Rauschgiftbrigade

Das Neue Filmprogramm (E. S.) – Anfang der Fünfziger Jahre ist Rauschgift noch nicht das große Thema in der Öffentlichkeit, wird in doch meist „gehobenen Kreisen” sowie dem Künstlermilieu zugeordnet. Doch am 28. Juni 1951 berichtet die Hamburger Wochenzeitschrift „Die Zeit“ von einem Drogenskandal an New Yorker Schulen.

Nachdem sich herausgestellt hat, dass an vielen Schulen mit Rauschgift  gehandelt wird, ordnet der für New York zuständige Gouverneur Dewey eine gründliche Untersuchung an. Die Ergebnisse sind erschreckend und lösen in den USA große Erregung aus. Der Präsident der Oberschulbehörde von New York nennt die Zahl von 1500 süchtigen Schülern und Schülerinnen an höheren Schulen, die zuständige Generalstaatsanwaltschaft spricht sogar von mindestens 5000 Betroffenen. Inoffiziell und unter der Hand kursieren sogar Gerüchte von 15 000 Abhängigen. Rund vier Wochen später läuft im Frankfurter Filmpalast der halbdokumentarische Film Rauschgiftbrigade, der sich just mit dem Thema befasst und ebenfalls in New York angesiedelt ist. Es wird geschildert, wie von einem amerikanischen Frachtschiff eine ganze Kiste Rauschgift verschwindet und das New Yorker Drogendezernat mit den Zollbehörden daran arbeitet, den Gangstern das Handwerk zu legen.

Die Wolkenkratzer der großen Stadt bilden eine faszinierende steinerne Kulisse für die Jagd. Fragen ergeben sich wie von selbst. Woher kommt plötzlich die große Menge des Rauschgiftes, wer betreibt das gewissenlose Geschäft? Die Beamten gehen den dunklen Wegen nach, versuchen die Schwachstellen ausfindig zu machen, ein gefährliches Doppelspiel erst bringt die Gangster zur Strecke. Menschen sind gleichwohl zu Schaden gekommen. Rauschgiftsüchtige sowieso, Informanten, Beamte und andere.

Für die Spannung dieses realistische angelegten Kriminalreissers sorgen Scott Brady, Richard Rober, K. T. Stevens und Yul Brynner (in seiner ersten Filmrolle als übler Verbrecher). Und nebenbei bemerkt steht weniger das Gangstertum im Vordergrund der Filmschilderungen, sondern die Aufklärungsarbeit der Polizei in einem dokumentarischen Stil wie er zu dieser Zeit sehr gepflegt wird („Geheimagent T”, „Straße ohne Namen”, „Der Todeskuss”.

Daten zum Film

Rauschgiftbrigade (Das Neue Filmprogramm) trägt den Originaltitel The Port of New York und ist auch erschienen unter der Fernseh-Bezeichnung Der Hafen von New York. Der amerikanische halbdokumentarische Filmnoir- und Kriminalstreifen stammt aus dem Jahr 1949. Hergestellt von Eagle Lion (Produzent: Aubrey Schenck) – verliehen zunächst von der Styria-und Superfilm – in einer Länge von 81 Minuten spielen unter der Regie von Laszlo Benedek die Darsteller Scott Brady (als Zollfahnder Michael Waters), Yul Brynner (als Gangsterboss Paul Vicola), K. T. Stevens (als seine Geliebte Toni Cardell), Richard Rober (als Rauschgiftfahnder Jim Flannery), Lynn Carter (als Lili Long). Das Drehbuch wird geschrieben von Eugene Ling und Leo Townsend, an der Kamera steht George E. Diskant, die Musik komponiert Sol Kaplan.

Erstaufführung am 28. November 1949 in den USA, am 6. Januar 1951 in Deutschland. In Frankfurt gestartet am 3. August 1951 im Filmpalast.