Die Frau gehört mir

Illustrierte Filmbühne Nr. 2  (E. S.) – Im März des Jahres 1947 ist es noch immer kalt in Frankfurt, auch wenn das Schlimmste vorbei ist. Eine extreme Kältewelle hatte seit Dezember 1946 ganz Mitteleuropa umklammert. Die Temperaturen sind teilweise bis auf minus 30 Grad abgesunken, der Ärmelkanal ist fast völlig zugefroren, die Flüsse lange unpassierbar, der Frost greift bis zum Mittelmeer, Hunderte von Kälte-Toten werden registriert, die Monate Dezember, Januar und Februar werden in den Geschichtsbüchern fortan als „Hunger-Winter“ beschrieben.

Die Frau gehört mirDie rationierten Lebensmittel sind in diesen harten Tagen wieder knapper geworden, die zwei Tageszeitungen „Frankfurter Rundschau” und „Neue Presse” erscheinen wegen der geringen Papierzuteilung nur zwei- oder dreimal die Woche, aber in Frankfurt haben nach dem Krieg doch schon wieder 14 Kinos geöffnet. Schauburg und das Apollo in Bornheim, das Titania in Bockenheim, das Hansa und die Lichtburg in der Kaiserstraße am Hauptbahnhof, das Harmonie in Sachsenhausen, die Zoo-Lichtspiele im Ostend. Außerdem wird in den Stadtteilen Rödelheim, Höchst, Bonames, Eckenheim, Sindlingen und Fechenheim wieder gespielt. Gleich in fünf Häusern wird dabei der Wildwest-Film Die Frau gehört mir gezeigt.

Weil die Kälte Anfang März etwas abgeklungen ist, steht der Western auf dem Wunschzettel. Der Besuch am Sonntag ist jedoch nur zu Fuß von Sachsenhausen über den wieder aufgebauten Eisernen Steg und Römerberg in Richtung Innenstadt möglich – und von dort geht es mit der Tram nach Bornheim.

Dichte Menschenmassen bevölkern den Platz vor dem ebenfalls schwer beschädigten Römer; die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) hält eine Großkundgebung ab, zu dieser Zeit gibt es noch keine Bundesrepublik und keine DDR, nur die drei westlichen und die sowjetisch besetzten Besatzungszonen. Fast 25 000 Menschen haben sich inmitten der Trümmerlandschaft versammelt, es sprechen unter anderem Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl aus der Ostzone. Wohin der politische Weg Deutschlands führen wird, ist noch ungewiss, obwohl sich am Horizont so einiges abzuzeichnen beginnt…

Der Weg führt durch die Massen der Kundgebungsteilnehmer, vorbei an der Ruine der Paulskirche in Richtung Hauptwache, dann in die Straßenbahn.  An der Kasse der Schauburg in der Bergerstraße in Bornheim, muss ein Obolus von 80 Reichspfennig entrichtet werden, dann ist der Film zu sehen, der die dramatischen Ereignisse beim Bau der Eisenbahn von der Ost- zur Westküste in Amerika zeigt, aber auch die unmenschlichen Bedingungen unter denen die Arbeiter zu leiden haben, und die brutale Gewalt, mit der die Eisenbahngesellschaften die Trassen durch den „Wilden Westen“ schlagen.

Daten zum Film

Die Frau gehört mir (Illustrierte Filmbühne Nr. 2 – zuvor erschienen als Nr. 2 des dritten Jahrgangs) ist ein Paramount-Film (SW) aus dem Jahr 1939 nach einer Erzählung von Ernest Haycox (mit deutschen Untertiteln). Die Regie führt Produzent  Cecil B. de Mille selbst. Hauptdarsteller sind Barbara Stanwyck (als Mollie Monahan, Postfräulein und Tochter eines Lokomotivführers), Joel McCrea (als Sicherheitsbeamter Jeff Butler), Robert Preston (als zwielichtiger Freund von Jefff Butler), Brian Donlevy (als Glücksritter Sid Campeau), Anthony Quinn (als Jack Cordray).  Das Drehbuch schreiben Walter DeLeon, C. Gardner-Sullivan und Jesse Lasky jr., an der Kamera arbeiten Victor Milner und Dewey Wrighley, die Musik komponieren John Leipold, Sigmund Krumgold und George Antheil.

Weltpremiere des im Original 135 Minuten langen Films am 27. April 1939 in Omaha (Nebraska),, USA-landesweit an 5. Mai 1939, in Deutschland in einer gekürzten Fassung 1939 zu sehen, Wiederaufführung in den westlichen Besatzungszonen am 1. Dezember 1946, am 9. März 1947 läuft der Film in Frankfurt in der Schauburg (Bornheim) sowie im Apollo, Titania, Casino (Höchst) und Kammer (Höchst).