Der Tiger Akbar

Illustrierte Filmbühne Nr. 1130 (E. S.) – Ab 25. Mai 1951 läuft in acht Frankfurter Stadtteilen der Film „Der Tiger Akbar“ an. Zusammengetan zur Erstaufführung haben sich das Anker (Fechenheim), das Adler (Ginnheim), Atrium (Heddernheim), Römer (Praunheim), Delphi (Preungesheim), Neues Theater (Höchst), Lichtspiele (Riederwald) und die Lichtspiele (Rödelheim). Hauptdarsteller des Streifens ist ein Mann, der auf eigentümliche Weise Kinogeschichte geschrieben hat.

Der Tiger AkbarDer Name Harry Piel ist uns Schülern und Jugendlichen geläufig, obwohl die meisten von uns nicht genau wissen, um wen es sich dabei eigentlich handelt. Doch so ziemlich alle Eltern haben früher nach Kinobesuchen immer intensiv über die skurrilen Abenteuer des Sensationsdarstellers und über spektakulären Aktionen in seinen Filmen gesprochen. Kein Wunder, dass auf Schulhöfen und Straßen der Satz „Harry Piel sitzt am Nil, wäscht die Beene mit Persil” – mit zahlreichen Abwandlungen, die hier nicht erörtert werden sollen – ein beliebter Reim ist. Nun ist also eine gute Gelegenheit, Harry Piel selbst in einem seiner Filme kennen zu lernen. Der Tiger Akbar weiterlesen

Bandito

Illustrierte Filmbühne Nr. 1132 (E. S.)  – Für den italienischen Film ist es in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg fast selbstverständlich, sich mit der schwierigen, sozialen Situation der einfachen Menschen zu beschäftigen. Unter diesen Umständen entstehen einige der besten Streifen der Filmgeschichte. Darunter ist auch „Bandito“ von Alberto Lattuada aus dem Jahr 1946.

BanditoBildViele Gründe spielen für das, was Filmhistoriker als Neorealismus bezeichnen, eine gewichtige Rolle. Weil die Filmstadt Cinecittà vor den Toren Roms von Flüchtlingen belegt ist, und es an allen Materialen fehlt, die zum Filmen notwendig sind, gehen die italienischen Filmemacher auf die Straßen, drehen in den Trümmer der Städte und zeigen das Elend des besiegten Landes. Oft wird nur mit Laiendarstellern gearbeitet, weil kein Geld vorhanden ist. So entstehen unter anderen die Rosellini-Streifen „Rom – Offene Stadt”, „Paisà”, „Deutschland im Jahre Null” sowie „Fahrraddiebe” und „Schuhputzer” (von Vittorio de Sica), um nur einige der wichtigsten zu nennen. Auch der Film Bandito von Regisseur Alberto Lattuada gehört zu diesem Filmen, obwohl sich in diesem Streifen reißerische Elemente mit melodramatischen Akzenten vermischen. Anna Magnani, die Hauptdarstellerin wie in vielen italienischen Werken der Nachkriegszeit, ist neben den Regisseuren der große Star dieser Zeit. Bandito weiterlesen

Eva und der Frauenarzt

Illustrierte Filmbühne Nr. 1131 (E. S.) – Zu einer der merkwürdigsten Premieren des deutschen Films kommt es am 30. März 1951 im Frankfurter Filmpalast. Gezeigt wird der Film Eva und der Frauenarzt. Es soll Sexualaufklärung betrieben werden; das Ganze ist verpackt in eine schmale Spielfilmhandlung.

EvaDem Film wird zwar allgemein bescheinigt, aus medizinischer Sicht durchaus fundiert zu sein, bleibt aber gleichwohl eine zwiespältige Angelegenheit. Das mag einerseits daran liegen, dass der Streifen weitgehend aus amerikanischen Kulturfilmen zusammengeschnitten und mit einer nur dürftigen Rahmenhandlung deutscher Machart versehen ist, was die Herstellungskosten des Streifens auf nur 40.000 DM senkt. Auf der anderen Seite spekulieren die Produzenten natürlich auf größere Gewinne. Als „umsatzfördernde Maßnahme” wird beschlossen, das Publikum im Kino nach Geschlechtern getrennt sitzen zu lassen, was zweifellos (und durchaus beabsichtigt) Erwartungen auf besonders prickelnde erotische Szenen hervorruft. Und so ist der Andrang von Zuschauern tatsächlich beachtlich. Die Frauen müssen im Frankfurter Filmpalast auf der rechten Seite im großen Saal Platz nehmen, die Männer links. In der Mitte bleibt eine Reihe frei. Ein wenig schamhaft und klopfenden Herzens nehmen die meist jungen Leute – darunter auch meine Freundin und ich – ihre Plätze ein und harren der Dinge, die da kommen sollen. Die auf diese Weise hoch geschaukelten Erwartungen auf erotische Überraschungen werden freilich nicht erfüllt. Eva und der Frauenarzt weiterlesen

Dr. Holl

Illustrierte Filmbühne Nr. 1118 (E. S.) – Mit diesem Streifen wird im Jahr 1951 in der Bundesrepublik das der Genre der Arztfilme kreiert. Weil Der Film Dr. Holl (Untertitel: Die Geschichte einer großen Liebe) einer der finanziell erfolgreicheren der Nachkriegszeit ist, folgten bald weitere, in denen Mediziner jeder Coleur im Mittelpunkt der Handlung stehen.

Dr. HollFür jene, die genauer hinschauen, ist der Stoff allerdings höchst unglaubwürdig. Für andere, die sich am Liebesleid- und schmerz berauschen können, ist es dagegen ein wahrer Genuss: Denn der Arzt Dr. Holl (Dieter Borsche) ehelicht – obwohl mit der jungen Medizinstudentin Helga Römer (Heidemarie Hatheyer) verlobt – die scheinbar unheilbare Patientin Angelika Alberti (Maria Schell), um ihr letzte Tage des Glücks zu schenken. Eine erstaunliche Haltung zweifellos! Immerhin ist aber schon bald zu ahnen, dass der Film ohnehin einen anderen (und glücklicheren) Ausgang nehmen wird als anfangs vermutet. Denn Dr. Holl beginnt nicht nur seine Patientin wahrhaft zu lieben, sondern entwickelt – wer hätte das im Geheimen nicht bereits geahnt? – ein Serum, mit dem Angelika Alberti vor dem sicher scheinenden Tod gerettet werden kann. Doch Dr. Holl ist weiter hin- und her gerissen zwischen den beiden Frauen. Ein publikumswirksames Gefühlsdrama wie aus dem Bilderbuch nimmt seinen Lauf. Wie wird es weitergehen? Dr. Holls Verlobte Helga Römer macht schließlich den Weg frei für Holl und Angelika. Helga gibt ihrer beruflichen Karriere den Vorrang, der Weg ist nun frei und aus der Mitleids- wird eine Liebesehe. Dr. Holl weiterlesen

Kind der Donau

Illustrierte Filmbühne Nr.  1113 (E. S.) – Zu den Osterfeiertagen 1951 läuft im Turmpalast die Frankfurter Erstaufführung des österreichischen Musikfilms „Kind der Donau“ mit Marika Rökk an. Es ist ein ganz und gar auf den den Charme und die ungarisch-wienerische Herzlichkeit der Hauptdarstellerin ausgerichteter Unterhaltungsfilm.

Kind der Donau-neuDer eher dürftige Streifen mit dünnem Handlungsfaden fällt freilich durch einige Besonderheiten auf: Es ist Österreichs erster Farbfilm überhaupt, einige Szenen des Films stammen zudem aus Material, das bereits 1944 aufgenommen worden ist. Die Uraufführung findet überraschend zuallererst in der DDR statt (4. August 1950 in Berlin), noch zwei Wochen vor der Premiere in Österreich (Wien). Letzteres ist wohl der Tatsache geschuldet, dass die Finanzierung des Films – wie auch die einiger anderer – erst durch großzügige Kredite der unter sowjetischer Kontrolle arbeitenden Rosenhügel-Ateliergesellschaft ermöglicht wird. Ein Umstand, der dann auch dazu führt, dass der Streifen in der Bundesrepublik trotz seiner Harmlosigkeit nicht gerade wohlwollend aufgenommen wird.
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Meuterei auf der Bounty

Illustrierte Filmbühne Nr. 1112 und Berliner Filmkurier 2520 (E. S.) – Die „Meuterei auf der Bounty“ ist ein amerikanischer Filme, der bereits 1936 in Deutschland gezeigt worden ist, zu einer Zeit, als die Nazis den Vertrieb unliebsamer ausländischer Filme noch nicht unterbunden haben. Im Jahr 1951 wird der Streifen von Metro-Goldwyn-Mayer in einer  nagelneuen, synchronisierten Fassung wieder die deutschen Kinos geschickt.

Bounty

Der Film beruht auf dem Roman „Schiff ohne Hafen” von Charles Nordhoff und James Norman Hall und beschäftigt sich mit einem historisch verbürgten Ereignis aus dem Jahr 1789, wobei allerdings die Buch- und Filmdarstellungen nichts mit der Realität zu tun haben. Es wäre an dieser Stelle übertrieben, die wirklichen Geschehnisse im Detail zu beschreiben, denn inzwischen ist alles Wesentliche rund um die Meuterei von Historikern erforscht und niedergeschrieben worden. Doch als ich den Streifen Mitte Juni 1951 im Frankfurter Turmplast sehe, ist mir das alles noch unbekannt. So sehe ich einen spannenden und aufwühlenden Film, wenngleich die Brutalität und unmenschliche Härte von Kapitän William Bligh (Charles Laughton) erschreckend ist. Meuterei auf der Bounty weiterlesen

Der alte Sünder

Illustrierte Filmbühne Nr. 1110 (E. S.) – Wiener Heurigen-Romantik, verknüpft mit diversen menschlichen Problemen eines wohlhabenden Schneiders, geben die Staffage ab für einen österreichischen Film, der ab 4. Oktober 1951 im Frankfurter Metro im Schwan zu sehen ist.

Der (silberhaarige) alte Sünder Ferdinand Bauer (Paul Hörbiger), Modekönig von Wien, legt noch immer einen Walzer auf’s Parkett, dass die Jungen vor Neid erblassen. Doch der Lebemann richtet mit seinem lockeren Lebenswandel sein Modehaus zugrunde, seine drei Töchter Fritzi, Fanny und Franzi (Inge Konradi, Johanna Matz, Thea Weis) sind zunächst auch unfähig, den Laden über Wasser zu halten. Doch nach einigen Verwicklungen und späten Einsichten wird alles gut. Wer hätte das (nicht) gedacht? Dass der in den Revuestar Yvonne Farini (Susi Nicoletti) verschossene Modekönig am Schluss in den Armen seiner früheren Zuschneiderin Mizzi Hanak (Maria Andergast) landen wird, ist schon frühzeitig erkennbar. So geht der Film mit viel Wiener Schmäh‘ einem gemütlichen und glücklichem Ende entgegen, genauso wie im gleichnamigen Theaterstück von Martin Costa, in dem Paul Hörbiger bei diversen Auftritten ebenfalls die Hauptrolle spielt. Der alte Sünder weiterlesen

Lichter der Großstadt

Illustrierte Filmbühne Nr. 1105 und Filmkurier Nr. 1578 (E. S.).– „Alle Filme kann man nicht sehen, diesen aber muss man sehen!” erklärt die Zeitungswerbung, als Lichter der Großstadt ab 24. März 1951 für ein paar Tage in einer Wiederaufführung im Luxor in Frankfurt zu sehen ist. In dem mit Musik unterlegten Stummfilm geht es um den Landstreicher Charlie, der sowohl Retter eines exzentrischen Millionärs als auch selbstloser und hilfsbereiter Verehrer eines blinden Blumenmädchens ist.

Lichter

Als Charlie Chaplin bei der deutschen Erstaufführung 1931 in Berlin gefragt wird, ob er auch in Zukunft beim Stummfilm bleiben werde, antwortet er:

„Es wäre die größte Torheit meines Lebens, wenn ich von der Leinwand herunter spräche!…” Und zu den Filmgewaltigen der damaligen Zeit gewandt, ergänzt er: „Sie besaßen (mit dem Stummfilm) das idealste Mittel der internationalen Verständigung. Die ganze Welt verstand das stumme Spiel der Künstler. Aber eines Tages haben Sie dieses Weltprodukt nationalisiert… In diesem Augenblick richten Sie mit ihren französischen, deutschen, spanischen Versionen nur Verwirrung an. Das kostet viel Geld aber der Erfolg ist zweifelhaft.”

Doch gleichwohl nutzt Chaplin in der ironischen und sozialkritischen Tragikomödie Lichter der Großstadt die Möglichkeiten des neuen Mediums, indem er seinen stumm gedrehten Film mit musikalischen Effekten untermalt. Weil er selbst keine Noten lesen und schreiben kann, lässt er seine Ideen von einem Musiker namens Gordon Pollock aufschreiben. Lichter der Großstadt weiterlesen

Weißes Gift

Illustrierte Filmbühne Nr. 1103 (E. S.) – Ein amerikanischer Freund ist höchst irritiert. In den Zeitungen liest er Berichte über den Hitchcock-Film Weißes Gift, und da ist von einem Rauschgift-Drama die Rede – er selbst aber hat den Film in den USA bereits gesehen und schwört Stein und Bein, es gehe nicht um irgendwelche Dealer, sondern um Nazi-Spione und um die Jagd nach Uran.

Nachforschungen ergeben, dass der Freund recht hat. Die deutschen Zeitungen haben jedoch von der Manipulation keine Ahnung. In einer Frankfurter Tageszeitung ist im September 1951 die Version zu lesen, dass es sich bei Ingrid Bergman um eine kratzbürstige „Wildkatze” handelt, bei Cary Grant um einen schlichten Detektiv und bei Claude Rains um einen gefährlichen Rauschgiftkönig. „Zwischen ihnen spielen sich dialoggeladene Seelenkämpfe ab, die am Rande des weißes Giftes üppig gedeihen”, schreibt der getäuschte Filmkritiker. Es ist die Rede von Hass, Liebe, Kriminalität und Psychologie. Tatsächlich aber hat der Verleih den Film für die deutschen Zuschauer gefälscht. Aus Nazispionen sind internationale Rauschgiftschmuggler geworden. Der Grund für den Schwindel ist politischer und wirtschaftlicher Natur: Wie in vergleichbaren anderen Fällen auch (z. B. „Casablanca”) will der Verleih die deutschen Zuschauer nicht mit der eigenen düsteren Vergangenheit konfrontieren, natürlich auch in Erwartung auf gut gefüllte Kinokassen. Weißes Gift weiterlesen

Engel im Abendkleid

Das Neue Filmprogramm (E. S.) – Der Zweite Weltkrieg scheint 1951 bei vielen Kinobesuchern vergessen und abgehakt. Reine Unterhaltung zählt. Das lässt sich auch daran ablesen, dass so genannte gesellschaftliche Ereignisse die Menschen eher faszinieren: Im Iran und in Ägypten spiegeln Märchenhochzeiten eine heile Welt aus Tausendundeiner Nacht vor. Schah Resa Pahlewi, Herrscher auf dem Pfauenthron, heiratet die deutschstämmige Soraya, König Faruk von Ägypten die 17-jährige Narriman Sadek. Und genau zu solchen Ereignissen passen dann auch Unterhaltungsfilme wie Engel im Abendkleid.

Engel im AbendkleidEine der am meisten beschäftigen Nachwuchsschauspielerinnen im deutschen Nachkriegsfilm ist die in Chemnitz geborene Bruni Löbel. Sie spielt eine energische, junge Gerichtsvollzieherin, die angeblich eine große Erbschaft gemacht hat und deshalb bald von überaus penetranten Mitgiftjägern heimgesucht wird. Weil sich bald herausstellt, dass die vermeintliche Erbin einer Nerzfarn nach wie vor ein arme Schluckerin ist, verschwinden die Heiratswilligen flugs wieder aus ihrem Leben. Übrig bleibt nur Peter Harden (Rudolf Prack), der sich als jener Übeltäter entpuppt, der mittels eines fingierten Inserats den ganzen Wirbel um den vermeintlichen Millionenbesitz erst ausgelöst hat. Selbst mit einem Berg von Schulden belastet und Besitzer einer maroden Immobile, erobert er gleichwohl das Herz die Gerichtsvollzieherin. Das ist durchaus eine Geschichte, die sich mit Pfiff erzählen ließe, doch die Hand des ungarischen Regisseurs Ákos von Rátony kann dem Geschehen keinen rechten Schwung verleihen. Selbst die ansonsten immer bewährten Routiniers Rudolf Prack und Paul Kremp wirken ein wenig uninspiriert. Engel im Abendkleid weiterlesen