Piraten im Karibischen Meer

Illustrierte Filmbühne Nr. 783  (E. S.) – Der 1. September 1951 ist für die Entwicklung der Kino- und Filmwirtschaft in der Bundesrepublik ein ziemlich interessantes Datum: Die Filmbewertungsstelle (FBW) der Länder nimmt in Wiesbaden ihre Arbeit auf. Ihre Aufgabe besteht darin, die von den Filmverleihern und Produzenten vorgelegten Kultur-, Dokumentar- und Spielfilme zu beurteilen. Und Filme, welche die Prädikate „wertvoll” oder „besonders wertvoll” erhalten, werden steuerlich begünstigt, was die Betriebskosten in den Kinos erheblich senken kann.

PiratenDer Film Piraten im Karibischen Meer, den ich eine Woche zuvor in Preungesheim im  Frankfurter Norden in der Nachtvorstellung sehe, hat aber keines dieser Prädikate erhalten: – schon deshalb nicht, weil die Institution ihre Tätigkeit noch gar nicht aufgenommen hat; allerdings ist auch kaum anzunehmen, dass der Streifen bei den Juroren aufgefallen wäre, handelt es sich schließlich doch „nur“ um ein spannendes Abenteuer-Spektakel, wenn auch mit einer für ein solches Genre glänzenden Besetzung (John Wayne, Ray Milland, Paulette Goddard und Susan Hayward). Einzelheiten des Geschehens auf der Leinwand sind dem Autor jedoch kaum noch in Erinnerung – John Wayne als Bösewicht zu sehen, ist ohnehin ein seltenes Vergnügen. Immerhin steht der Mann nach 80 mehr oder weniger unbedeutenden B-Filmen (Ausnahmen: „Höllenfahrt nach Santa Fe” und „Das Haus der sieben Sünden”) zu diesem Zeitpunkt noch am Anfang seiner Weltkarriere.

Auf die vielen raubeinigen „Helden” in Western, Kriegsfilmen und anderen Streifen ist er aus diesem Grund noch nicht festgelegt. Gleichwohl ist hier ein Abenteuerfilm über räuberische Piraten und ihr wildes Leben an der amerikanischen Ostküste entstanden, der sehr kurzweilig ist.

Natürlich kommt darin auch die Liebe nicht zu kurz, wobei es hauptsächlich um den aufrechten Anwalt Stephan Tolliver (Ray Milland) geht, der den Piraten das Handwerk legt und zugleich die hübsche Loxi Claiborne (Paulette Goddard) für sich gewinnt. Dazu aber muss er erst einmal einige üble Burschen aus dem Feld schlagen, was natürlich grandios gelingt…

Daten zum Film

Piraten im Karibischen Meer (Illustrierte Filmbühne Nr. 783) trägt den Originaltitel Reap the Wild Wind und ist ein Abenteuerfilm aus dem Piratenmilieu der Paramount Pictures aus dem Jahr 1942. Unter der Leitung von Produzent und Regisseur Cecil B. DeMille spielen John Wayne (als Captain Jack Stuart), Paulette Goddard (als Loxi Claiborne), Ray Milland (als Anwalt Stephen Tolliver), Susan Hayward (als Drusilla Alston), Robert Preston (als Dan Cutler), Charles Bickford (als Captain der Tyfib““) sowie Raymond Massey (als Piratenanführer King Cutler). Der Film erhielt im Jahr 1943 den Oscar für die besten Spezialeffekte in Bild und Ton. Deutsche Synchronsprecher sind Peter Pasetti (John Wayne), Paul Klinger (Ray Milland), Ilse Werner (Paulette Goddard), Elfie Berger (Susan Hayward) und Wolfgang Preiss (Robert Preston).

Weltpremiere ist am 18. März 1942 in Los Angeles (Kalifornien) und am 26. März des gleichen Jahres in New York City; Erstaufführung in der Bundesrepublik am 16. Februar 1951. Vom Autor gesehen am 22. August 1951 im Delphi-Filmtheater in Frankfurt-Preungesheim.