Neptuns Tochter

Illustrierte Filmbühne Nr. 1050 (E. S.) – Esther Williams, die Badende Venus von 1944, und immer noch Allzweckwaffe von Metro-Goldwyn-Mayer in diversen musikalischen Revuefilmen mit azurblau-grünen Wasserbecken. Auch in Neptuns Tochter plantscht sie, die sich selbst nicht gerade für eine begabte Darstellerin hält, ebenso lustig wie konsequent durch erleuchtete Gewässer. Das jedenfalls kann sie gut und begleitet wird sie dabei meist von rhythmischen Klängen der Xavier-Cugat-Band.

Neptuns TochterAls junges Mädchen war Esther Williams eine erfolgreiche Schwimmerin, hatte sich bereits für die Olympischen Spiele 1940 in Tokio qualifiziert, doch weil dieses Sportereignis  dem Krieg zum Opfer fiel, tingelte sie mit einer Wasserrevue durch die USA – zusammen mit „Tarzan” Johnny Weissmüller –, ehe sie 1942 von MGM für den Film entdeckt wird. Neptuns Tochter ist einer jener Filme, die von Hollywoods Superstudio nach immer gleichem Strickmustern hergestellt werden: es ist harmlose, aber durchweg sehr charmant präsentierte Unterhaltung. Der Film glänzt sogar mit einem Oscar, den der Komponist Frank Loesser für seinen Song „Baby It’s Cold Outside“ erhalten hat.

Der Film startet in Frankfurt im Turmpalast, und er wirkt auf mich einerseits wie ein Abklatsch von „Badende Venus”, auf der anderen Seite scheint der Streifen Esther Williams selbst zur weiteren beruflichen Laufbahn im wirklichen Leben inspiriert zu haben. Sie spielt eine Designerin von Bademoden, was der Schwimmstar später tatsächlich erfolgreich umsetzt. Die überaus muntere, musikalische Komödie ist außerdem garniert mit sehenswerten Auftritten eines Wasserballetts und einer Vielzahl geradezu grotesker Gags von Red Skelton.

Der Inhalt des Films ist eher nebensächlich, dient nur als Gerüst für die vielen Wasserszenen, der Präsentation von Badeanzügen, der schmissigen Musik und (natürlich) der kleinen Liebesromanzen. Daran beteiligt sind die Modeschöpferin Eve Barett (Esther Williams), der Polostar José O’Rourke (Ricardo Montalban), Eves Schwester Betty (Betty Garett) und der Masseur Jack Spratt (Red Skelton). Der Komiker Skelton beherrscht den Film mehr noch als Esther Williams, die Menschen im Kino biegen sich vor Lachen, wenn dieser urkomische Kauz sein Feuerwerk abbrennt… Insofern ein gelungener Kinotag.

Daten zum Film

Neptuns Tochter (Illustrierte Filmbühne Nr. 1050) heisst im Original Neptunes Daughter und ist eine musikalische Komödie der Metro-Goldwy-Mayer aus dem Jahr 1949. In dem Film von 93 Minuten Edward Buzell die Regie, als Darsteller präsentieren sich Esther Williams (als ehemalige Schwimmerin und jetzige Designerin Eve Barrett), Red Skelton (als Masseur Jack Spratt) Keenan Wynn (als Joe Backett), Betty Garrett (als Eve Barrets Schwester Betty), Ricardo Montalban (als Polospieler José O’Rourke). Das Drehbuch verfasst Dorothy Kingsley, an der Kamera arbeitet Charles Rosher jr., für die Musik sind George Stoll und Frank Loesser zuständig. Der Film erhält 1950 einen Oscar für den besten Filmsong („Baby, It’s Cold Outside” von Frank Loesser). Deutsche Synchronstimmen: Gisela Trowe (Esther Williams), Georg Thomalla (Red Skelton), Paul Edwin Roth (Ricardo Montalban). – US-Premiere am 9. Juni 1949 in New York City, deutsche Erstaufführung am 24. März 1951, in Frankfurt ab 11. Mai 1951 im Turmpalast zu sehen.