Die Madonna der sieben Monde

Illustrierte Filmbühne Nr. 49  (E. S.) – Britische Filme sind in der Nachkriegszeit in den Kinos der damaligen Westzonen mehr als präsent. Eagle Lion und die Verleih-Großmacht J. Artur Rank, die von einem ein muskulöser Mann mit mächtigem Gong den jeweiligen Film einleiten lässt, sind die Giganten im Auftrag der Militärbehörden. 

Die Madonna der sieben MondeDie Währungsreform von 1948 hat die Situation im Land zwar verändert und immer mehr Menschen strömen in die Kinos. Gleichwohl geht manches noch verquer und es mangelt an vielem. In Berlin werden Briketts aus Teer und Sägespänen produziert und für 33 Pfennige verhökert, im Anzeigenteil der Tageszeitung „Frankfurter Rundschau” bietet ein unbekannter Chiffre-Auftraggeber dagegen ein immerhin 600 Quadratmeter grosses, jedoch offenbar unwirtliches Trümmergrundstück in der Nähe des Hauptbahnhofes an – und in dieser Zeit kommt als einer der vielen Streifen von der Insel Die Madonna der sieben Monde in deutsche Lichtspielhäuser.

In einer Zweitaufführung ist der Film Anfang September in den Nidda-Lichtspielen in Nied zu sehen, jenem Kino, wo es an Werktagen nur eine einzige Vorstellung um 19,30 Uhr gibt. Die bekanntesten Darsteller aus England sind zu dieser Zeit James Mason, Margaret Lockwood, Phyllis Calvert, Stewart Granger, Vincent Price. Fast alle machen später in den USA Karrieren. Eine der großen Filmfirmen in London sind die Gainsborough Studios, die auch Die Madonna der sieben Monde produzieren.

Das ist ein wahrhaft kassenträchtiger Film in den westlichen Zonen (vorher natürlich auch in England). In dem Melodram gibt der junge Stewart Granger einen wenig angenehmen Zeitgenossen, wobei eine Frau namens Maddalena (Phyllis Calvert) eine wichtige Rolle spielt. Maddalena leidet nach einer Vergewaltigung in früher Jugend an zeitweiligen Bewusstseinsspaltungen. Einerseits lebt sie als Frau des gut betuchten Weinhändlers Giuseppe Labardi (John Stuart) in einer gesicherten Existenz in Florenz, andrerseits ist sie in ihrem zweiten Leben als Rosanna die Geliebte des Bandenführers Nino Barucci (Stewart Granger) im so genannten „Haus der sieben Monde” in Florenz. Ein Rührstück zweifellos, aber doch auch irgendwie faszinierend mit seiner irgendwie grobschlächtigen Darstellung von Gut und Böse.

Daten zum Film 

Die Madonna der sieben Monde (Illustrierte Filmbühne Nr. 49) ist eine englische Literaturverfilmung der Gainsborough Pictures aus dem Jahr 1944 nach einem Roman von Margery Lawrence. Regisseur ist Arthur Crabtree; es agieren Phyllis Calvert (als Maddalena Lambardi und als Rosanna), Stewart Granger (als Bandenführer Nino Barucci), Patricia Roc (als Angela Lambardi, Tochter von Maddalena), Peter Glenville (als Sandro Barucci), John Stuart (als Giuseppi Lambardi, Ehemann von Maddalena). Deutsche Stimmen: Arnold Marquis (Stewart Granger), Friedel Schuster (Phyllis Calvert). Uraufführung für Großbritannien am 22. Januar 1945, deutsche Erstaufführung im März 1947. Gezeigt Ende August, Anfang September 1948 in den Nidda-Lichtspielen in Nied.