(© ERICH STÖR): Schon 14 Lichtspielhäuser zeigen Anfang 1947 in Frankfurt wieder Spielfilme. Weil in der Innenstadt die Zerstörungen stärker sind als in den Außenbezirken haben in den Stadtteilen vergleichsweise viele Kinos ihren Betrieb eröffnet. Filme laufen in Rödelheim, Bonames, Eckenheim, Höchst (Kammer und Casino), Sindlingen und Fechenheim. Und in den dortigen Anker-Lichtspielen gibt es den Schweizer Streifen Marie-Louise zu sehen – und er passt genau in die schwierige Nachkriegszeit.
Kinder und Jugendliche sind in den Tagen des Krieges und auch danach besonders betroffen von Not und Armut; viele von ihnen betteln bei den amerikanischen GIs um Nahrung oder sammeln für die Väter weggeworfene Zigarettenkippen. Die Kriminalität unter Jugendlichen nimmt teilweise beängstigende Ausmaße an, immerhin gibt es in den Schulen mit oft 60 Schülern in einer Klasse regelmäßig Schulspeisung, meistens sind es dünne Milchsuppen, die die Frauen von der Arbeiterwohlfahrt austeilen. Das Leben ist alles andere als leicht, aber das Schicksal trifft viele und natürlich nicht nur in Deutschland. Auch viele Kinder anderer Nationalitäten sind betroffen, auch solche aus dem „Feindesland”. Aber was zählt das schon in jenen Tagen, da alles in Schutt und Asche liegt? Und Marie-Louise handelt eben von Schicksal eines französischen Mädchens, und wer den Film sieht, erkennt schnell, dass nicht nur Deutsche das Elend des Krieges erleiden müssen. Weiterlesen →









