Peter Voss, der Millionendieb

Illustrierter Filmkurier Nr. 3360 a (E. S.)  – Peter Voss, der Millionendieb wird im Herbst 1946erstmals gezeigt, aber erst im August 1950 in Frankfurt am Main. Karl Anton hat das Unterhaltungsstück zwar schon von September 1943 bis März 1944 noch bei der alten „Tobis” abgedreht, aber der Film ist wegen des Krieges nicht mehr aufgeführt worden. 

Peter VossNach der Kapitulation fällt das Material in Berlin in die Hände der Alliierten und wird von sowjetischen Offizieren an die gerade in der Gründung befindliche „DEFA“ zur Bearbeitung und Vorführung übergeben. Der Film wird allgemein als unpolitisch eingestuft, obwohl er zu jener Art von Unterhaltung gehört, die von den Nazis immer gerne gesehen worden ist, um den Menschen inmitten der Kriegswirren eine heile Welt vorzugaukeln und sie auf diese Weise zum „Durchhalten” zu animieren. Im Jahr 1946 ist das Publikum jedoch schon längst mit anderen Problemen beschäftigt und werkelt intensiv am Wiederaufbau des Landes, was sich auch an den positiven Wirtschaftsmeldungen ablesen lässt. Zum Beispiel teilt In Frankfurt die amerikanische Militärregierung mit, dass im zurückliegenden Monat bereits wieder Waren im Wert von insgesamt 1,64 Millionen US-Dollar aus ihrer Zone ins Ausland exportiert worden sind.

Der Aufschwung kommt also in Gang, auch wenn überall noch die Holzvergaser herumfahren. Bei solchen Vorzeichen geht es dann um reine Unterhaltung. Allerdings hat kaum jemand real so viel Geld in den Taschen wie im Film fiktiv vorhanden ist. Dafür geht es – wie so oft bei Ufa, Tobis oder Terra in jenen Jahren – auch auf Grund der Romanvorlage höchst international und weltläufig zu.

Es gibt in Polly Petterson eine wichtige Großkundin des Bankhauses Van Geldern, das jedoch Pollys Vermögen in den Sand gesetzt hat; der rührige Bankangestellte Peter Voss versucht zu retten, was noch zu retten ist, spielt für einige Zeit den fiktiven Millionendieb, ein Privatdetektiv namens Bobby Dodd ist ihm auf den Fersen und die wilde Verfolgungsjagd geht über Lissabon, Rio de Janeiro, den Wilden Westen bis nach Hawaii in die Südsee. Dass sich dort die Unschuld von Peter Voss herausstellt und ihm die gut betuchte Polly Petterson in die Arme sinkt – und ganz nebenbei auch das finanziell angeschlagene Bankhaus gerettet wird – versteht sich von selbst.

Daten zum Film

Peter Voss, der Millionendieb (Illustrierter Filmkurier Nr. 3360 a) ist eine deutsche Abenteuerkomödie (nach einem Roman von Ewald G. Seeliger) und hergestellt zwischen 1943 und 1946. Der Film wird noch vor Ende des Krieges von der Tobis begonnen, aber erst nach Kriegsende von der DEFA fertiggestellt. Unter der Regie von Karl Anton agieren Viktor de Kowa (als vermeintlicher Millionendieb Peter Voss), Karl Schönböck (als Detektiv Bobby Bodd), Else von Möllendorff (als Polly Pettterson), Hans Leibelt (als Bankier von Geldern), Kurt Seifert (als Petterson), Georg Thomalla (als Flipp). Drehbuch von Felix Eckardt und Karl Anton; an der Kamera Eduard Hoesch, Musik von Werner Schmidt-Boelcke und Friedrich Schröder.

Zusatzinfo: Das Buch war schon 1932 mit Willi Forst, Alice Treff und Paul Hörbiger verfilmt worden, 1958 folgte ein Streifen mit O. W. Fischer, Walter Giller, Ingrid Andree und Peter Mosbacher in den Hauptrollen. – Am 27. September 1946 wird der Film erstmals in Deutschland gezeigt.  (In Frankfurt zu sehen ab 22. August 1950 in der Scala).