Rauschgift an Bord

Illustrierte Filmbühne Nr. 554 (E. S.) – In deutschen Kinos läuft im März 1950 der Film Rauschgift an Bord, in dem es um Werkspionage und eine zwischen Irland, England und Schweden operierende Drogenbande geht. Die wichtige  Hauptfigur heißt David Grant (Robert Newton), der eingeschleust wird, um die Drahtzieher dingfest zu machen.

Rauschgift an BordDoch man darf nicht alles für bare Münze nehmen, was über die Leinwände flimmert. Auch bei diesem Film wird ein wenig getrickst, um das deutsche Publikum nicht zu „vergraulen”. Im Originalfilm Night boat to Dublin geht es nämlich – wie der Autor erst später erfährt –keineswegs nur umDrogengeschäfte, sondernum einen etwas naiven schwedischen Atomforscher namens Hansen, der vor den Versuchen der Nazis, ihn auszuspähen, geschützt werden soll. Im Grunde ist die „Modifizierung” des Themas unnötig und überflüssig, denn spätestens seit den Abwürfen der US-Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki im August 1945 mit Hunderttausenden von Toten ist den Menschen in aller Welt klar, dass bei einer solch verheerenden Wirkung der Bomben alle anderen im Krieg befindlichen Staaten (auch Deutschland) daran interessiert sind, sich schnellstens mit der Wirkungsweise und Konstruktion dieser Vernichtungswaffen vertraut zu machen – und zwar nicht nur ausschließlich über wissenschaftliche Kanäle, sondern auch über Spionageaktionen.

Der im übrigen mit recht melodramatischen Akzenten versehene Kriminalreißer beruht jedenfalls auf authentischen Notizen des Widerstandskämpfers und Schriftstellers Patrick Leigh-Fernor, wobei in der britischen Originalfassung eben nicht der Rauschgift jagende „Scotland Yard-Mann” David Grant (Robert Newton) im Blickpunkt steht, sondern der Geheimdienstlers Grant.

Doch ob als Rauschgift-Jäger oder MI 5-Agent ist dann für den Film irgendwie auch egal. Irgendwie landen alle Beteiligten in Dublin, wo dann ein gewisser Robert Wilson (Lawrence O’Madden) ermordet wird. Später hat auch die österreichische Emigrantin Marion Decker (Muriel Pawlow) noch einen wichtigen Auftritt im oft undurchsichtigen Geschehen, weil sie eine Scheinehe mit Grant eingehen muss, wobei sich fast von selbst ergibt, dass sich aus dieser Partnerschaft nach dem Ende des dramatischen Geschehens eine echte Liebesgeschichte ergibt.

Daten zum Film

Rauschgift an Bord (Illustrierte Filmbühne Nr. 554) mit dem Originaltitel Night boat to Dublin ist ein britischer Kriminalfilm aus dem Jahr 1947, hergestellt von der Firma Pathé. In Österreich läuft der Film unter dem Titel Atomspione. Die Regie hat Lawrence Huttington, als Mitwirkende kommen Herbert Lom (als deutscher Agent Keitel), Raymond Lovell (als undurchsichtiger Bösewicht Paul Faber), Guy Middleton (als Tony Hunter), Muriel Pavlow (als Marion Decker) sowie Robert Newton (als David Grant) zum Einsatz.

Erstaufführungen am 1. April 1946 in London, am 10. März 1950 in der Bundesrepublik Deutschland. Gesehen vom Autor im Eden bei der Frankfurter Premiere am 26. Mai 1950.