Und Du mein Schatz fährst mit…

Illustrierte Filmbühne Nr. 891 (E. S.) – Ende der Vierziger, Anfang der Fünfziger Jahre schwappen derart viel Filme in die deutschen Kinos, dass sich die Branche ernsthaft Sorgen über ihre weitere Existenz zu machen beginnt. Alleine 1949 werden schon 56 Filme in Westdeutschland hergestellt, bei der DEFA in Ostberlin sind es zwölf – aber die vielen ausländischen Verleiher werfen das Drei- bis Vierfache auf den Markt. 

SchatzDas ist ein Überangebot, dass für die Kinobesitzer nicht leicht zu verkraften ist. Denn selbst bei zweimaligem Wechsel des Programms  in einer Woche können sie  maximal 104 Filme abspielen. Und die Praxis sieht auch in den Großstädten ganz anders aus, weil natürlich die sehr erfolgreichen Filme vertragsgemäß verlängert werden müssen. Deshalb verzögert sich zum z.B. in Frankfurt am Main der Start des Film „Das doppelte Lottchen“ um zwei Wochen, weil der vorherige Streifen um satte zwei Wochen prolongiert wird. Bei derart schwierigen Verhältnissen ist es dann schon sehr erstaunlich, dass auch immer wieder Uralt-Schinken im Angebot sind, wie zum Beispiel der alte Musik- und Revuefilm Und du mein Schatz fährst mit… 

Immerhin stammt der Ufa-Film schon aus dem Jahr 1936 und gilt schon zu dieser Zeit nicht gerade als ein Ausbund von Witz und Charme, obwohl einige Schlager aufgelegt werden. Der von Rökk-Ehemann Georg Jakoby vorgenommene Zuschnitt auf den kommenden Ufa-Star ist nicht gerade förderlich, schon gar nicht 14 Jahre später, als ihm ein kommerzieller Erfolg versagt bleibt.

Die Geschichte ist ohnehin simpel. Ein amerikanischer Millionär fördert (nicht ohne persönliche Absichten) die Karriere der noch unbekannten deutschen Opernsängerin Maria Seydlitz (Marika Rökk). Trotz einiger Intrigen aus der Verwandtschaft des Millionärs kann die sich bei einer Großrevue am Broadway durchsetzen, bleibt aber am Ende doch beim Ingenieur Heinz Fritsch, denn sie bei der Überfahrt auf dem Dampfer kennengelernt hat.

Beim romantischen Finale eilt Maria zurück an Bord des Schiffes in die Arme von Fritsch und singt dabei das Volkslied „Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus“, das er  – einfallend in den Gesang – mit den Worten ergänzt:  „… und du mein Schatz fährst mit“.  Alles klar?

Daten zum Film

Und du mein Schatz fährst mit… (Illustrierte Filmbühne Nr. 891 und Illustrierter Filmkurier 2576) ist ein deutscher Tanz- und Revuefilm der Ufa aus dem Jahr 1936. In dem 94 Minuten langen Streifen spielen unter der Regie von Georg Jacoby die Darsteller Marika Rökk (als Sängerin Maria Seydlitz), Hans Söhnker (als Ingenieur Heinz Fritsch), Oskar Sima (als Regisseur Bal), Alfred Abel (als Industrieller William Liners), Paul Hoffmann (als Fred Liners), Leopoldine Konstantin (als Juana de Villafranca). Weitere Mitwirkende sind u. a. Ernst Waldow, Genia Nikolajewa und Friedl Härlin. Das Drehbuch stammt von Bobby E. Lüthge und Philipp Lothar Mayring. An der Kamera betätigt sich Herbert Körner. Die Musik stammt von Franz Doelle.

Erstaufführung: 15. Januar 1937 im Berliner Gloria-Palast. Wiederaufführung in Westdeutschland 1950. Lief auch am 4. Mai  1981 im Deutschen Fernsehfunk der DDR und am 30. April 1989 bei RTL plus.