Mit Büchse und Lasso

Illustrierte Filmbühne Nr. 518  (E. S.) – Am 6. März 1950 lese ich in der Tageszeitung „Frankfurter Rundschau” eine kurze Besprechung über einen Film mit John Wayne. Der Kritiker kommt zu dem Schluss, dass Der Rächer der Enterbten ein  ordentlich und „gut fotografierter, schwungvoller Wildwest-Reißer nach altbewährter Hollywood-Machart ist: „Dunkle Morde, Schurkereien, zwei junge Damen, ein verwaiste Farm und etwas Liebe”, schreibt der Mann, „sind die Zutaten dieser Abenteuerlichkeit”. Und ergänzend: „Zwar alles nach Schema F, aber aus dem ff gekonnt!”

Mit Büchse und LassoGleichwohl ist mein Erstaunen groß, erhalte ich doch an der Kasse eine „Illustrierte Filmbühne” mit dem Aufdruck Mit Büchse und Lasso. Was hat das zu bedeuten? Bin ich vielleicht in den falschen Film geraten? Mitnichten. Vielmehr zeigt sich, wie diffizil, aber auch kopflos das Filmgeschäft sein kann. Erst zerbrechen sich die Verleiher lange die Köpfe, um einen wirklich guten, zugkräftigen Namen zu finden, geraten bei mangelndem Interesse des Publikums schnell in Panik, und versuchen mit einem anderen Titel neue Aufmerksamkeit beim Publikum zu erregen. Unklar bleibt allerdings, ob in diesem Fall eventuell juristische Probleme bei der Titeländerung eine Rolle spielen. Aber ungeachtet dessen bleibt es kurios und merkwürdig, dass dieser eher zweitklassige Wildwest-Streifen außer mit den Titeln Mit Büchse und Lasso und Der Rächer der Enterbten auch unter   den weiteren Bezeichnung In Arizona ist die Hölle los und Der Fremde aus Arizona in die Lichtspielhäuser geschickt worden ist. In Österreich heisst der Film sogar nur ganz schlicht nur Wildwest. Alles klar?

Das amerikanische Original lautet übrigens Tall in the Saddle, was etwa so viel heisst wie „Hoch- oder Fest im Sattel”. Abgesehen von dem Titel-Wirrwarr ist die Handlung – wie schon oben gesagt – eher eine der üblichen Reiter- und Revolver-Melodramen. Als ein Rancher erschossen wird, macht sich der gerade von ihm eingestellte Rocklin (John Wayne) auf die Suche nach dessen Mörder, nicht ohne mit dem zwielichtigen Richter Garvey (Ward Bond) und Arly Harolday (Ella Raines) aneinander zu geraten. Die junge Frau entpuppt sich dabei jedenfalls als äusserst widerspenstig, so dass zwischen ihr und Rocklin bald die berühmten Fetzen fliegen. Aber natürlich nimmt alles ein gutes Ende – und wer bitte schön hätte das (nicht) gedacht?

Daten zum Film

Mit Büchse und Lasso (Illustrierte Filmbühne Nr. 518) heisst im Original Tall in the Saddle und wird auch unter den deutschsprachigen Titeln Der Rächer der Enterbten, Der Fremde aus Arizona und In Arizona ist die Hölle los  und Wildwest (Österreich) in die Kinos gebracht. Der Film stammt aus dem Jahr 1944 und ist von der RKO Radio Pictures produziert worden. Als Regisseur arbeitet Erwin L. Marin mit den Darstellern John Wayne (als Rocklin), Ella Raines (als Arly Harolday), Ward Bond (als Richter Garvey) und George „Gaby” Hayes (als Dave).

Erstaufführungen am 29. September 1944 in den USA, am 8. Dezember 1949 in der Bundesrepublik Deutschland, in Frankfurt vom Autor gesehen am 7. März 1950 im Eden.

Hinweis: Der hier beschriebene Film ist nicht zu verwechseln mit dem 1957 von der 20th Century Fox hergestellten Film Rächer der Enterbten über das Leben von Jesse James mit Robert Wagner, Jeffrey Hunter und Hope Lane in den Hauptrollen.