Ich brauche Dich

Illustrierte Filmbühne Nr. 35  (E. S.) – Das bisherige, unwirtliche Leben in den einzelnen Besatzungszonen beginnt sich  zu normalisieren, nachdem im Juni die 1948 die Währungsreform über die Bühne gegangen ist. Anfang August erscheint in Hamburg die erste Ausgabe der Illustrierten „stern”, in Köln wird die erste deutsche Fußballmeisterschaft nach Kriegsende entschieden. Erster Meister der Westzonen wird der 1. FC Nürnberg durch einen 2:1-Sieg über den 1. FC Kaiserslautern. In Frankfurt geht zwischen dem 19. bis 23. August 1948 ein großes Turnfest über die Bühne.

Ich brauche dichManche Film-Erinnerungen sind eng verknüpft mit sportlichen Großereignissen. Den Film Ich brauche dich sehe ich direkt nach diesem „Frankfurter Turnfest”, bei dem ich als freiwilliger Helfer eingesetzt worden bin. Nachdem es einige Tage lang im immer noch beschlagnahmten, aber freigegebenen „Victory Park” (Waldstadion) sowie am traditionsreichen Römerberg inmitten der tristen Trümmerlandschaft laut, bunt und recht fröhlich zugegangen ist, sind jetzt im Frankfurter Stadtteil Sindlingen noch Abschlussarbeiten zu erledigen: danach geht es für einige Teilnehmer zur Entspannung in die Union-Lichtspiele. Dort geht es – anders als bei den Turnern – dann doch eher beschaulich zu. Zwar kommt es in dem Film, der nach dem Krieg blitzschnell wieder in die deutschen Kinos geraten ist, zu heftigem Differenzen zwischen einem streitenden Ehepaar, aber die Dialoge bleiben stets geschliffen und selbst bei gelegentlicher Lautstärke doch irgendwie moderat.

Die ständigen Reibereien zwischen dem berühmten Dirigenten Paulus Allmann (Willy Birgel)  und seiner Schauspieler-Frau Julia Bach (Marianne Hoppe) sind ganz nett anzuhören und auch anzusehen, alles aber bleibt im Konventionellen stecken und bietet deshalb keinen Grund zur Aufregung. Das alles befördert bei jungen Leuten eine gewisse Schläfrigkeit…

Der Film beruht auf einen Bühnenstück von Hans Schweikart, der auch am Drehbuch mitschreibt und die Regie übernimmt. Die Geschichte bezieht ihren Reiz aus der Tatsache, dass es sich um zwei Künstler handelt, die ihre Ehe vor der Öffentlichkeit geheim halten. Die Begründung dafür ist zwar etwas albern, aber Julia Bach will der Vermutung entgegenwirken, ihre Karriere beruhe einzig und allein auf dem Namen ihres berühmten Mannes.

Wegen der vielen beruflich verursachten Trennungen verschärft sich die Krise zwischen den beiden Eheleuten von Tag zu Tag und der Dirigent und die Schauspielerin beschließen eine einjährige Trennung. Zwölf Monate, die freilich auch nicht ohne Probleme vorübergehen. Gleichwohl ist die Spannung über den Ausgang der Krise auf der Leinwand gering, sieht doch jeder im dunklen Kinosaal das Happyend auf sich zu plätschern. Bild für Bild…

Daten zum Film 

Ich brauche Dich – abgebildet ist der Illustrierte Filmkurier Nr. 3380K im Kleinformat, das Nachkriegsprogramm der Filmbühne trägt die Nummer 35 – ist eine deutsche Literaturverfilmung (nach Hans Schweikart) aus dem Jahr 1944 (Produktionsfirma: Bavaria). Unter der Regie von Hans Schweikart – er ist auch Autor des Bühnenstücks und am Drehbuch von Peter Francke beteiligt –, spielen Marianne Hoppe (Julia Bach) und Willy Birgel (Paulus Allmann) die Hauptrollen. Außerdem sind Paul Dahlke, Fita Benkhoff und Ernst Fritz Fürbringer mit von der Partie. Der Film hat seine Uraufführung am 12. Mai 1944 und kommt bereits kurz nach dem Krieg als Reprise wieder in die deutschen Kinos, so wird er zum Beispiel auch im August 1948 in einer Erstaufführung im Union-Theater in Sindlingen gezeigt.