundert es niemanden, dass ihn die Obrigkeit wegen dieser ungewöhnlichen Freigebigkeit in’s Irrenhaus stecken will. Auch droht ihm Gefängnis wegen einiger durch das Geld verteilen begangener Verstösse gegen „Recht und Gesetz”.

Und gerade das macht diese optimistisch angelegte Komödie so sympathisch, zumal wir in Deutschland durch die von Hilfsorganisationen organisierte Speisung für Schulkinder und der Aktion „CARE-Pakete” selbst von einer Hilfsbereitschaft a la Mr. Deeds profitieren.

Das stärkt die Solidarität. Im Gedächtnis bleibt vor allem die Feststellung des Richters, der nach den vielen Irrungen und Wirrungen zum Schluss bei der Gerichtsverhandlung erklärt, der von vielen als verrückt eingestufte Longfellow Deeds sei in diesem Saal wahrscheinlich der einzig Normale.

Daten zum Film

Mister Deeds geht in die Stadt (Illustrierte Filmbühne Nr. 9) mit dem Originaltitel Mr. Deeds goes to Town ist eine Komödie der amerikanischen Produktonsfirma Columbia Pictures aus dem Jahr 1936 im Amerikanischen Militärverleih. Produzent Frank Capra führt auch Regie, als Hauptdarsteller bewähren sich Gary Cooper (als Longfellow Deeds) und Jean Arthur (als Reporterin Babe Bennett). Außerdem sind unter anderen Raymond Walburn, Lionel Stander und George Bancroft zusehen. Frank Capra erhält für diesen Film im Jahr 1937 den Oscar für die beste Regieleistung. – Erstaufführungen am 12. April 1936 landesweit in den Vereinigten Staaten; offizielle Festpremiere vier Tage später in New York City. In Deutschland ab Mai 1947 (in englischer Sprache) in den Kinos; später synchronisiert.