Pikanterie

Illustrierte Filmbühne Nr. 1006 (E. S.) – Die Zeit zu Beginn der Fünfziger Jahre ist im deutschen Kinoleben von glanzvollen Premieren geprägt. Zu den überregionalen, aber auch regionalen Erstaufführungen werden die Stars von den Filmverleihern präsentiert, und auch Schnickschnack – wie etwa Modenschauen – gehören in vielen Fällen – und wenn es zum Film passt –, zur Promotion.

PikanterieIn Frankfurt am Main läuft zum Beispiel am Dienstag, 23. Januar 1951, im großen Filmpalast die Liebesromanze Pikanterie (nach dem Theaterstück von Franz Gribitz) an. Grund genug für Kinobetreiber Willy Colm und den Commerz-Filmverleih vorab und am Premierentag  kräftig die Werbetrommel zu rühren. Klappern gehört bekanntlich zum Handwerk. So werden dem Publikum nicht nur hübsche Modellkleider des Salons Antoinette vorgeführt, auch  Irene von Meyendorff und Suzanne von Almassy präsentieren sich auf der Bühne des großen Kinos (1500 Plätze) dem Publikum, nachdem sie sich zuvor in der neuen Mokka-Stube des Kinos mit den Vertretern der örtlichen Presse über Gott und die Welt (und natürlich den Film) unterhalten haben. In dem geht es um die Liebe zwischen der jungen Witwe Hortense Clairmont (Irene von Meyendorff) und dem skandalumwitterten Schriftsteller Sascha Borotratz (Curd Jürgens). Ein durchaus gelungener Streifen, doch bei genauerem Hinsehen überstrahlen doch viele der altbekannten deutschen Kinoklischees die französisch angelegten Amouren.

In dem 90 Minuten langem Film ist zu sehen, wie die junge und attraktive Witwe Hortense Clairmont – aus der Provinz nach Paris gekommen –, tief enttäuscht ist von dem Schriftsteller Sascha Borotraz (Curd Jürgens), den sie einst verehrt hat. Doch die intensiven erotischen Schilderungen in seinem neuen Roman „Pikanterie”  missfallen der jungen Hortense übr alle Maßen. Was sie nicht weiß: Um den Erfolg des Buches noch zu steigern, will Verleger Poule (Hubert von Meyerinck) seinem Autor  gezielt das Image eines ausschweifenden Lebemannes samt Geliebter verpassen, obwohl Borotratz in Wirklichkeit ein eher harmloser Bursche ist, der ein zurückgezogenes Leben führt.

Für die Rolle dieser „Geliebten“ wird die reiche Gabrielle Courtois (Suzanne von Almassy) auserkoren, einer Freundin von Hortense. Doch als Gabrielle Courtois verhindert ist, bei einem Schriftsteller-Kongress die Rolle der Geliebten zu spielen, springt Hortense in die Bresche. Wie nicht anders zu erwarten, kommt es zwischen ihr und Boratratz schnell zu heftigen Wortgefechten, worauf Hortense den Kongressort voller Empörung verlässt. Doch – wer ahnt es nicht –, steuert dann doch alles auf ein Happy-End zu…

Im Grunde genommen ist die Geschichte schon hundertfach und in allen Variationen erzählt worden, gleichwohl aber hat der Film viele reizvolle Momente. Das liegt nicht nur an der Handlung, sondern an der gelungenen Besetzung, auch bei den Chargen. Irene von Meyendorff und Suzanne von Almassy präsentieren sich in exzellenter Form, Hubert von Meyerincks markanter Kahlkopf leuchtet bewährt wie immer durch die diversen Kamera-Einstellungen, Carl-Heinz Schroths zeigt stets eine gekränkte Kammerdiener-Miene und lässt den auf diese Rolle abonnierten Theo Lingen vergessen, nur Hans Olden übertreibt seine Trottelrolle als Bankdirektor ein wenig, auch Curd Jürgens wirkt ein wenig steif und hölzern. Das Publikum amüsiert sich gleichwohl und  insgesamt zu Recht über einen doch gelungenen Streifen.

Daten zum Film

Pikanterie (Illustrierte Filmbühne Nr. 1006) ist eine deutsche Literaturverfilmung aus dem Jahr 1950 (Skala-Produktion, Commerz-Filmverleih). In der Liebesromanze von 90 Minuten führt Alfred Braun die Regie, als Darsteller sind Irene von Meyendorff (als Witwe Hortense Clairmont), Curd Jürgens (als Schriftsteller Sascha Borotratz), Susanne von Almassy (als Gabrielle Courtois), Hubert von Meyerinck (als Verleger Ponte), Hans Olden (als Bankpräsident), Carl-Heinz Schroth (als Gabrielles Diener Pierre), Marina Ried (als Gabrielles Zofe Angèla) und Elisabeth Flickenschild (als Madame Laroche) zu sehen. Produzent ist Hans Herbert Ulrich, das Drehbuch ist (nach seinem eigenen Bühnenstück) von Franz Gribitz geschrieben, die Kamera führt Bruno Stephan. Die Musik ist komponiert von Herbert Trantow.

Deutsche Erstaufführung am 29. Dezember 1950. In Frankfurt erstmals gezeigt am Dienstag, 23. Januar 1951, im Filmpalast.